"Wolfgang und Anneliese"
Bastian Pastewkas weihnachtliche TV-Tipps
Sie gelten als Rettung des besinnlichen Fernsehprogramms: "Wolfgang und Anneliese". Gemeinsam mit Anke Engelke mimt Bastian Pastewka das skurrile Paar der Volksmusikszene, das die Sat.1-Show "Fröhliche Weihnachten" moderiert. Wann Pastewka selbst an Weihnachten zappt, verrät er Morgenpost Online.
Von Antje Hildebrandt
Die letzte "Wetten, dass..?"-Show war in Bremen. Thomas Gottschalk entschuldigte sich zunächst für das Fehlen von Stars wie Mariah Carey und Victoria Beckham.
Morgenpost Online: Herr Pastewka, wann haben Sie sich zuletzt als Weihnachtsmann verkleidet?
Bastian Pastewka: Das war 2007. In einer Szene für die erste Ausgabe unserer Show "Fröhliche Weihnachten". Privat habe ich so etwas tatsächlich noch nie gemacht.
Morgenpost Online: Dabei könnte Wolfgang sogar Erwachsenen den Glauben an den Weihnachtsmann zurückschenken.
Pastewka: O, das ist ein tolles Kompliment. Ich täusche meine Zuschauer zwar gerne mit meinen Figuren, aber ich glaube, dass das mit der Rolle Wolfgang nicht möglich ist. Ein Großteil des Publikums weiß: Dahinter steckt dieser seltsame Pastewka.
Morgenpost Online: Aber Wolfgang führt doch längst ein Eigenleben. Er ist der Weihnachtsmann, getarnt als Volksmusikmoderator.
Pastewka: Da haben Sie wohl Recht. Weihnachten und Volksmusik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das passt einfach wunderbar zusammen. Diese Symbiose borgen Anke und ich uns für unsere Show klammheimlich aus. Das Schönste, was uns die echten Volksmusikanten geschenkt haben, ist diese weihnachtliche Deutschtümelei.
Morgenpost Online: Was ist denn deutschtümelnd am Weihnachtsfest?
Pastewka: Diese strenge Choreographie der Gebräuche. Die ist sehr deutsch und sehr eigenartig – im doppelten Sinne. Die Geschenkübergabe, das Glöckchen vor der Bescherung, das Miteinandersingen, Kinder, die nach vorne geholt werden, um 'O Du Fröhliche’ auf der Blockflöte spielen zu müssen. Auch die Art und Weise, was um Weihnachten im Fernsehen stattfindet, ist typisch deutsch: Das fängt mit den Jahresrückblicken an, die schon Ende November beginnen – bis zu 'Weihnachten mit Marianne & Michael’ am 24. Dezember im ZDF. Diese Sendung habe ich bereits im Juli auf meinem Festplattenrekorder einprogrammiert.
Morgenpost Online: Lassen Sie uns raten. Ihren Adventskalender haben Sie bestimmt auch schon leer gefuttert.
Pastewka: Erwischt. Woher wussten Sie das?
Morgenpost Online: Leuten, die uns bei Sat.1 schon die hohlste Gans der Welt beschert haben, ist alles zuzutrauen. Womit beglücken Sie uns in diesem Jahr?
Pastewka: Es gibt eine Schalte in den hohen Norden zum so genannten Offel-Fest. Dort wird wie jedes Jahr eine Bewohnerin des Dorfes rücklings auf einen extra dafür geblendeten Esel gesetzt, dann durch eine Gasse getrieben und dabei von den übrigen Bewohnern mit heißen Pellkartoffeln beworfen. Eine schöne Tradition.
Morgenpost Online: Klingt bescheuert.
Pastewka: Ist bescheuert. Aber so ist Weihnachten.
Morgenpost Online: Geht Ihnen das Thema nach zwei Sendungen nicht auf die Nerven?
Pastewka: In der Tat. Ich würde soweit gehen und voraussagen, dass wir keine dritte Weihnachtsshow mit Wolfgang und Anneliese mehr machen.
Morgenpost Online: Sind Sie privat eher ein Weihnachtsmuffel, der dem Trubel am liebsten in die Karibik entflieht? Oder zählen Sie schon die Tage bis zum 24. Dezember?
Pastewka: Weder noch. Eigentlich finde ich Weihnachten ganz schön. Am 24. Dezember gegen 18 Uhr fahre ich mich auf Null herunter und wache erst Mitte Januar wieder auf. Aber der Weg dorthin ist steinig. Wem schenkt man was? Wer kommt alles zum Essen? Um wie viel Uhr geht es los? Da muss ich plötzlich mitbestimmen und das liegt mir nicht.
Morgenpost Online: Stimmt es, dass Sie 70 Leute beschenken?
Pastewka: Ja, in meinem Arbeitszimmer stapeln sich gerade kleine Päckchen, die dieser Tage versendet werden. Die sind natürlich nicht nur für Verwandte und Freunde, die sind auch für Kollegen. Für viele, die mir in diesem Jahr eine große Freude bereitet haben. Da ist alleine schon mein Team von "Pastewka".
Morgenpost Online: Was verschenken Sie?
