Staatskapelle Dresden
Luisis Musiker liefen bereits zu Thielemann über
Donnerstag, 4. Februar 2010 18:39 - Von Manuel BrugFabio Luisi hat als Chef der Dresdner Staatskapelle entnervt aufgegeben. Ganz unschuldig ist er an dem zerrütteten Verhältnis zum Orchester nicht. Denn Luisi dachte, den Posten so nebenbei mitnehmen zu können. Nachfolger Christian Thielemann steht vor einem Scherbenhaufen – für den er nichts kann.

Das sächsische de-Luxe-Orchester hat sich mit seinem bisherigen Chef Fabio Luisi so zerstritten, dass dieser jetzt entnervt aufgab. Eigentlich hätte er noch bis Ende der Saison durchhalten wollen, aber selbst der sonst so teflonartige Genuese, der bisher aalglatt und ohne große stilistische Spuren zu hinterlassen, von einem zweitklassigen Chefposten zum nächsten switchte, hat sich an dem renitenten Renommierklangkörper blutig gestoßen.
Ganz unschuldig ist er nicht. Denn Luisi, der 2007 in Dresden mit einem lächerlichen Prunk inthronisiert wurde wie ein neuer Kapellaugust von Sachsen, dachte offenbar, diesen prunkvollen Posten, so nebenbei mitnehmen zu können.Den Musikern probte er zu wenig und war zu selten da, die ersten Premieren wurden lauwarm. Und da allsommerlich eine machtvolle Gruppe um den Orchestervorstand herum im Bayreuther Festspielorchester mitspielte, wurden schnell wieder Bande zu Christin Thielemann geknüpft.
Seitdem schikanierte man sich gegenseitig. Zwar feierte man sich gemeinsam am 16. Oktober ein letztes Mal in falschem „Echo“-Preisverleihungsglanz, doch dann wurde Luisi dauernd krank – an Silvester, für die laufende Skandinavientour –, das Orchester annullierte eigenmächtig ein laufendes Strauss-CD-Projekt für Sony, wollte das ZDF-Silvesterkonzert 2010 bereits mit Thielemann geben.
Luisi lies darauf hin den Orchesterdirektor abmahnen. Doch da alle längst mit fliegenden Fahnen zum vorgeblichen Heilsbringer Thielemann übergelaufen waren, von dem sie sich nur fette CD-Erträge und Gastier-Renditen erhoffen, schossen die Pfeile des Noch-GMD ins Leere. Ein Lehrstück über deutsche Arbeitsmoral. Mal sehen, wann es zwischen dem Orchester, wo mancher Musiker geistig noch vor der Wende stehen geblieben scheint, zum ersten Konflikt mit Thielemann kommt.







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