CD-Indizierung
Rammstein – öde Tabubrüche für Einfältige
Mittwoch, 14. Dezember 2011 14:02 - Von Matthias HeineDie Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das neue Rammstein-Album auf den Index gesetzt. Keyboarder Christian "Flake" Lorenz zeigte sich "bestürzt". Das ist albern, denn Rammsteins Platten und Videos werden prinzipiell nur gemacht, damit sich Einfältige daran aufgeilen.

Vier Wochen stand der Sack Reis auf der Kippe, nun ist er endlich umgefallen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das neue Rammstein-Album auf den Index gesetzt. "Liebe ist für alle da" darf nicht mehr beworben und an Minderjährige verkauft werden.
Zur Begründung hieß es, die Band animiere auf dem Album zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und verbreite gefährdende Sado-Maso-Praktiken. Rammstein-Keyboarder Christian "Flake" Lorenz zeigte sich "bestürzt" und verglich den Vorgang mit der DDR: "Wenn Meinungsfreiheit in der BRD bedeutet, dass Nazis unbehelligt 'Ausländer raus' brüllen dürfen, unsere Platte hingegen aus dem Verkehr gezogen wird, sind wir nicht viel weitergekommen."
Da hat er Recht, aber man möchte ihm trotzdem nicht applaudieren. Viel zu sehr wirkt das alles, als hätte Flakes Erklärung lange schon vorbereitet in der Schublade gelegen. Denn Rammstein sind Akkordfabrikanten des Tabubruchs.
Ihre Platten und Videos werden gemacht, damit Minderbemittelte sich daran aufgeilen, die Medien sich darüber erregen und Politiker nach Verboten schreien. Nun hat "Liebe ist für alle da" diese Zwecke sämtlich erfüllt, wenn auch mit einigen Wochen Verzögerung, weil das rostige alte Provokationsfließband klemmte.
Das Ganze ist absolut typisch für die öde Popszene von heute. Da lässt man sich so bürokratisch tätowieren, wie man im Finanzamt die Akten stempelt. Man greift sich so vorhersehbar in den Schritt, wie in Schwaben die Kehrwoche eingehalten wird. Und man verkleidet sich so routiniert als Pornohengst oder Pornostute, wie man sich anderswo in den Büroanzug zwängt.
Mit der DDR hat das alles nur so viel zu tun: Es ist so langweilig wie das Leben eines graugesichtigen Männleins, das in einer grauen Stadt in einem fensterlosen Archiv-Raum jahrzehntelang nur Stasi-Vorgänge von einem Regal ins andere räumt.
Erschienen am 09.11.2009







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