Sanierung
Tropfende Rohre und Schimmel in der Staatsoper
Dienstag, 22. Juni 2010 13:51 - Von Stefan KirschnerWasser im Keller, marode Fundamente, uralte Technik - die Berliner Staatsoper Unter den Linden ist ein dringender Sanierungsfall. Wie schlimm es um das Haus steht und wann der Glanz zurückkehrt.
Die Vorgaben sind eindeutig: Der 3. Oktober 2013 ist der Tag der feierlichen Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden. Und die Kosten für die „Jahrhundert-Sanierung“ sollen die vorgesehenen 239 Millionen Euro nicht überschreiten, wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Montag bei einem Rundgang durch das marode Gebäude betonte. Sie zeigte sich sehr optimistisch, was das Erreichen dieser Ziele angeht, und überließ dem zuständigen Architekten HG Merz die Rolle, etwas zurückhaltender auftreten zu dürfen.
Die finanzielle Vorgabe hat allerdings ihren Preis: Um das Budget einhalten zu können, wird nämlich nicht alles saniert. Nicht im Opernhaus selbst, das soll schon komplett in frischem Glanz erstrahlen, sondern im benachbarten Magazingebäude, das sich bis zur Französischen Straße hinzieht. Rund 40 Prozent des Gebäudes bleiben wie sie sind, im Inneren soll eine Brandmauer zur Abtrennung hochgezogen werden, wie Architekt HG Merz erläuterte. Was sich wie ein Schildbürgerstreich anhört und darauf hinausläuft, dass dieses Gebäude künftig sowohl eine sanierte als auch eine unsanierte Fassade aufweisen dürfte, ist dem Kostenrahmen geschuldet. Diesseits der Brandmauer soll mit der Oper dir große Kunst residieren. Für den Rest wird ein Nutzer gesucht, erklärte Frau Lüscher.
Als Gesamtkunstwerk erhalten
Vielleicht findet sich ja einer, der gleich noch ein paar Millionen Euro mitbringt, und der Stadt nach der Schlossplatzöde eine weitere Peinlichkeit im Zentrum erspart. Zum Vergleich: Der verschobene Wiederaufbau des Stadtschlosses war mit rund 550 Millionen Euro veranschlagt. An der Staatsopern-Sanierung beteiligt sich der Bund mit 200 Millionen Euro.
„Wir wollen das Haus als Gesamtkunstwerk erhalten“, kündigte HG Merz an und sendete damit beruhigende Signale in Richtung Denkmalschutz. Architekt Richard Paulick hatte die im 2. Weltkrieg zerstörte Staatsoper, einen Bau von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Anfang der 50er Jahre im historischen Stil wieder aufgebaut.
Im Rahmen der Sanierung werden auch undichte Stellen in Mauerwerk und Fundament beseitigt und die Heizungs-, Lüftungs-, Elektro- und Sanitäranlagen erneuert, kündigte Frau Lüscher an.
Um eine bessere Akustik zu bekommen, ein zentraler Wunsch des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim, soll die Decke im Zuschauerraum um bis zu vier Meter angehoben werden – früher gab es in dem Opernhaus, das häufiger umgebaut und dem Zeitgeschmack angepasst wurde, zwischenzeitlich auch mal einen vierten Rang. Der kehrt gewissermaßen als Zitat zurück, entstehen soll dort eine Art Nachhallgalerie.
Im Detail werden die Pläne für den Zuschauerraum aber erst im August vorgestellt. Am Montag ging es darum, die Gesamtmaßnahme und vor allem die damit verbundenen Kosten zu erläutern. Denn neben dem eigentlichen Opernhaus wird auch das benachbarte Intendanzgebäude samt angrenzendem Magazin, dort wurden Kulissen und Requisiten aufbewahrt, saniert. Die Arbeiten umfassen auch einige Rück- und Neubauten: So verschwindet um Zuge der Sanierung des Intendanzgebäudes der Probenraum im Innenhof, dort wird es wieder „luftiger“, ganz im Stil von Paulick, wie Architekt HG Merz sagte.
Unterirdischer Verbindungsgang
Das neue Probenzentrum entsteht im angrenzenden Magazingebäude. Und schließlich soll ein unterirdischer Gang Opernhaus und Probezentrum verbinden. Auf diesem Weg sollen später auch die Kulissen transportiert werden, die per Lastwagen vom künftigen Zentrallager Hohenschönhausen angeliefert werden.
Auch technisch wird das Haus für das 21. Jahrhundert fit gemacht. „Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, um 300 Vorstellungen im Jahr spielen zu können“, sagte der technische Direktor der Staatsoper, Hans Hoffmann. Andere Häuser wie Zürich oder Wien schafften das. An der Staatsoper seien unter den eingeschränkten Möglichkeiten bislang nur bis zu 220 Aufführungen im Jahr möglich.
Die beiden anderen Opernhäuser werden diese Ankündigung wohl nicht so gern hören. Denn bislang war es in der Opernstadt Berlin ja nicht so, dass das Angebot zu gering war. Sondern die Nachfrage. Allerdings nicht bei der Staatsoper. Die sorgte in den vergangenen Jahren verlässlich für die höchste Auslastung. Das dürfte sie auch in ihrem Ausweichquartier Schiller-Theater anstreben, was angesichts der Kapazität von nur knapp 1000 Plätzen machbar scheint. Der Start ist schon mal symbolträchtig: Die erste Spielzeit im Westen beginnt am 3. Oktober – dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung.
























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