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25.04.10

Gitarren-Gott

Wie sich Slash von Guns N' Roses befreite

Ende der 80er-Jahre stieg er mit Guns N' Roses in den Rock-Olymp auf. Doch mit seinem ehemaligen Band-Kollegen Axl Rose hat sich Gitarrist Slash heillos zerstritten. Jetzt legt er, im Alter von 44 Jahren, seine erste Solo-CD vor. Darauf beweist Slash, dass er zu Recht als zweitbester Gitarrist aller Zeiten gilt.

pa/dpa

Der Gitarrist Johnny Allen alias James Marshall alias Jimi Hendrix avancierte Mitte der 60er Jahre zur Rocklegende.

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Die elektrische Gitarre wurde wiederholt für tot erklärt. So häufig irritierte sie die Popkultur durch ihre Wiederauferstehung, dass der Glaube an einen Gitarrengott nicht mehr ganz abwegig erscheint. Wer sich der steinzeitlichen Religion des Rock verschreibt, darf sich inzwischen vor unzähligen Gitarrengöttern beugen.

Eric Clapton sprühten sie zum Herrn der Saiten, in den Sechzigerjahren an den Häuserwänden Londons ("Clapton is god"). Jimi Hendrix starb zwar 1970, aber seine Botschaft lebt, was jede seiner Neuerscheinungen beweist.

Jimi Hendrix folgt, glaubt man der aktuellen Götterliste des "Time Magazine" , als Zweitgrößter Saul Hudson. Hudson wandte sich mit 15 Jahren der Gitarre zu, seither trägt er den Namen Slash. Vielleicht weil er beim Spielen wie ein Schrägstrich in der Landschaft steht. Vielleicht weil er als Gitarrist bisher hinter so kapriziösen Sängern stand wie Axl Rose und Michael Jackson. Slash erklärt, er habe als verhaltensauffälliges Kind schon so geheißen.

Heute ist er 44 Jahre alt. Wie die Gitarre blickt auch Slash auf Nahtod-Eindrücke und Wiederauferstehungen zurück. Ganz herkömmlicher Rockstar, der er zweifelsohne ist, trotz Ankunft im gewöhnlichen Familienleben. Seine Memoiren von 2007 beichten sogar einen achtminütigen Aufenthalt im Reich der Toten nach einer akuten Überdosis Heroin.

Slash überlebte alles: Trunk- und Heroinsucht, Guns N' Roses und die Neunzigerjahre. Seit dem letzten Absprung von der Bahre trägt er einen Herzschrittmacher. Und die innere Leere zwischen seinen Stadionmessen füllen jetzt zwei Kinder namens Cash und London. Zur Verblüffung seiner neidischen Bewunderer erklärt er, weder Sex- noch Drogenabenteuer durch die Rockkarriere angestrebt zu haben. Slash sagt: "Eigentlich wollte ich immer nur Gitarre spielen."

Zwar hat Slash sich nie gewehrt gegen die üblichen Versuchungen, bevor er als gestandener Gitarrist zur Ruhe kam. Es war aber auch nichts Besonderes für ihn, berühmt zu werden. Er verbrachte seine Kindheit in Nordengland, wo sein Vater Plattenhüllen für Neil Young entwarf und seine Mutter David Bowie kostümierte. Nach der Trennung seiner Eltern zog er nach Los Angeles.

Mit 18 Jahren gründete er die Band Road Crew, sie wurde zur Keimzelle von Guns N' Roses. Guns N' Roses existiert noch heute, allerdings seit 14 Jahren ohne Slash. Von 1987 und "Appetite For Destruction" bis 1991, als "Use Your Illusions I" und "Use Your Illusions II" erschienen, galt die Band im Rockgeschäft als größte ihrer Zeit.

Ihr kreischender Sänger Axl Rose verhielt sich vorbildlich in seinem Größenwahn und einer Egozentrik, die das Arbeiten so sehr erschwerte, dass Slash 1996 austrat. Millionenschwere Angebote, sich mit seinem Sänger zu versöhnen, lehnt er regelmäßig ab - nachdem ihn Rose gerichtlich zum Ex-Angestellten degradieren ließ.

Dafür hat Slash jetzt etwas Eigenes. Sein Solodebüt "Slash" kehrt die bisherige Arbeitsweise um. Bisher trat er als Dienstleister für andere Künstler in Erscheinung. Nun lädt er seine Kollegen, Vorbilder und Freunde unverbindlich ein. Kid Rock wirkt mit, Dave Grohl und Chris Cornell.

Er lässt sich musikalisch kaum beirren, spielt seinen abgehangenen Schweinerock und dabei wundervoll Gitarre. Seine Soli singen, und präzise setzt er Riffs, die ältere, rockgläubige Männer erdig nennen. Mit dem Einwand, es gäbe mehr herrliche Musik ohne elektrische Gitarren, phallisches Gebaren, alberne Zylinderhüte und Geschichten von Triumph über den Tod, braucht Slash niemand zu kommen.

Er erweckt sein Instrument, wenn Iggy Pop singt, dass wir alle sterben werden. Lemmy Kilmister von Motörhead rät davon ab, den Ärzten zu vertrauen. Sondern höheren Mächten, notfalls auch sich selbst. "Ich bin noch lange kein Gitarrengott", sagt Slash. Aber was heißt das schon.

Einen Song des neuen Slash-Albums können Sie bei der Online-Ausgabe des Musikmagazins "Musikexpress" hören.

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