Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
14.10.09

Installation

Straubing zeigt umstrittene Hitlergruß-Zwerge

Die Aufregung ist groß: Für fünf Tage wird in Straubing die Installation "Dance With The Devil" des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl zu sehen sein. Sie besteht aus über 1000 Gartenzwergen, die den Hitlergruß zeigen. Im Juli hatte deshalb bereits die Staatsanwaltschaft ermittelt, allerdings ohne Konsequenzen.

© AP
zwerg_teaser2_DW_Kultur_Straubing.jpg

Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung wird Gartenzwergen selten zuteil. Doch diese Zwerge sind anders: Sie zeigen den Hitlergruß. Am Donnerstag wird die "dance with the devil"-Installation des Künstlers Ottmar Hörl auf dem Ludwigsplatz im bayerischen Straubing eröffnet. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Hörl seine Wichtel-Installation auf einem öffentlichen Platz präsentiert.

"Ich will damit aufzeigen, dass rechtes Gedankengut in den Köpfen von uns allen steckt", erklärt Hörl seine Intention. Die Figur des Gartenzwergs erscheint ihm dafür besonders geeignet: Mit ihr könne er "nicht ganz ernst und ohne Zeigefinger ein ernstes Thema bearbeiten". Dass er damit provoziert, nimmt Hörl ganz bewusst in Kauf. "Ich brauche natürlich einen Aspekt, der stark genug ist, um Diskussionen anzukurbeln."

In Straubing ist die Aufregung bereits vor der Eröffnung groß. "Schon im Vorfeld gibt es Widerstand: politischen, bürgerlichen und von Kollegen", berichtet Hörl. Doch genau das gehört für den Künstler, der sich mit dem Thema Gartenzwerge seit Jahren auseinandersetzt und etwa nach der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst betende Zwerge gestaltet hat, dazu. "Solange ich auf eine gewisse Art und Weise polarisiere, mache ich es richtig. Ich will ja Bewegung in Gang bringen."

Hans Lohmeier von der SPD Straubing, die nach zwei ablehnenden Beschlüssen des Kulturausschusses der Stadt als Träger der Installation fungiert, erlebt die Stimmung als zweigeteilt. "Es gibt welche, die fragen, was soll der Schmarrn bei uns. Andere halten ihre Kinder für gefährdet. Aber viele haben auch kapiert, worum es geht."

Ob sie gefallen oder nicht: Bis Montag (19. Oktober) gehört der Ludwigsplatz den 1250 Hitlergruß-Zwergen. Auf einem zwölf Meter breiten und 50 Meter langem Raster aus Dachlatten angeschraubt, strecken die 39 Zentimeter hohen Zwerge dort den rechten Arm in den Himmel.

Einzig und allein ihre Farbgebung ist unauffällig: Die Hälfte der Figuren hat Hörl schwarz gestaltet, die übrigen in einem dunklen Anthrazit. Die Farben hat er "wegen dem Bild von der grauen Masse" gewählt. Dass die Zwerge den Hitlergruß nicht in Reih und Glied, sondern in verschiedene Richtungen zeigen, symbolisiere den individuellen Charakter der rechten Gedanken in der Gesellschaft.

Dass die Zwerge am Ende der Installation noch genau so dastehen, glaubt Hörl trotz der Überwachung – tagsüber haben Mitglieder der Bürgerinitiative "Runder Tisch gegen Rechts" ein Auge auf sie, nachts ein professioneller Wachdienst – nicht. "Ich glaube, dass sie beschädigt werden." Angst davor habe er nicht. "Sie stehen im öffentlichen Raum. Ich habe kein Recht darauf, dass sie dort in Ruhe gelassen werden."

In Nürnberg hatte die Staatsanwaltschaft wegen eines der Zwerge im Juli Vorermittlungen veranlasst. In einer Galerie in der Nürnberger Innenstadt war ein goldfarbener Wichtel mit gestrecktem rechtem Arm ausgestellt, daher recherchierte die Behörde wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Hörl argumentierte damals laut Staatsanwaltschaft: "Es sollte doch klar sein, dass Gartenzwerge dämlich sind und dämliche Dinge tun. 1942 wäre ich dafür von den Nazis erschossen worden." Die Staatsanwaltschaft sah von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab.

Das offizielle Straubing hält sich vor der Eröffnung der Installation bedeckt. "Für die inhaltliche Auseinandersetzung ist der Träger verantwortlich", ist von Sprecher Günther Kröll bloß zu erfahren. Die Stadt habe den Platz nach der Sondernutzungssatzung lediglich zur Verfügung gestellt. Geld geflossen sei keines. Mit den Kosten wurde auch begründet, dass der Kulturausschuss zwei Mal für Nein gestimmt hatte. Nun tragen die rund 20 000 Euro private Sponsoren.

Quelle: ddp/fp
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote