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28.11.09

Late Night

Oliver Pocher schwächelt nicht nur wegen Grippe

Seine Quoten sind seit Wochen schwach. Jetzt leidet Oliver Pocher auch noch selbst – an der Schweinegrippe. Er hatte sich mit dem H1N1-Virus angesteckt. Das brachte ihm zwar viel Aufmerksamkeit. Aber seinen Autoren leider keine guten Ideen. Die Show krankte nicht nur wegen Pochers Grippe.

dpa

Nach seiner fehlgeschlagenen "Late Night"-Show bei Sat.1 startet Oliver Pocher bei RTL und Sky neu durch. Der Comedian kann auf eine illustre TV-Karriere zurückblicken: Der Aufstieg beginnt beim Musiksender Viva 1999. Zuerst moderiert er die Shows "Interaktiv", "Chart Surfer", "Was geht ab" und "Planet Viva".

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Die Schweinegrippe wünscht man ja niemanden. Aber man muss sich einmal vorstellen, Oliver Pocher hätte sich mit einem ganz gewöhnlichen Grippevirus infiziert. Das hätte niemals für die Titelseite der "Bild"-Zeitung gereicht. Und sein "heldenhafter" Auftritt hätte nie stattgefunden.

Doch so hat sich Oliver Pocher gequält. Seinen Zuschauern bleib leider auch nicht viel erspart.

In den Medien wurde über sein krankes Vorhaben ausführlich berichtet. Er selbst ließ verlauten, es gehe ihm nicht gut. Aber Freitagabend sei Pocher-Abend, "und das muss so bleiben – auch in meinem momentanen Zustand." Es klang so, als habe er ein bisschen Angst, dass man den Pocher-Abend bei Sat.1 streichen könnte.

Die Quoten der Show, von der sich Sat.1 so viel erhofft hatte, lagen dauerhaft derart niedrig. Vermarktung schwer möglich. Hat Pocher etwa Befürchtungen, dass man ihn wie gerade erst den quotenschwachen Kollegen Johannes B. Kerner einen neuen Sendeplatz einräumt – oder gar ganz absetzt wie einst die Late-Night-Talkerin Anke Engelke?

Für diesen Abend konnte er sich der Aufmerksamkeit jedoch gewiss sein. Ein PR-Stratege zur Quotenrettung in Fernseh-Late-Night-Krisen hätte den Schweinegrippen-Coup nicht besser planen können.

Und weil Oliver Pocher von seinem Vorbild und ehemaligen ARD-Partner Harald Schmidt mindestens die Selbstironie abgeschaut hat, verschrieb er sich selbst kräftig Seitenhiebe.

"Der simuliert doch nur!" Den Verdacht äußerte die Oberschwester in einer Episode der Schwarzwald-Klinik, die für die Pocher-Show-Spaß-synchronisiert worden war. Der Chefarzt dementierte entschieden. Pocher sei wirklich krank.

Der Patient demonstrierte das zu Beginn eindrucksvoll. Er hatte seinen Vater als Stellvertreter ins Studio abkommandiert. Er selbst saß zu Hause, in Trainingshosen und auf Hannover-96-Bettwäsche.

Neben ihm, mit ansteckungssicherem Abstand, sein Arzt Dr. Udo Martin. In einer Reality-TV-Collage im Big-Brother-Stil lieferte Pocher einen Videobeweis: sein Zustand der vergangenen Tage, jeweils mit Datum und Uhrzeit. Er hatte sich gefilmt, vorwiegend nachts, nach dem T-Shirt-Wechseln und beim Husten. 39,9 Grad zeigte das Fieberthermometer. Er schwitze wie ein Schwein, sagte Pocher. Daher wohl der Name der Krankheit. Witzigkeit kennt Grenzen.

Man müsse also keine Angst vor der Schweinegrippe haben, fasste sein Hausarzt die Krankheits-Clips zusammen und schloss den ersten Teil in bester Kerner-Manier mit einem Tipp ab: "Geb' ich Ihnen jetzt die Hand?" Nein, besser noch nicht! Einzige Humor-Beigabe: Pochers Präsentation von speziell verzierten Mundschutz-Varianten. Eine mit heraushängender Zunge, eine andere mit Strohhalm, die Mallorca-Version. Und einer, höhö, mit Schweinenase.

Die Oliver-Pocher-Show zeichnet sich seit ihrer ersten Folge nicht durch besonderen Ideenreichtum aus, auch wenn ihr Hauptdarsteller gegen einen echten Boxer kämpfte, zur Vorbereitung auf die Geburt des eigenen Kinds eine echte Nabelschnur durchschnitt oder mit Mundschutz über eine echte Sexmesse fuhr.

Diesmal fehlte neben den Ideen zusätzlich irgendeine Form von Handlung. Da saß der Vater im Studio, der Sohn auf dem Sofa. Da setzten sich ein paar Gäste dazu. Da wünschten Prominente wie das Model Eva Padberg und der Moderator Kai Pflaume Pocher gute Besserung.

Mit den Genesungswünschen war die Grippe gemeint. Aber man hätte sie durchaus auch auf die Show beziehen können. Oder wie es in einem "Schwarzwald-Klinik"-Einspieler hieß: "Der feine Herr Pocher, der ist krank. Und wenn man krank ist, dann kann man keine lustige Sendung machen. Basta!"

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