22.06.10

Theater

Inka Löwendorf ist die Frau neben Kurt Krömer

Der Berliner Komödiant Kurt Krömer ist an der Volksbühne in "Johnny Chicago" zu sehen. An seiner Seite: Theaterschauspielerin Inka Löwendorf, mit der er mehr als nur den Berliner Dialekt teilt.

Von Aurelie Winker
Foto: David Heerde
Inka Löwendorf engagiert sich für Neukölln. Hier posiert sie in der Volksbühne.
Inka Löwendorf engagiert sich für Neukölln. Hier posiert sie in der Volksbühne.

Ihren ersten Besuch in der Volksbühne 1997 beschreibt Inka Löwendorf als "Urerlebnis". Sie war damals 20 Jahre alt und dachte: "Nur einmal auf dieser Bühne stehen!" Inzwischen ist sie Ensemblemitglied und arbeitet gerade mit einem Oscar-Preisträger zusammen: Jochen Alexander Freydank, der 2009 für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" ausgezeichnet wurde, inszeniert "Johnny Chicago", von und mit Jakob Hein, dem "Neo-Clown" Kurt Krömer – und eben Inka Löwendorf.

Johnny Chicago ist so ungefähr 8000 Jahre alt und zu Gast in einer Talkshow. Dort berichtet er, wen er im Laufe seines doch recht langen Lebens getroffen und was er alles erlebt hat. Inka Löwendorf ist nicht nur von Kurt Krömers Humor begeistert, sondern auch von der Zusammenarbeit. "Mir gefällt an ihm, dass er wahnsinnig unaufgeregt ist und uneitel. Ich mag humorvolle Menschen, die auch über sich selbst lachen können."

Ein Spiel mit dem Berliner Dialekt

Eine Gemeinsamkeit zwischen Inka Löwendorf und Kurt Krömer hört man sofort: das Spiel mit dem Berliner Dialekt – ein Verweis auf die eigene Herkunft. Kein Zufall also, dass Krömer Schirmherr vom "Heimathafen Neukölln" ist, den Inka Löwendorf vor drei Jahren mitbegründet hat. Zu dieser Zeit war Neukölln in den Medien als Problemviertel von Berlin omnipräsent. Inka Löwendorf arbeitete noch am Staatstheater Mainz, aber wusste schon: "Wenn ich wieder in Berlin bin, will ich unbedingt etwas in Neukölln machen", um diesem Bild entgegenzuwirken. Sie gründete mit Freunden den Heimathafen, ein Theater, das zunächst in Eckkneipen und anderen Provisorien spielte, bevor es im Saalbau eine feste Spielstätte fand.

Inka Löwendorf mag "Volkstheater", womit sie allerdings nicht Boulevardtheater meint. "Man muss Theater unmittelbar verstehen können, auch ohne Kleists Aufsatz 'Über das Marionettentheater' gelesen zu haben, Theater ist keine rein intellektuelle Angelegenheit. Das ist auch das Problem von zeitgenössischem Theater – es ist zu verkopft." Inka Löwendorf vertritt Volkstheater im Sinne eines politischen Theaters, welches eine direkte Verbindung zur Alttagsrealität sucht und für alle da sein will. Sie distanziert sich dabei von einer Überbetonung der Ästhetik. "Ich brauche nicht 13.000 Euro für eine schicke Wohnung von Emilia Galotti, Stücke sind dazu da, dass wir sie emotional aufnehmen können. Dazu bracht man gute Schauspieler, eine Regie mit Ideen und etwas Licht und Musik."

Vier Jahre alt und schon an der Deutschen Oper

Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Heimathafen. Er ist in seiner Umgebung verankert, sichtbar durch Stücke wie "Berlin Hermannplatz", eine Hommage an Alfred Döblin, oder das Berliner Milieu-Drama "Arabboy", bei dem auch Inka Löwendorf mitspielte. Die 33-Jährige selbst ist aber nicht in Neukölln aufgewachsen, sondern in Wilmersdorf. Mit vier Jahren tanzte sie bereits an der Deutschen Oper in Berlin und machte während der Schule eine Tanzausbildung. Bei einem Tanzauftritt im Berliner Ensemble lernte sie Martin Wuttke kennen, der ihr eine kleine Sprechrolle gab. Obwohl man die Rolle gleich wieder strich, wurde Wuttke eine prägende Figur auf Inka Löwendorfs Weg zum Schauspiel. Eine andere wichtige Erfahrung war ihr Freiwilliges Soziales Jahr in einem bolivianischen Kinderheim. Dort entwickelte sie mit der Theatergruppe den "Kinderkreuzzug" von Bertolt Brecht. Auch zum Schauspielstudium zog es sie ins Ausland, ans Max-Reinhardt-Seminar in Wien – ein größerer Kulturschock als Lateinamerika. Denn auch wenn ihr Wienerisch sehr überzeugend klingt, machte ihr die Mentalität Probleme. "Die Wiener kennen keine direkte Kommunikation und sagen immer alles hinten herum. Da denkt man als Berlinerin oft nur: Komm auf den Punkt!"

Auch einige Fernseherfahrung hat Inka Löwendorf gesammelt, unter anderem beim "Tatort", doch ihr Herz schlägt fürs Theater. In "Johnny Chicago" kann sie sich richtig ausspielen, denn sie hat etliche verschiedene Rollen: die Redakteurin der Talkshow sowie die Menschen, denen Johnny Chicago alias Kurt Krömer begegnete, unter anderem Jesus und Hitler. Humor und die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, sollten die Zuschauer also mitbringen.

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