Berlins Top-Musiker
Miss Platnum kann jetzt Peter Fox einholen
"The Sweetest Hangover" ist feinster Pop - oder Balkan-Soul. In jedem Fall ist Miss Platnum mit dieser Musik wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und könnte mit ihrem neuen Album zu Berlins derzeitigem Top-Musiker Peter Fox aufschließen.
Von Michael Hufnagel
Gerade erst stand sie bei der Show von Peter Fox auf dem Parkett der Kindl-Bühne Wuhlheide. Sie war als Hintergrundstimme im Einsatz, durfte aber auch zwei Songs aus ihrem neuen Album vorstellen. Schließlich kennen sich Fox und Miss Platnum schon eine Weile. Sie ermöglichte dem Sänger immerhin den ersten Auftritt unter seinem inzwischen landesweit bekannten Eigennamen. Das Duett "Come Marry Me" ist auf dem Album "Chefa" zu hören, mit dem die Deutsch-Rumänin vor zwei Jahren für mächtigen Wirbel gesorgt hat. Das lag ein bisschen an Peter Fox, hauptsächlich aber an der vitalen Mischung aus HipHop, modernem R&B und Balkan-Folklore.
Am Anfang klang das bei Miss Platnum noch anders, ging es mehr in Richtung ihrer amerikanischen Vorbilder. Gebracht hat es nichts, das erste Album "Rock Me" war ein Flop. "Der Misserfolg hatte mir ganz schön zugesetzt. Mir war klar: Wenn ich noch mal was mache, dann muss es etwas an sich haben, was nicht so in Konkurrenz zu anderen Künstlern steht. Ich finde HipHop und Soul richtig gut, habe trotz meiner schwarzen Stimme aber andere Wurzeln. Ich bin keine perfekte R&B-Königin wie Beyoncé, ich habe meine Ecken und Kanten", sagt Miss Platnum, die eigentlich Ruth-Maria Renner heißt und von Sängerin Jocelyn B. Smith ausgebildet wurde.
Bei der Suche nach einem neuen Stil entdeckte die 29-Jährige Musik, mit der ihre Familie aufgewachsen ist. "Meine rumänische Herkunft war mir immer bewusst, schließlich sprechen meine Eltern zu Hause Rumänisch. Außerdem besuche ich regelmäßig meine Großmutter in der Nähe von Timioara. Der Gedanke, eine daran angelehnte Musik zu machen, kam mir aber nicht automatisch. Es war mehr eine plötzliche Eingebung, dass der Schlüssel für meinen Neuanfang in dieser Musik liegt." Die Miss stellte ihre Produzenten DJ Illvibe und Monk vor vollendete Tatsachen. Sie spielte ihnen so lange Musik von Maria Tanase und Fanfare Ciocarlia vor, bis sie diese verstanden.
Der Schnellkurs zeigte seine Wirkung. Einige Songs aus dem Album "Chefa" kamen beim rumänischen Publikum richtig gut an und erreichten hohe Positionen in den Charts. Von daher wurde es Zeit, das osteuropäische Land etwas genauer kennen zu lernen. Während der Entstehungsphase des neuen Albums "The Sweetest Hangover" machten sich die Produzenten zusammen mit Miss Platnum in Rumänien ein Bild von der dortigen Musik. Das war wichtig, denn die Platte sollte anders klingen. "Wir haben gemerkt, dass die Musik auf der Bühne besser herüberkommt als auf Platte, weil wir im Studio mit Samples und Computern gearbeitet haben. Uns war klar, dass wir jetzt ein richtiges Orchester brauchen, damit das Ganze frischer klingt und auf einer höheren künstlerischen Ebene ankommt."
Zuerst wollte es Miss Platnum mit Fanfare Ciocarlia probieren, doch die temperamentvolle Roma-Blaskapelle war nicht abkömmlich. Also zog man nach Belgrad weiter und spielte die Orchesterpassagen mit den inzwischen weltberühmten Musikern des Ensembles von Marko Markovic ein. "Marko spricht kein Englisch, die Kommunikation war nicht immer einfach, aber das machte nichts. Die Leute da unten leben und atmen Musik. Sie arbeiten nicht stur nach Zeitplan, sondern sind immer mit vollem Herzen dabei. Marko versteht auch die Musik unserer Generation und konnte mit elektronischen Beats etwas anfangen. Das war wichtig, denn ich wollte ja keine Weltmusik machen."
Das ist dann auch der entscheidende Punkt: Miss Platnum geht es nicht darum, alte Kulturtraditionen aufleben zu lassen. Sie versteht sich als moderne Frau, die sich zu ihrer Herkunft bekennt, aber auch zur Musik, die sie seit ihrer Jugend in Berlin begleitet. Man mag es Balkan-Soul nennen oder einfach bloß Pop. Auf jeden Fall hat Miss Platnum jetzt alle Chancen, eine ähnlich große Nummer zu werden wie ihr Kollege und guter Bekannter Peter Fox.
Die CD Miss Platnum: The Sweetest Hangover (Four Music/Sony)
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