Filmkritik
"Honig" zeigt die verzaubernde Schönheit der Natur
Mittwoch, 17. Februar 2010 18:11 - Von Eberhard von ElterleinEwiges Mysterium Kindheit. Eine Welt voller unbekannter Geräusche, Farben und Gerüche. Wie ein Wald. Yusuf lebt mit Vater und Mutter irgendwo in den türkischen Bergen. Hier spielt "Honig", der Berlinale-Wettbewerbsfilm des türkischen Regisseurs Semih Kaplanoglu.
Die Bäume knarren, der Wind rauscht, und die Blumen tragen schöne Blüten. In dieser magischen Natur arbeitet Yakub, Yusufs Vater, friedlich als Imker. Doch leider bleiben die Bienen dieses Jahr aus, weswegen der Vater in ein entferntes Tal laufen muss, um dort die Bienenstöcke hoch in den Bäumen zu platzieren. Das Warten wird für Yusuf und seine Mutter zur Qual. Als die Dorffrauen die Himmelsreise des Propheten Mohammed rezitieren, sucht Yusuf nach seinem Vater.
"Bal" ("Honig") ist nach "Yumurta" ("Ei") und "Süt" ("Milch") der letzte Teil einer Trilogie, in der sich Regisseur Semih Kaplanoglu mit dem Werdegang des Poeten Yusuf befasst - und zwar rückwärts, weil er seine Figur Schale für Schale öffnen möchte, um letztlich zu ihrem Kern zu gelangen. Und der liegt in der Kindheit, von der "Bal" erzählt.
Yusuf ist demnach in seinem ersten Schuljahr ein Außenseiter. Er schaut stets durch das Fenster im Klassenzimmer auf die Kinder unten im Pausenhof; und wenn er lesen soll, dann stottert er. Dafür hat er einen untrüglichen Blick für die Mysterien des Lebens: warum plötzlich das kleine Holzsegelboot, das doch zur See gefahren ist, wieder auf seinem Fensterbrett steht; warum sich der Mond im Wasser spiegelt; und dass man Träume dem Papa nicht laut erzählt, sondern zuwispert.
"Bal" steckt voller Magie und Poesie. Kaplanoglu lässt sich viel Zeit, in stimmungsvollen Bildern zu zeigen, wie ein Junge das Mysterium Kindheit entschlüsselt, gespiegelt in der urwüchsigen Natur, die uns mit rauschenden Bächen und schwerem Nebel über dichten Kronen als etwas Schönes wie Gefährliches begegnet. Yusuf erobert diese märchenhafte Welt mit aller Unschuld im weißen Hemd mit wachen Augen - und lehnt sich im schönen Schlussbild im Schlafe an sie an. Was für eine versöhnliche Vorstellung! Wird der Goldene Bär die Witterung für den "Honig" aufnehmen?
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