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10.12.09

Nach heftiger Kritik

ProSieben sagt Skandalshow "50 pro Semester" ab

Nach heftiger Kritik an der geplanten ProSieben-Doku "50 pro Semester" verschiebt der Privatsender den für den 18. Januar geplanten Start der fünfteiligen Reihe auf unbestimmte Zeit. In der Schein-Dokumentation wetten fünf Studenten miteinander, wer in einem Semester 50 Männer oder Frauen ins Bett bekommt.

© dpa
ProSiebenSat1.
ProSiebenSat1.

Die ProSieben-Ankündigung der neuen Nachmittags-Dokusoap "50 pro Semester" allein reichte, und es hagelte massiv Kritik: In der Schein-Dokumentation sollten vom 18. Januar an fünf Studenten darum wetteifern, wer 50 Frauen oder Männer in einem Semester ins Bett bekommt.

"Peinlich" und "menschenverachtend" lautete das Urteil von Politikern, Kinderschützern, Medienexperten und Kirchen – obwohl sie noch keine Minute des Formats gesehen hatten.

Mit soviel Gegenwind hatte ProSieben anscheinend nicht gerechnet. Nur wenige Stunden, nachdem die Kritik über die Medien laut wurde, reagierte der Münchner Sender: "Aufgrund der öffentlichen Diskussion" werde das Programm auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, erklärte Sendersprecher Christoph Körfer.

Dabei war nicht viel mehr passiert als vor Ausstrahlung der RTL- Reihe "Erwachsen auf Probe" im Sommer. Damals hatte es große Aufregung um das Format gegeben, in dem Teenager fremde Babys und Kinder versorgen mussten, um sich als Eltern zu testen.

Eine Allianz aus Kinder- und Medienschützern, Politikern und besorgten Bürgern kritisierte, Babys und Kleinkinder würden zu kommerziellen Zwecken Stress ausgesetzt. Sie versuchten, die Sendung mit Klagen, Strafanzeigen und Beschwerden zu stoppen – ohne Erfolg.

Für RTL bedeutete dies auch viel Werbung für das Format – entsprechend überdurchschnittlich waren die Quoten der ersten Sendungen.

ProSieben hingegen entschied, der Diskussion erst einmal aus dem Weg zu gehen und das Format zu verschieben – obwohl man sich eigentlich im Recht sieht. "Wir reden hier von einer Soap mit jungen Menschen, welche Spaß am Leben, an der Liebe und selbstverständlich auch am Sex haben", sagte Körfer.

So etwas dürfe auch am Nachmittag im TV thematisiert werden. Außerdem betreue die Abteilung "Jugendschutz und Programmberatung" das Projekt, "hier finden alle jugendschutzrelevanten Aspekte Beachtung und somit ist auch gewährleistet, dass sowohl medienrechtliche Vorschriften als auch Ethik und Moral sich hier widerspiegeln".

Darüber hinaus handelt es sich bei "50 pro Semester" nicht um eine Dokumentation mit realen Personen, sondern um eine "Scripted Reality", also eine erfundene Geschichte mit Schauspielern. Aber ob das den Zuschauern nachmittags um 16.00 Uhr immer bewusst ist?

Auf jeden Fall traf die Kritik der Moralwächter ProSieben wie ein Hammerschlag: "Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art moderner "Kopfgeldjagd" zu Sexobjekten degradiert werden", sagte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) der "Passauer Neuen Presse". Sie drohte rechtliche Schritte an: "Jeder, der bei uns Lizenzen verliehen bekommt, hat damit auch eine bestimmte Verantwortung übertragen bekommen. Gegen diese wird bei einem solchen Format grob verstoßen."

Der katholische Weihbischof des Erzbistums Hamburg, Hans Jochen Jaschke, sagte den "Lübecker Nachrichten": "Ich protestiere gegen die Erniedrigung und den Missbrauch menschlicher Gefühle in dieser TV- Show.

Hier verkommen Liebe und Sex zu pubertären machohaften Spielchen." Die evangelische Bischöfin Maria Jepsen aus Hamburg kommentierte: "Es ist peinlich, wenn Sender auf diese Weise versuchen wollen, die Einschaltquote zu steigern." Nach Meinung der Landesvorsitzenden des Kinderschutzbundes in Kiel, Irene Johns, ist das Konzept "menschenverachtend".

Wie geht es nun mit dem Format weiter? Die Produktion der Sendung habe erst begonnen, hieß es. Möglicherweise wird diese nun erst einmal gestoppt. Möglicherweise klopfen die Verantwortlichen das Format noch einmal auf Jugendschutzaspekte hin ab und entschärfen es. Vom Sender gab es dazu am Donnerstag keine Details.

Quelle: AP/dpa/lk
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