Buch "Achtung, Baby"
Michael Mittermeiers Angst vorm "Arschlochkind"
Voller Liebe für Frau und Kind: Der Comedian Michael Mittermeier ist Vater geworden. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben. Den Titel "Achtung, Baby" entnahm er dem gleichnamigen Album von U2, natürlich nur mit Sänger Bonos Erlaubnis. Seinen Humor hat Mittermeier trotz aller Baby-Euphorie nicht verloren.
Von Ulrike Borowczyk
Es gibt Momente, in denen selbst Komiker keine Witze machen. Für Michael Mittermeier war dieser Augenblick die Geburt seiner Tochter vor zwei Jahren. Der Star-Comedian hat stattdessen ein Buch darüber geschrieben, das vielfach mit tiefen Emotionen berührt. Herausgekommen ist eine wunderbare Liebeserklärung an seine Frau Gudrun und die kleine Lilly. Aber natürlich darf auch herzhaft gelacht werden.
Eigentlich kommen Bücher von Comedians erst dann heraus, wenn sie mit ihren Live-Programmen lange auf Tour waren. "Da hat man alle Pointen abgecheckt", so Michael Mittermeier. Für sein neues Werk "Achtung Baby!" ist er den umgekehrten Weg gegangen. Aus gutem Grund: "Es ist eine größere Herausforderung. Man schreibt für Leser anders als für die Bühne. Liebevoller, ernsthafter und detailreicher."
Dass Michael Mittermeier es versteht, auch abgegrasten Themenfeldern neues Leben einzuhauchen, zeigt er seit über 20 Jahren auf der Bühne. Lange Zeit hat er dort selbst über junge Eltern gelästert. Manche dieser Szenen findet man im Buch wieder.
Ansonsten sind die sehr persönlichen Einblicke brandneu und erfrischend anders. Mittermeier bemüht nämlich keine der üblichen Schwangerschafts- und Babyklischees. Natürlich überfallen die Heißhungerattacken auch seine Frau Gudrun. Allerdings ungewöhnlich verpackt.
Mittermeier schreibt in dem Stil, mit dem er live zum besten deutschsprachigen Comedian avancierte: Intelligent, gewitzt und immer wieder überraschend. Er lässt die Leser teilhaben an seinem fabelhaftesten Abenteuer. Verwandelt selbst banalste Dinge in besondere Momente, macht aus der Suche nach einer passenden Hebamme ganz trendgemäß eine Casting, bei dem die soldateske russische Olga keine Chance hat. Und offenbart an anderer Stelle seine schlimmste Sorge: Könnte seine Tochter vielleicht doch ein "Arschlochkind" werden?
Seit dem erfolgreichen Bühnensolo "Zapped" gab es nie wieder so viele Film- und Fernsehanleihen wie in "Achtung Baby!" Mit gutem Grund: "Diesmal hat es sich einfach angeboten. Ich war überrascht, welche Ideen da kamen." So tritt der Komiker als "Wickel-Man" mal wieder in die Fußstapfen seines Lieblingsserienhelden "MacGyver".
Das nochmalige Durchleben der Erlebnisse mit seiner Frau und seiner Tochter beim Schreiben hat Michael Mittermeier ungeheuer genossen. "Das geht nie wieder weg", sagt er und fügt lachend hinzu: "Es kann natürlich sein, dass mich Lilly dafür später mal verklagt und sagt: Hey Papa, weißt du eigentlich, wer die Urheberrechte hat? Rück mal die Kohle rüber!"
Der 43-Jährige ist ganz vernarrt in seinen Nachwuchs. Selbst die bei Mädchen typische Rosa-Verliebtheit erträgt er mit Gelassenheit. Er muss zuweilen sogar von seiner Frau ausgebremst werden. Etwa beim Kauf einer Luxus-Babywanne in Pink.
"Männer brauchen halt Equipment. Bei einem Bub hätte zwei Stunden nach der Geburt die Fußball-Ausrüstung im Schrank gestanden. Bei Mädchen gibt es eben etwas Tütü. Außerdem mag ich rosa. Das würde ich meiner Tochter immer eher anziehen als ein Ed-Hardy-T-Shirt. Das hat keinen Style. Dann lieber der Prinzessinnen-Look. Lilly ist allerdings eher ein verschmitzter Pirat und natürlich viel hübscher als jede Märchenprinzessin", so der stolze Daddy.
Michael Mittermeier hätte sein autobiographisches Vaterwerden vermutlich "Baby" genannt. Doch ein Freund kam auf die Idee, die Kapitel rund um Pupsmonster und Schnuller nach dem gleichnamigen U2-Album "Achtung Baby!" zu nennen. "Als einer der größten Fans musste ich Bono natürlich sofort fragen", sagt Mittermeier. Der irische Musiker war von dem Buch so angetan, dass er sogar ein Zitat für den Umschlag schrieb.
Ob es irgendwann weiteren Nachwuchs im Hause Mittermeier gibt, steht noch in den Sternen: "Wir sind nicht in der heftigen Planungsphase", so der Comedian. Erst einmal geht er auf eine Lesetour, die ihn im März auch nach Berlin führt. Im August gibt es das Live-Programm dazu. Vermutlich mit neuen Geschichten, hofft Michael Mittermeier: "Vielleicht spricht meine Tochter dann in zusammenhängenden Sätzen. Bislang sind es vier Wörter in Kombinationen - die es nicht gibt."
Michael Mittermeier: "Achtung, Baby", Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 14,95 Euro
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