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13.04.10

Late Night "Beckmann"

Peitschen-Peer und Schmidt prügeln auf Banker ein

Wie der Vater, so die Tochter. Bei Reinhold Beckmann kritisierte Susanne Schmidt (Ex-Bankerin und Tochter von Helmut und Loki Schmidt) das Gebaren der Finanzwelt – und bekam Unterstützung von Peer Steinbrück. Das eigentlich Interessante lag im Privaten der Schmidts verbogen.

dpa

Loki Schmidt ist verstorben. Sie war die Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt.

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Wenn es ums Thema "Krise" geht, steht der Name Schmidt immer hoch im Kurs. Denn mit Krisen kennt sich der Alt-Kanzler aus: Seinerzeit kämpfte er gegen Sturmfluten, RAF-Terroristen und Wirtschaftsflauten.

Wer so viel gemeistert hat, dem trauen viele zu, auch Gegenwart und Zukunft beurteilen zu können. Was der Schmidt sagt, hat Gewicht. Und was die Schmidt sagt, ebenso: Denn inzwischen ist die Marke "Schmidt" schon fast so etwas wie ein Familienunternehmen geworden, das immer wieder gerne bei "Beckmann" gastiert. Helmut Schmidt diskutierte hier zuletzt Ende Februar, während im März das Taschenbuch "Erzähl doch mal von früher: Loki Schmidt im Gespräch mit Reinhold Beckmann" erschien.

Auch Tochter Susanne hat jüngst ein Buch geschrieben ("Markt ohne Moral: Das Versagen der internationalen Finanzelite"), in dem die ehemalige Bankerin und Wirtschaftsjournalistin mit der Gier der Banker abrechnet. So lag es nun an ihr, eine neue Runde im großen "Schmidteinander" bei Beckmann zu bestreiten.

Das Thema: die Finanzkrise. Zusammen mit Peer Steinbrück (SPD), ebenfalls krisenerprobter ehemaliger Bundesfinanzminister und Schachpartner von Helmut Schmidt, diskutierte Susanne Schmidt über das Gebaren der Finanzwelt, die daraus resultierenden Gefahren für die Marktwirtschaft sowie staatliche Regeln, die notwendig sein sollen, um einem neuen Crash vorzubeugen.

Doch Beckmann wäre nicht Beckmann, wenn es bei all den Fachfragen nicht auch viel um persönliche Dinge gegangen wäre, oder um ein bisschen "Klönschnack" – schließlich waren in dieser Talkrunde drei Norddeutsche unter sich. "Was hat dein Vadder gesacht?", fragte er Frau Schmidt und erkundigte sich, ob sie sich beim bestsellerschreibenden Alt-Kanzler Rat geholt habe. "Nö. Aber wir schwatzen immer abends am Abendbrottisch über Politik und Wirtschaft und Finanzen."

Und austeilen kann die Tochter wie der Vater. Im unverkennbaren, allerdings charmanteren Tonfall. Die deftigeren Sprüche überlässt sie an diesem Abend Peer Steinbrück. Die Welt der Londoner Banker beschreibt Schmidt, die seit 1979 in der britischen Hauptstadt lebt, als einen dem Jugendkult verfallenen Männerhort, voller rüder Umgangsformen, Alkohol und Drogen. "Moral" sei für den Banker ein Fremdwort.

Steinbrück teilt diesen Eindruck (überhaupt ist man an diesem Abend überwiegend einer Meinung) und beklagt eine beratungsresistente Parallelgesellschaft des Finanzsektors, die "Maß und Mitte verloren" habe. Steinbrück fordert neue, striktere Spielregeln und Auflagen auf internationaler Ebene.

Als Beckmann anschließend das Banker-Bashing am Beispiel einzelner Finanzmarktprodukte konkretisiert, hat die Talkrunde bisweilen ihre liebe Mühe, die fachlichen Ausführungen für den Laien verständlich zu halten. Zertifikate, Derivate, Hedgefonds, Credit Default Swap – das sei eben alles "een büschen technisch", sagt Schmidt lachend.

Im Grunde sei die Krise viel zu schnell vorbei gewesen, so dass kein Umdenken bei den Bankern erfolgt wäre, bilanziert Schmidt. Steinbrück entgegnet: "Das Licht im Tunnel kann auch der entgegenkommende Zug sein". Die Krise sei noch gar nicht vorbei, betont er, und setzt zu einer Frontalkritik der derzeitigen Haushalts- und Steuerpolitik an.

Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz sei ebenso falsch wie Steuererleichterungen. Die Mehrwertsteuersenkung für Hotels beispielsweise sei "heller Wahnsinn", eine Klientelbedienung "ohne jeden realwirtschaftlichen Effekt".

Dem verbal nun richtig warmgelaufenen Ex-Minister entlockt Beckmann später ein süffisantes Lächeln, als er das Thema Schweiz anspricht. Der Ankauf der Steuersünder-CD sei das beste Geschäft seines Lebens gewesen, sagt Steinbrück, und er bedauere keinen dazu gesagten Satz, auch nicht die aus Westernfilmen inspirierten Äußerungen.

Ob die "sprachliche Musikalität" von "Peitschen-Peer" sie ein bisschen an Schmidt-Schnauze erinnere, will Beckmann dann von Susanne Schmidt wissen, und lässt es zum Ausklang noch ein wenig mehr menscheln. Er zeigt einen Ausschnitt der liebevollen Rede zum 90. Geburtstag, mit der die Tochter den Alt-Kanzler zu Tränen rührte. Auf den VIP-Status hätte sie zwar verzichten können, sagt sie darin, "aber wat soll’s, kannst nicht alles haben."

Und auf die abschließende Frage, warum Susanne Schmidt trotz ihrer vielen Vorbehalte selbst so lange im Bankensektor gearbeitet habe, bekommt Beckmann von ihr eine Antwort, die gleichzeitig die Thesen der Sendung augenzwinkernd zusammenfässt: "Es gibt deutliche Auswüchse, und die müssen bekämpft werden – aber Banken als solches sind doch nichts Schlechtes."

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