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03.12.09

Late Night Hart aber fair

Die deutsche Islamphobie und das Minarett-Verbot

Der Volksentscheid in der Schweiz, der den Bau weiterer Minarette verbietet, ruft weltweit Kritik hervor. Doch abseits der veröffentlichten Meinung hegen viele Deutsche Sympathie für die Entscheidung. Frank Plasberg wollte herausfinden, ob die Politiker des Volkes Stimme zu sehr ignorieren.

© AP
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Die Schweiz kann einem aber auch leidtun: Gerade sind die Vorwürfe bezüglich ihrer Bankpraktiken abgeklungen, schon ist der nächste Brandherd entflammt. – ein weltweiter Aufschrei der Empörung war die Folge.

Dabei wäre es durchaus denkbar, dass ein Plebiszit hierzulande, in Österreich, Frankreich oder anderen westlichen Ländern mit einer hohen Ausländerquote ein ähnliches Ergebnis liefern würde.

Die letzten Umfragen vor dem Urnengang suggerierten, dass der Verbots-Antrag klar abgelehnt werde. Nur 37 Prozent der Befragten gaben an, mit "Ja" stimmen zu wollen. Doch hier bewies sich einmal mehr, wie heikel die Prognosen bei Sujets sind, die als nicht 'politically correct’ gelten. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach hatte Recht, als er betonte, dass auf keinem anderen Politikfeld "der Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung" so weit auseinander klaffe wie bei Integrationsthemen.

Die Schweizer hätten ganz genau gewusst, was sie da tun, behauptete Frank Plasberg zu Beginn der Debatte unter dem Titel " Schockentscheidung zum Minarett-Verbot – wie tief sitzt die Angst vor dem Islam? " Doch kann man da so sicher sein? Warum sollten die Bürger tatsächlich voller Leidenschaft ein bauliches Detail verhindern wollen, von dem es in der gesamten Schweiz gerade einmal vier Exemplare gibt – eine Anzahl, "die den Blick aufs Matterhorn noch nicht gefährdet", wie Plasberg süffisant bemerkte. Wahrscheinlicher scheint es dagegen, dass sich in der Abstimmung über die Minarette eine diffuse Angst vor Überfremdung, im Besonderen vor dem Islam ausdrückt.

Für den Schweizer Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der konservativen "Weltwoche", spielten die Motive beim Votum allerdings keine Rolle: "In der Schweiz wurde monatelang diskutiert. Man kann davon ausgehen, dass die Leute klug geurteilt haben. Es zählt einzig das Ergebnis." Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sah das anders. Er schlug vor, noch einen Volksentscheid abzuhalten: "Viele aufrechte Bürger sind zuhause geblieben, weil sie davon ausgingen, dass der Antrag sowieso abgelehnt würde." Bosbach widersprach: "Man darf die Sorgen der 57 Prozent, die mit Ja gestimmt haben, auf keinen Fall klein reden."

Auch der Publizist und der ehemalige Vize Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Michel Friedman betonte, dass es in Europas christlicher Bevölkerung eine große Furcht vor dem Islam gebe. Er fragte allerdings, wieso sich die Christen angesichts ihrer großen Mehrheit nicht selbstbewusster gebärden. Das nahm Plasberg auf: "Herr Bosbach, wo bleibt ihr Selbstbewusstsein als Katholik?" Bosbach hielt sich bedeckt und blieb im Allgemeinen: "Mir geht es einfach um eins: Wenn unterschiedliche Religionen friedlich nebeneinander leben sollen, müssen sie die hier herrschenden Regeln akzeptieren! Diejenigen, die jetzt Toleranz einfordern, sollten die gleiche Toleranz in ihren Ländern gegenüber den Christen anwenden."

Doch sollte man nicht auch den ersten Schritt wagen, wenn man ehrlich an Integration interessiert ist? Dies betonte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn: "Wir können nicht immer nur das Trennende betonen. Es gibt auch gelungene Integration. In den Städten, wo 90 Prozent der Muslime in der Schweiz leben, wurde der Antrag abgelehnt."

Plasberg ging den Vertreter des Islam ganz direkt an: "Was läuft auf ihrer Seite falsch?" Aiman Mazyek: "Das wir zu oft klein beigeben. Nicht den Dialog suchen. Muslime ziehen sich aus Angst in ihr Ghetto zurück. Ich wünsche mir, dass sie deutlich machen, dass sie ein Teil dieses Landes sind." Michel Friedman hakte nach: "Was halten sie davon, dass viele muslimische Mädchen nicht am Sportunterricht teilnehmen dürfen?" Mazyek: "Das wird aufgebauscht. Natürlich gibt es ein paar Durchgeknallte, aber wir müssen doch die Moschee im Dorf lassen."

Das klingt gut, wird aber der Wahrnehmung vieler Bürger nicht gerecht. Zwar gelten 90 Prozent der Muslime in Deutschland als mäßig religiös, nur zehn Prozent als fundamentalistisch. Doch gerade in den Hochhaus-Ghettos großer Städte lebt eine beträchtliche Anzahl muslimischer Familien in einer Art Parallelwelt. Diese Minderheit gefährdet den sozialen Frieden, in dem sie einen Teil der Regeln und Werte, die unsere Gesellschaft ausmachen, missachtet.

Der Integrations-Ansatz, den ein Einspieler der Redaktion vorschlug, leuchtet ein: Anstatt die Gotteshäuser dieser streng religiösen Gruppe in Industrieviertel und Hinterhöfe zu verbannen, sollte man sie viel eher in die Mitte der Lebenswelt holen und somit transparent machen, was dort passiert. Der Größenwahn, den einige islamische Eiferer aus besonders prächtigen Moscheen oder atemberaubend hohen Minaretten ableiten, ist dabei das kleinere Problem. Ein selbstbewusstes Land muss sich auf keinen Kirchturm-Krieg einlassen.

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