Filmkritik
Chinas Zhang Yimou kopiert die Coen-Brüder
Braucht die Welt ein Remake des Coen-Brüder Debütfilms "Blood Simple" - übertragen ins China des frühen 19. Jahrhunderts? Das muss man sich fragen, wenn man den Berlinale-Wettbewerbsfilm des chinesische Regisseurs Zhang Yimou sieht, "A Woman, A Gun And A Noodle Shop".
Von Matthias Heine
Auf jeden Fall braucht die Welt den persischen Karawanenführer, der zu Beginn eine sehr lustige Parodie auf Johnny Depp als Piratenkapitän Jack Sparrow hinlegt. Dieser fremdländische Handelsmann verkauft der Ehefrau eines Nudelrestaurantbesitzers irgendwo am Rande der chinesischen Wüste das neuste "Must Die" (so nennt er es tatsächlich) der westlichen Tötungstechnologie - einen dreischüssigen Trommelrevolver. Und damit beginnt der Ärger. Ganz bestimmt braucht die Welt auch die Szene, in der die Mitarbeiter eines Nudelrestaurants mit der Pasta so atemberaubend hantieren, wie es in chinesischen Filmen sonst nur die Schwertkämpfer tun. Aber den Rest braucht sie eher nicht. Die tödliche Intrige, um einen reichen alten Mann, seine junge Frau, ihren Geliebten, seine diebischen Angestellten und einen mörderischen Polizisten ist auch diesmal wieder spannend, aber für denjenigen, der den Coen-Film kennt, hält das Remake außer den Kostümen und den Gesichtern wenig Neues bereit.
Den dunkel dräuenden Mond, der das verbrecherische nächtliche Schleichen der Menschen beleuchtet, hat man schon bei den Coens so gesehen. Allerdings zogen damals die Wolken noch nicht ganz so flott dahin, denn die digitale Effekttechnik war noch nicht so weit und Joel und Ethan Coen hatten auch noch nicht soviel Geld. Auch sonst sind viele Kameraeinstellungen nahezu identisch und die legendären Schlusszeilen des sterbenden Killers "Wenn ich ihn (deinen Toten Mann) treffe, sage ich es ihm" erklingen auch hier wieder. Nur die chinesische Wüste sieht tatsächlich noch besser aus als die texanische Wüste - und dazu haben, so beteuert Regisseur Zhang Yimou, keinerlei Computer irgendetwas beigetragen.
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