"Ehrengabe"
Der Kleist-Preis für Schirach ist sehr verwunderlich
Eigentlich soll die "Ehrengabe" laut Satzung an "aufstrebende und wenig bemittelte Dichter" gehen. Da stimmt also einiges nicht.
Von Jacques Schuster
Der Kleist-Preis ist eine der angesehensten Auszeichnungen, die der deutsche Literaturbetrieb zu vergeben hat. Er ist als "Ehrengabe aufstrebenden und wenig bemittelten Dichtern deutscher Sprache zu gewähren", heißt es in den Regeln der Kleist-Stiftung von 1912. In der Satzung steht außerdem – der damaligen Zeit gemäß hübsch undemokratisch –, dass Mehrheitsmeinungen unter Juroren allein das Durchschnittstalent förderten. "Nur ein einzelner kann sich rücksichtslos für das Außerordentliche einsetzen." In der Vergangenheit ist das gelungen. Arnold Zweig, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht und Anna Seghers, aber auch Alexander Kluge, Heiner Müller und Martin Mosebach belegen es. Nur dieses Jahr darf man sich ein wenig wundern.
Die "Ehrengabe" geht – frei nach der Satzung – an den aufstrebenden, doch reich bemittelten Dichter, nun ja: Strafverteidiger Ferdinand von Schirach. Von Schirach hat ein Buch mit seinen ungewöhnlichsten Fällen geschrieben, das "Verbrechen" heißt. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Schirach kann schreiben. Sein Buch liest sich so wie die Krimikurzgeschichten Arthur Conan Doyles, doch ein Brecht ist er nicht, nicht einmal ein Zuckmayer.
Nun ist das kein Grund, Böses über den Literaturbetrieb zu sagen. Denn es war ja eben nur ein Juror, der Ferdinand von Schirach auf Heinrich von Kleists Podest gehievt hat, und der heißt Bernd Eilert. Zuletzt machte er als Drehbuchautor für Filme wie "Sieben Zwerge – Männer allein im Wald" oder auch "Sieben Zwerge – Der Wald ist nicht genug" von sich reden, doch früher war Eilert ein Satiriker von Format.
Zusammen mit Robert Gernhardt und Pit Knorr schrieb er den Klassiker "Otto, der Außerfriesische". Seine Wahl entspricht seinem Werk: Gute Unterhaltung, keine große Literatur.
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