Popkultur

Popmusikbeauftragte kämpft für den Nachwuchs

Seit einem Jahr ist Katha Lucker im Amt und setzt sich dafür ein, dass Popmusik gefördert wird. Ihr liegt am Herzen, das der Begriff richtig verstanden und nicht mit „Mainstream“ gleichgesetzt wird.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Ein Jahr ist sie jetzt im Amt: Katja Lucker, 44, wurde im Dezember 2012 zur neuen Musikbeauftragten berufen. Sie bekam Räume in der alten Münze, einige Mitarbeiter und eine Million Euro, um die Berliner Popkultur zu fördern. Große Ressourcen waren das nicht. Was kann man schon mit einer Million Euro tun für die vielen Künstler und ihre Ideen. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen.

Effektiv hat Katja Lucker 677.000 Euro in die Popförderung gesteckt. Der Rest geht für Steuern und Personal drauf. 500.000 davon gingen an das Programm mit dem Namen "Karrieresprungbrett". Darunter versammeln sich 22 Projekte, die Plattformen und Anlaufstellen für den Musikernachwuchs bieten soll. Da wurden Gagen von Nachwuchskünstlern auf Festivals mit aufgestockt, weil die Veranstalter nicht so viel zahlen könnten. Für die Konzertreihe "Introducing" hat das Music Board Geld bereit gestellt, damit Veranstalter auch jungen Bands, die sich finanziell für sie nicht lohnen würden, eine Bühne geben.

Das Musicboard fährt dabei eine wirklich durchdachte Strategie. Da ist zum Beispiel die Berliner Band Suns of Thyme. Die haben bei "Introducing" gespielt, dieser geförderten Konzertreihe. Und bekommen 9000 Euro vom Musicboard. Das Geld geben sie dann dem ebenfalls gefördertem Projekt "Rent A Record-Company". Die Idee dahinter ist, dass junge Musiker nicht mehr ihre Urheberrechte an die Plattenfirmen abgeben, sondern sich eine mieten. Sie behalten also alle Urheber- und sonstige Rechte an ihren Songs, und mit den 9000 Euro kauft sich die Band einen Vertrieb, die Gema-Abwicklung, die Pressung der CDs und so weiter, also eben die Aufgaben, die ein klassisches Plattenlabel für die Band sonst erfüllen würde.

Stipendien für Musiker

Die nächste Position, die Katja Lucker verbucht hat, sind Stipendien und Residenzen. Elf Künstler haben insgesamt 72.000 Euro bekommen. "Wir haben Künstler ausgewählt, die schon auf einem Weg sind. Wir haben nach Qualität entschieden. Eine Jury hat immer etwas Subjektives, aber durch die unterschiedliche Zusammensetzung haben wir einen guten Weg gefunden." In der Jury saßen Domino-Label-Chefin Anne Haffmans, Andre Jürgens vom Berghain, der Musikkurator Christoph Gurk vom Hebbel am Ufer, der Journalist Jens Balzer und Katja Lucker.

Die unterschiedlichsten Künstler werden dort mit Geldern für Projekte oder einer Residenz in Los Angeles gefördert. Noch unbekannte Musikerinnen, wie die gerade aus Kolumbien nach Berlin gekommene Lucrecia Dalt, werden unterstützt, die Sängerin Anika oder der Amerikaner Tallmen. Tallmen zum Beispiel war in New York Jazzer. Vor fünf Jahren kam er nach Berlin und hatte im Berghain sein Techno-Erweckungs-Erlebnis. Sein Projekt möchte Techno und Blues und die Verbindung der Ursprünge der elektronischen Musik in Detroit mit Berlin zusammenbringen.

"Pop heißt eben nicht Mainstream"

Aber auch bereits etablierte Berliner Elektroniker wie Efdemin oder Pantha Du Prince sind unter den Stipendiaten. Pantha Du Prince wird nächstes Jahr drei Monate in der Villa Aurora in Los Angeles verbringen, um dort an neuem Material zu arbeiten. Pantha Du Prince ist der erste Popkünstler, der solch ein Residenz-Stipendium erhält. Was für Schriftsteller, bildende Künstler und klassische Musiker schon lange selbstverständlich ist, muss in Berlin für den Pop erst erarbeitet werden.

Katja Lucker ist überzeugt von dem, was sie tut. Als Musikbeauftragte hat sie an vielen Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Einmal ist da die oft prekäre Situation von Künstlern, auf die sie aufmerksam machen will, denen sie mit den Zuwendungen unter die Arme greift. Auf der anderen Seite steht die Politik, die häufig gar nicht weiß, was Pop eigentlich bedeutet. "Pop heißt eben nicht Mainstream, heißt eben nicht Top-10. Dieses Verständnis von Popmusik gibt einfach nicht die künstlerische Vielfalt Berlins wieder."

Der dritte und letzte Posten geht an das Programm von "Pop im Kiez". 105.000 Euro werden dafür ausgeben, um für die Akzeptanz von Live-Musik und Festivals unter den Berlinern zu werben. Die Clubcommission hat eine Toolbox im Internet veröffentlicht. Was kosten Schallschutzfenster, was Schalldämmung, von wem kann man Toneinlagen einpegeln lassen. Es ist ein Handbuch für all diejenigen, die eine Veranstaltung im Kiez organisieren. Ein Ratgeber, wie man Konflikte mit Anwohnern verhindert. Katja Luckers Rolle dort ist die der Mediatorin.

Der Etat wird aufgestockt

Eine Million Euro ist wirklich nicht viel gewesen, aber nach einem Jahr ist das schon so, dass Katja Lucker etwas geschafft hat. Musiker, Unternehmer und Bewohner dieser Stadt zusammenzubringen und Popkultur zu fördern, hat funktioniert. So gut, dass ihr Etat für das nächste Jahr aufgestockt wird.

Gerade hat sie die letzten Abrechnungen gemacht. Die Kasse muss auch im ersten Jahr stimmen. Nicht benötigte Gelder müssen noch verteilt werden. So bekommt zum Beispiel der Musiker Alex Stolze von der Band Bodi Bill noch ein Projekt bewilligt, für das anfänglich die Kalkulation nichts hergegeben hatte.

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