Online-Magazin
"Perlentaucher" macht ein schlechtes Gewissen
Montag, 15. März 2010 20:18 - Von Eckhard FuhrNach Perlen tauchen: Seit zehn Jahren durchwühlt das Kulturmagazin "Perlentaucher" das deutsche Feuilleton. Kaum ein Kulturschaffender wird auf die Dienstleitungen der Onliner um Thierry Chervel und Anja Seeliger verzichten wollen. Doch zu kritisieren gibt es einiges.

Morgens um Sieben, wenn der gemeine Feuilletonist noch schlummert, ist eine besondere Unterart dieser Gattung schon dabei, seine geistigen Hervorbringungen vom Tag davor zu sichten, zusammen?zufassen und für die tägliche Feuilletonschau des Online-Kulturmagazins perlentaucher.de aufzubereiten.
Bequemer kann man sich über das, was diesen Betrieb täglich so bewegt, nicht informieren. Und Feuilletonschreiber, auch solche mit schwach ausgeprägter Eitelkeit, was selten ist, greifen auf den Perlenraucher schon deshalb zu, weil sie wissen wollen, ob und wie ihre eigenen Texte von ihm wahrgenommen wurden.
Aus dem Alltag all derer, die sich vom Kulturbetrieb nähren, ist er also nicht mehr weg zu denken. Und trotzdem haftet am Perlentaucher eine gewisse Fragwürdigkeit. Er hat nicht nur Freunde, schon allein deswegen, weil er zu viele dazu verführt, sich morgens mit etwas Vorgekautem zufrieden zu geben statt sich eigener Zeitungslektüre zu befleißigen, und ihnen so ein dauerndes schlechtes Gewissen macht.
Und dann ist da noch die Frage des geistigen Eigentums. Der Perlentaucher lebt von dem, was andere herstellen. Er verwertet das deutsche Feuilleton, wo er kann. Üppig lebt er davon nicht. Aber er lebt. Heute vor zehn Jahren ging er online. Wir gratulieren.







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