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04.12.09

Dokumentationen

Als sich Nazis an Kindern und Patienten vergingen

Mit "Wenn Ärzte töten" und "Herrenkinder" kommen jetzt gleich zwei Dokumentationen über den Nationalsozialismus in die Kinos. Die eine beschreibt, wie Ärzte zu Mördern wurden. Die andere zeigt die Auswirkungen des braunen Erbes auf nachfolgende Generationen und lässt Nazi-Schüler wie Hellmuth Karasek erzählen.

© salzgeber
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Sie gehören zum Genre des Dokumentarfilms wie die Verfolgungsjagd zum Actionfilm: die "sprechenden Köpfe". Allerdings meint es, wer diesen Ausdruck benutzt, meistens kritisch. Viele Dokumentarfilmer fühlen sich deshalb gezwungen, originelle Methoden der Inszenierung zu finden.

So beschäftigen sich "Herrenkinder" und "Wenn Ärzte töten" (beide jetzt im Kino) aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit dem Nationalsozialismus: In "Herrenkinder" geht es um die "Napolas", jene Eliteschulen, wo die Nazis ihre künftige zivile Elite erziehen wollten. "Wenn Ärzte töten" behandelt die Verstrickung der Mediziner in die Tötungsmaschinerie.

Eduard Erne und Christian Schneider, die Autoren von "Herrenkinder" setzten etwas ein, das man fast als Trick bezeichnen möchte: Von den sechs ehemaligen Napola-Schülern, die in ihrem Film auftreten, sind vier prominent: der frühere Herausgeber der Zeit, Theo Sommer ist ebenso dabei wie der Literaturkritiker Hellmuth Karasek.

Sie stehen für die These, dass es viele Nazi-Eliteschüler nach dem Krieg zu etwas gebracht haben. Die Aussagen der vier Herren werden jedoch meist in Schnipsel zerteilt hintereinander geschnitten. Einen echten Eindruck davon zu bekommen, wie die Genannten heute über ihre Erfahrungen damals denken, ist nur schwer möglich.

Was vielleicht auch im Sinne der Macher liegt, die weniger an den historischen Gegebenheiten als an der Frage nach den Folgen der Nazi-Erziehungsmethoden auf die nächsten Generationen interessiert sind. Zwei Protagonisten werden deshalb im Familienzusammenhang porträtiert. Doch auch diese Aussagen büßen an Eindrücklichkeit ein, weil sie häppchenweise präsentiert werden. Wenn man eine Enkelin eifrig belegen hört, dass sich das Napola-Erbe bei ihrem Großvater darin zeige, dass er ihre Privatsphäre nicht zu respektieren wisse, kommen allerdings Zweifel am Gesamtprojekt, das allzu leicht die "übliche" autoritäre mit faschistischer Erziehung gleichsetzt.

Formal genau entgegengesetzt verhält sich der Film von Hannes Karnick und Wolfgang Richter, "Wenn Ärzte töten". Ihre Herangehensweise ist so direkt wie der Titel: Sie besteht im Wesentlichen darin, den amerikanischen Mediziner und Wissenschaftler Robert Jay Lifton aus seinen Forschungen erzählen zu lassen. Die Einstellungen sind lang und doch nie langweilig. Lifton versteht es, in klaren Worten nicht nur Einblicke in das zu vermitteln, was er über Nazi-Ärzte herausgefunden hat, sondern auch persönliche Eindrücke wiederzugeben – und zu reflektieren.

Er rückt ins Bewusstsein, dass Ärzten in den KZs eine Schlüsselposition zukam, fragt sich, unter welchen Bedingungen aus Heilern Mörder wurden und notiert den "ungerechten" Wohlstand, den viele Nazi-Ärzte in der Bundesrepublik trotz ihrer Taten genossen. Nie geht es ihm um eine direkte Anklage. Mit leichter Hand demonstriert Lifton jenen überlegten Umgang mit biografischem Material, an dem es in "Herrenkinder" mangelt.

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