Neu auf CD
Der schlimme Nachwende-Ostrock von Silly
Freitag, 17. Dezember 2010 16:39 - Von Michael PilzSilly war eine der bekanntesten Rockbands der DDR. Nach dem Tod von Sängerin Tamara Danz erscheint jetzt erstmals ein neues Album, mit Anna Loos am Mikro. Leider klingt es wie schlimmster Ostrock. Amy Macdonald ist etwas erträglicher. Morgenpost Online bespricht die Platten der Woche.

Silly: Alles Rot (Island)
1996 starb Tamara Danz. Die Sängerin der Rockband Silly galt als Popstar in der DDR. Im Februar 1989 sang sie: „In die warmen Länder würden sie so gerne fliehn/ Die verlorenen Kinder in den Straßen von Berlin.“ Mehr konnte sich die offizielle Tanzmusik nicht leisten.
Silly ging als unbeugsame Band in die Geschichte ein. Tamara Danz wird heute glaubwürdig von Anna Loos verkörpert. Seit vier Jahren tritt die Schauspielerin gelegentlich mit Hinterbliebenen auf. Im ZDF lief „Silly – Tod im Konzert“, ein Fall der „SOKO Leipzig“.
Nun erscheint das erste Album nach Tamara Danz. „Ich sag nicht ja“, singt Anna Loos. „Ich sage nur, was ich auch fühlen kann.“ Man weiß nicht, was am deprimierendsten am DDR-Rock war: die trotzige Melancholie, das „Liedhafte“, wie es gewünscht wurde, die Poesie von Werner Karma, die verdrucksten Zwischenzeilen, das Musikschul-Handwerk.
Alles wieder da. Hinzu kommt die Allgegenwart von Anna Loos, die immer da ist, wenn der Fernseher angeht, neben ihrem Mann Jan Josef Liefers, und die Soundtracks einer braven Jugend in der DDR anstimmt. Deshalb hören sich Silly heute an wie Silbermond aus Bautzen.
1 von 5 Punkten
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Amy Macdonald: A Curious Thing (Melodramatic)
Für ein Ein-Hit-Wunder war die Schottin sich bereits zu schade, als sie 20 war und aller Welt erklärte, dass die Lieder keineswegs das Leben seien. Niemand wird „This Is The Life“ je wieder aus dem Ohr bekommen. Neulich trug Amy MacDonald im Berliner Astra ihre neuen Lieder vor, umrahmt von zwei Versionen von „This Is The Life“.
Um im schottischen Musikleben zu bleiben: mehr nach Texas als nach Travis. Andere Mädchen, die beweisen wollen, dass man es auch heute noch als Liedermacherin zu etwas bringt, streben die Reinheit der Folklore an. Amy MacDonald dreht am Rad des letzten Pop-Geschäftsmodells, wo live bedeutet, dass die Sängerinnen leben, nicht die Lieder. Dafür wünschen wir viel Glück.
2 von 5 Punkten
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The Knife: Tomorrow, In A Year (Cooperative)
Darwin trägt über dem Anzug eine Strickjacke und singt. Seine Gefährten schmettern Songs wie „Colouring of Pigeons“ und „Variation Of Birds“. Das schwedische Elektropaar The Knife hat nicht nur ein Konzeptalbum über Charles Darwin aufgenommen.
Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer legen eine Techno-Oper vor, die schon als Bühnenfassung existiert und sogar etwas taugt. Man hört es zwitschern und den üblichen Belcanto, dazu piept und donnert es. Ein hinreißendes Singspiel zwischen Monteverdi, Stockhausen und Westbam. Auf der Bühne (5. Juni, Münster!) schiebt Hotel Pro Forma, eine dänische Theatertruppe, winzige Segelboote hin und her. Biologie ist Pop.
5 von 5 Punkten
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Ernst Busch: Live in Berlin 1960 (Berlin Cab)
Es war nicht alles schlecht. Ernst Busch schenkte der DDR die Plattenfirma „Lied der Zeit“, die Mutter des Amiga-Labels, unter dem auch Silly ihre Aufnahmen veröffentlichen durften. Seinen 60. Geburtstag feierte der Schauspieler in der Akademie der Künste. Ihn begleiteten Hanns Eisler und ein Russe am Klavier. Den bitter-heiteren Gesängen hört man an, wie fertig Busch schon damals mit dem Staat war. Erich Honecker wurde von ihm dafür mit einer Backpfeife gewürdigt.
5 von 5 Punkten
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5 Punkte: Meilenstein
4 Punkte: Sehr empfehlenswert
3 Punkte: Solide
2 Punkte: Eher schwach
1 Punkt: Ziemlich missraten
0 Punkte: Totales Desaster
Erschienen am 15.03.2010







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