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04.11.09

Late Night

Sandra Maischberger und die Homo-Ehe

Moderatorin Sandra Maischberger lud zur aktuellen Bestandsaufnahme in Fragen der Homo-Ehe und den aktuellen Gesetzentwürfen prominenter Befürworter. Die beiden geladenen Kontrahenten Klaus Wowereit (SPD) und Norbert Geis (CSU) schenkten sich nichts. Das Ergebnis war trotzdem einvernehmlich.

DPA

Er erlebte ein Zwangs-Coming-Out: Alfed Biolek wurde 1991 wurde in der RTL-Talkshow "Explosiv - der heiße Stuhl" vom Filmemacher Rosa von Praunheim mit den Worten: "Hape Kerkeling ist stockschwul, Alfred Biolek auch" bloß gestellt. Biolek fand das als unangenehm, aber auch befreiend.

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Schwule und Lesben an die Macht! Moment Mal, das kennen wir doch! "Es gibt kein Gut, es gibt kein Böse. Es gibt kein Schwarz, es gibt kein Weiß. ["..."] Wir werden in Grund und Boden gelacht. Kinder an die Macht." Wahrlich ein Genuss und erschreckend zugleich war die Neugestaltung von Grönemeyers Song im Kontext des bunten Homo-Diskurses auf der Maischberger-Couch im Ersten.

Und wieder wird geredet über die Homosexualität. Feierte das deutsche Privatfernsehen erst Anfang der Woche einen weiteren Tabubruch mit einem zweieinhalbstündigen schwulen Kitsch-Streifen im Abendprogramm, und sprach sich Barack Obama erneut für die volle Anerkennung Homosexueller im US-amerikanischen Militär aus, so geht die Serie weiter.

Dirigentin Sandra führte im Takt der aktuellen Mediendebatte durch einen Talkabend mit den üblichen Kontrahenten: Schwuler Bürgermeister trifft auf bibeltreuen Katholiken. Außerdem mit dabei in der Band: das glückliche schwule Pärchen und die lesbische Schauspielerin. Und natürlich der Diplom-Psychologe. Sie alle kamen kaum zum Zug. Die beiden Solisten machten die Musik.

Eindeutig hätte sich die Partitur angehört, würde Norbert Geis den Dirigentenstab schwingen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Vater von vier Kindern kämpft dagegen an, die Rechte homosexueller Paare auszuweiten und stellt allen voran die privilegierte Position der heterosexuellen Ehe.

Wogegen kämpft Geis eigentlich?

Täglich beobachten wir in den Medien wie im gegenwärtigen Sprachgebrauch den psychologischen Wortkollaps in Sachen Lebenspartnerschaft und Ehe.

Fakt ist, die "Homo-Ehe", längst fester Begriff im Dialog der Geschlechter, gibt es nicht, sondern einzig die eingetragene Lebenspartnerschaft. Und auch das heftig diskutierte Adoptionsrecht "fremder Kinder" wird homosexuellen Paaren nach wie vor verwehrt.

Das sah der CSU-Bundestagsabgeordnete etwas anders. Doch spätestens beim herzerweichenden Diskriminierungsbeispiel à la "Auch Homos können aggressiv sein..." musste man ein wenig Mitleid haben.

Fassen wir es kurz: Der Mann ist empört, weil er bei seinem letzen Kirchengang durch Buhrufe und wildes Pfeifen die Schelte seiner Gegner erfahren musste. Also wirklich, diese gefährlichen Schwulen!

Interessant auch Maischberges Aufruf zum Thema "sexuelle Identität". Hier wurde heftig diskutiert: "Sie, Herr Wowereit leben ihre Identität mit ihrem Geschlecht als Mann, und sie Frau Maischberger eben ihre mit der Geschlechtlichkeit als Frau. Beide Formen stehen bereits unter dem Schutz des Grundgesetzes. Alles Weitere beschreibt nur das Merkmal der sexuellen Orientierung und hat nichts mit Identität an sich zu tun", so das Greissche Argument bezüglich der Irrelevanz von Wowereits angestrebter Bundesratsinitiative im Hinblick auf die Grundgesetzänderung zum Schutz Homosexueller vor gesellschaftlicher Diskriminierung.

Wird es Wowereit zusammen mit den Länderchefs von Bremen und Hamburg tatsächlich gelingen, die Einführung des Merkmals "sexuelle Identität" fest im Grundgesetz zu verankern, hätte dies zur Folge, dass für homosexuelle Lebenspartnerschaften die gleichen Ansprüche wie für die Ehe durchgesetzt werden könnten.

Wann, ist nicht absehbar. Tatsache ist, die Legislative sichert nur einen Teil des Kampfes für die Rechte von Menschen mit gleichgeschlechtlicher Identität.

Bei allen weiteren Pflichten zur Förderung persönlicher Beziehungen und mehr Toleranz, darin waren sich zur Ausnahme alle einig, steht nach wie vor der Mensch allein.

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