Zweifelhafte Kunst
Hörl will mit den Hitlergruß-Zwergen nur auffallen
Ist das schon "Zwergenverhetzung"? Ottmar Hörls Straubinger Installation mit 1250 Gartenzwergen, die den Hitlergruß zeigen, hat in den vergangenen Tagen zu einer großen Debatte geführt. Sie bewies: Lieber verteidigt man einen langweiligen Künstler, als dass man eine Einschränkung der Kunstfreiheit hinnimmt.
Von Uta Baier
Die Internetgemeinde ist uneins: Kunst oder "Zwergenverhetzung"? Ein lächerlicher Skandal, der nur von den wirklichen Problemen des Landes ablenkt? Die Diskussion um Ottmar Hörls Gartenzwerge mit Hitlergruß zeigt vor allem eines: Die Kunstfreiheit ist ein hoch geschätztes Gut. Lieber verteidigt man einen Künstler, der sich als Provokateur inszeniert und doch nur Langeweile verbreitet, als dass man eine Einschränkung der Kunstfreiheit hinnimmt.
Ein ganzes langes Wochenende standen 1250 Gartenzwerge nun als Ausdruck dieser Kunstfreiheit mit erhobenem rechtem Arm auf dem Straubinger Stadtplatz und allein Max Mannheimer, der Vizepräsident des Internationalen Dachaukomitees, erregte sich öffentlich. "Die Annahme, dass dadurch die Nazis lächerlich gemacht werden, ist sehr zweifelhaft", kritisierte er.
Verharmlost Ottmar Hörl, Künstler, Professor an der Nürnberger Kunstakademie und deren Präsident, den Nationalsozialismus? "Wenn ich meine Arbeit richtig mache, ist sie kontrovers", sagt Hörl. Dieses Mal hat er sie - nach seinen Vorstellungen - richtig gemacht, denn schon im Sommer prüfte die Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen gegen ihn. Sie kam zu dem Schluss, dass Hörl mit seinen Zwergen den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preis gebe und ermittelte nicht gegen ihn.
Sie hätte lieber zu dem Schluss kommen sollen, dass hier einer um jeden Preis auffallen will. Denn mit seinen Eulen, Hasen, Bären Löwen, Fröschen, Gartenzwergen, die er zu Tausenden auf verschiedenen Plätzen des Landes aufgestellt hat, ist ihm das nur mäßig gelungen.
Die Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit ist längst kein Tabu-Thema mehr, das von Künstlern aus der Verdrängungsecke geholt werden muss. Sie ist permanenter Bestandteil des öffentlichen Lebens. Das war noch anders, als Anselm Kiefer sich 1969 mit erhobenem rechten Arm fotografierte und malte.
Hier dachte einer am Anfang seiner Karriere darüber nach, welche Kunst überhaupt noch möglich ist. Bei Hörl und seinen Zwergen geht es nicht darum, ob er den Nationalsozialismus verharmlosen will, wie der Dachau-Vizepräsident vermutet. Die einzige Frage, die sich hier stellt, ist die nach der Verharmlosung dessen, was Kunst genannt wird.
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