Pastewka: In erster Linie DVDs. Ich habe überwiegend Freunde, die film- und fernsehverrückt sind. Einige kommen vor lauter Fernsehmachen kaum zum Fernsehgucken. Deshalb bringe ich gerne Perlen wie die Serie "Six Feet Under" oder "Breaking Bad" unter die Leute. Das kann aber auch mal ein deutsches Fernsehspiel sein wie "Romy", "Mogadischu", "Die Manns" oder die großartige ZDF-Serie "KDD-Kriminaldauerdienst" mit Manfred Zapatka.
Morgenpost Online: Wie sieht der perfekte Heiligabend bei Ihnen aus?
Pastewka: Ich weiß es nicht. Ich bin da wahnsinnig anspruchslos und freue mich, dass die Organisation der Feiertage meistens von meiner Freundin durchgeführt wird. Ich lasse mich gerne bis zum Ende überraschen.
Morgenpost Online: Weil Sie zu faul sind, selber etwas zu organisieren?
Pastewka: Natürlich. Je mehr man verplant, desto anstrengender wird es. Ich glaube, daran krankt manches Weihnachten, und wenn man es mal weiterdreht, vielleicht auch das eine oder andere Familienleben. Dass vor lauter Planung die Freude auf den anderen viel zu kurz kommt.
Morgenpost Online: Bleibt bei einem TV-Junkie wie Ihnen wenigstens der Fernseher am 24. Dezember aus?
Pastewka: Kommt drauf an.
Morgenpost Online: In diesem Jahr hätten Sie um 20.15 Uhr die Wahl zwischen dem Monumentalepos "Die Bibel" …
Pastewka: Schlaf schon!
Morgenpost Online: ...die Verfilmung von Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose".
Pastewka: Ein guter Film, aber ich würde mir den nicht am Heiligabend anschauen. Irgendwann läuft irgendwo der Klassiker "Alien". Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihn meine Freundin sehen will.
Morgenpost Online: Sie könnten auch den Westerklamauk "Wild Wild West"...
Pastewka: Kenne ich schon, ist trotz toller Besetzung eher anstrengend ...
Morgenpost Online: ...oder dem Katastrophen-Drama "Die Jahrhundertlawine" einschalten.
Pastewka: Das ist 'ne Gurke. Ist glaub’ ich so ein paneuropäischer Katastrophenfilm-Versuch mit vielen schwach synchronisierten Schauspielern aus anderen Nationen. Von uns hat es Désiree Nosbusch getroffen.
Morgenpost Online: Wie erklären Sie sich die Ballung von Katastrophen- und Actionfilmen wie "Stirb langsam" in der Weihnachtszeit?
Pastewka: Ich glaube, die "Stirb langsam"-Filme werden nicht zufällig gewählt. Es sind sogenannte Longseller, die nicht totzukriegen sind wie beispielsweise auch "Dirty Dancing" oder "Pretty Woman". Die prasseln wie ein Kaminfeuer und geben den Glauben an die gute alte Zeit zurück. Man darf nicht vergessen: "Stirb langsam, Teil 1 " ist von 1988.
Morgenpost Online: Ist das Maschinengewehrgeratter nicht eher ein Ventil für die Wut über die verordnete Harmonie unterm Tannenbaum?
Pastewka: Das glaube ich wirklich nicht.
Morgenpost Online: Wie viele Stunden am Tag sitzen Sie denn für gewöhnlich vor dem Fernseher?
Pastewka: Ich nehme mir im Durchschnitt alle vier Wochen einen Tag, an dem ich alles hintereinander wegschaue, was sich zuletzt angesammelt hat. "Live Zappen" halte ich nicht aus, dazu läuft zuviel Unsinn, der mich langweilt. Ich zeichne mir auf, was ich sehen will, meist Serien wie zuletzt "Californication" oder "Protectors". Oder ich greife von vorn herein auf Leih-DVDs zurück.
Morgenpost Online: Warum laufen dem Fernsehen ausgerechnet jene Zuschauer davon, die das Medium am meisten lieben?
Pastewka: Noch ist Fernsehen ja das Leitmedium, aber ich verstehe, dass das junge Publikum sich Richtung Internet umorientiert. Ich kann die Frage nur aus meiner Sicht beantworten: Für mich war Fernsehen vor rund 20 Jahren ein gut sortierter Gemischtwarenladen. Inzwischen ist alles reglementiert: Nachmittags ausschließlich Richtershows, Schwangeren-Dokus und Telenovelas, Sonntagsabend "Rosamunde Pilcher" oder "Tatort" gegen Blockbuster-Kino. Mittwochs gibt’s Coaching-Shows á la "Super-Nanny", freitags läuft ein Christine Neubauer-Film nach dem anderen in der ARD, bei den Privaten Comedy und sonnabends ist Casting-Show-Alarm. Das ist mir einfach zu erwartbar. Die Programmplaner glauben, nur den flüchtigen Zuschauer erreichen zu dürfen, um erfolgreich zu bleiben. In Wahrheit verschrecken sie einen Großteil des Publikums, das dem Fernsehen nahe steht.
Morgenpost Online: Gibt es einen TV-Klassiker, den Sie an Weihnachten trotzdem nie verpassen?
Pastewka: Ja, die vier klassischen "Miss-Marple"-Filme mit Margaret Rutherford – dieses Jahr leider nicht im Programm.
Die Show "Fröhliche Weihnachten" mit Bastian Pastewka und Anke Engelke läuft am 18. Dezember auf Sat.1 um 20.15 Uhr. Eine ausführliche Kritik der Sendung lesen Sie hier bei Morgenpost Online.
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