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03.03.10

Regimekritik

Iran lässt Berlinale-Gewinner verhaften

Die Staatsmacht im Iran schlägt erneut zu. Nach einem Ausreiseverbot zur Berlinale wurde der international bekannte Filmregisseur und Regimekritiker Jafar Panahi samt seiner Familie verhaftet. Oppositionellen Websites zufolge wollen die Behörden so die Veröffentlichung eines kritischen Films verhindern.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb/dpa-Zentralbild
Berlinale - Silberner Bär für Jafar Panahi
Im Jahr 2006 war Jafar Panahi noch ein stahlender Berlinale-Gewinner.

Der iranische Filmemacher Jafar Panahi ist festgenommen worden. In Zivil gekleidete Männer hätten seinen Vater und dessen Frau und Tochter sowie etwa 15 Gäste aus dem Haus des Regisseurs in Teheran abgeführt und an einen unbekannten Ort gebracht, schreibt der Sohn Panahis, Panah Panahi, auf der Oppositionswebsite Rahesabs. Computer und persönliche Gegenstände seien beschlagnahmt worden.

Wie oppositionelle Websites berichten, wollen die Sicherheitsbehörden die Veröffentlichung eines regimekritischen Films verhindern. Der 49-Jährige habe sich am Montagabend in seinem Haus mit 15 anderen Dissidenten getroffen, um unter anderem über den Vertrieb seines Films im Ausland zu sprechen, als die Sicherheitskräfte in das Gebäude stürmten, berichteten Oppositionelle. Der Geheimdienst habe zuvor einen Tipp bekommen. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafar Dolatbadi hatte dagegen bereits am Dienstag erklärt, die Festnahme sei nicht politisch begründet.

Panahi und die anderen Teilnehmer des Treffens, von denen die meisten aus der Filmbranche stammen, wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Panahi war im Februar als Ehrengast zur 60. Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Er gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Regisseure im Iran. Im Jahr 2000 hatte er mit seinem Film "Der Kreis" den Goldenen Löwen von Venedig und mit "Offside" 2006 einen Silbernen Bären in Berlin gewonnen.

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin protestierten gegen die Inhaftierung Panahis. "Wir sind besorgt und bedauern zutiefst, dass ein mit vielen internationalen Preisen ausgezeichneter Regisseur aufgrund seiner künstlerischen Arbeit in Haft genommen wird", erklärte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Bereits im Februar hatte allerdings ein Ausreiseverbot verhindert, dass Jafar Panahi der Einladung zur Berlinale nachkommen konnte. Seit vergangenem Sommer darf der 49-Jährige die Islamische Republik nicht mehr verlassen. Damals hatte er sich beim Filmfestival von Montréal öffentlich hinter die iranische Opposition gestellt. Auf seine Anregung hin trug die von ihm geleitete Jury als Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten einen grünen Schal.

Panahi zählt zu den bekanntesten Filmemachern des Iran. 1995 gewann er mit "Der weiße Ballon" die Goldene Kamera in Cannes. Der frühere Assistent von Abbas Kiarostami thematisiert Tabus wie die Armut und die Rechte der Frauen. So unterliegt sein Film "Der Kreis", der im Jahr 2000 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, im Iran bis heute einem Aufführungsverbot. In lose verketteten Geschichten setzt sich Panahi darin mit dem Thema Prostitution auseinander.

Auch die Tragikomödie "Offside", in der Panahi satirisch das Stadionverbot für weibliche Fußballfans anprangert und die ihm 2006 den Silbernen Bären der Berlinale eintrug, brachte ihn mit der offiziellen Kulturpolitik in Konflikt. In dem Dokumentarfilm "Red, White & The Green" äußerte er sich offenherzig über sein Verhältnis zur Oppositionsbewegung.

Im Zusammenhang mit den Demonstrationen war Panahi unlängst bei einer Gedenkfeier verhaftet worden. DW

Quelle: dw
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