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24.08.09

Neue Saison

Was Sie in Berlins Opernhäusern sehen müssen

Mit üppigen Premieren werden Berlins Opern ihre Besucher zum Saisonbeginn nicht verwöhnen. Sie ringen in erster Linie auf Popularität. Und so lockt die Staatsoper mit einer Live-Übertragung, die Deutsche Oper auf Namen und die Komische Oper zeigt sich in Präsentierlaune.

© dpa-Zentralbild
Auch an der Deutschen Oper wollen die Orchestermusiker streiken
Die Deutsche Oper feiert ihre konzertante Eröffnungspremiere am 6. September mit Bellinis "I Capuleti e i Montecchi"

Wer glaubt, die drei großen Berliner Opernhäuser werden gleich zum Saisonauftakt ihr Publikum mit üppigen Premieren umgarnen, der sieht sich getäuscht. Am Anfang stehen die Proben. Nein, es gibt andere bemerkenswerte Dinge, mit denen das Opern-Triumvirat auf die neue Spielzeit einstimmen will. Und genau genommen sind diese Projekte sogar symptomatischer für das, was in den nächsten Monaten auf uns zukommt. Es ist das Ringen um Popularität.

Beispielsweise wird nicht etwa drinnen, sondern draußen auf dem Bebelplatz die Saison eröffnet. Am 29. August gibt es eine Live-Übertragung aus der Staatsoper (und tags darauf ein Staatskapellen-Konzert). Der Hintergrund: Es ist zugleich der Auftakt zur letzten Spielzeit im Haus Unter den Linden. Die Staatsoper wird grundlegend saniert. Ab Oktober 2010 spielt das Ensemble für drei Jahre im zum Opernhaus umgebauten Schiller-Theater. Insofern ist das Bebelplatz-Open-air ein Teil des Abschiedsrituals. Die Saison endet übrigens auch Anfang Juni auf dem Bebelplatz, unter anderem mit einer Übertragung von Tschaikowskis "Eugen Onegin".

Das ganze Projekt nennt sich "Staatsoper für alle". Der Eintritt ist kostenlos, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben mit hinteren Plätzen. Diese Open-air-Übertragungen - mit denen ein neues Publikum gewonnen werden soll - kommen in Deutschland gerade in Mode: Auch in Bayreuth wurde kürzlich eine Vorstellung von Wagners "Tristan und Isolde" live vom Grünen Hügel auf den Volksfestplatz übertragen. Auf die Idee, das auch in Bayreuth zu machen, kam die heutige Festspielleiterin Katharina Wagner irgendwann auf dem Bebelplatz. Der Berliner "Eugen Onegin" mit Daniel Barenboim ist auch deshalb mit Spannung zu erwarten, weil der erkrankte und pausierende Startenor Rolando Villazon wieder mit von der Partie sein soll.

Deutsche Oper setzt auf blond

Ansonsten geht es in der Staatsoper in dieser Spielzeit etwas ruhiger zu, vier Premieren sind angekündigt. Bemerkenswert ist die Besetzung der Premieren-Dirigenten neben Hausherrn Daniel Barenboim. Philharmoniker-Chef Simon Rattle kommt für die Produktion von Chabriers "L'Etoile" herüber an die Staatsoper, und Zubin Mehta dirigiert "Die Fledermaus".

Dagegen setzt die Deutsche Oper von Anbeginn auf blond, pardon auf Namen. Die konzertante Eröffnungspremiere am 6. September wird weniger mit Bellini als vielmehr mit Elina Garanca beworben. Die lettische Mezzosopranistin gehört derzeit zu der Handvoll auserwählter Klassikstars, die sogar den Weg in die Pop-Charts schaffen. Die Garanca singt also den Romeo.

Bereits am 20. September gibt der Schotte Donald Runnicles, der neue Generalmusikdirektor, seinen Einstand am Pult: Er präsentiert sich mit "Tannhäuser". Überhaupt ist die Saison Wagner gewidmet. Es gibt Festwochen und Runnicles selbst dirigiert die beiden großen "Ring"-Zyklen. Götz Friedrichs Inszenierung ist nach wie vor Medizin fürs kränkelnde Regietheater. Als blondes Gift für die Oper, nämlich als Werbeträger der Saison, hat sich diesmal Moderatorin Barbara Schöneberger in die verschiedensten Kostüme geworfen. Sie ist zweifellos komisch anzuschauen. Ästhetisch setzt Intendantin Kirsten Harms, die selbst als erste Premiere Strauss' "Frau ohne Schatten" inszeniert, auf Gastregisseure, die entweder aus dem Schauspiel (Katharina Thalbach, Andreas Kriegenburg) oder dem Film (Philipp Stölzl) kommen.

Komische Oper in Präsentierlaune

Während die beiden großen Häuser mit einem reduzierten Premierenangebot starten, zeigt sich die Komische Oper in bester Präsentierlaune. Fünf Opern, eine Operette und eine Familienoper sind angekündigt.

Aber zum Auftakt macht das Haus mit einer Premiere der anderen Art auf sich aufmerksam. Es gibt eine neue Bestuhlung mit mehr Beinfreiheit, aber vor allem mit einer integrierten Übersetzungsanlage. Die gibt es bereits an der Met und in Wien, aber in Deutschland ist sie einmalig. Der Besucher kann auf einem Display den Text entweder auf Deutsch oder auf Englisch mitverfolgen. Spötter werden entgegnen, die Sänger bräuchten doch nur einmal deutlicher zu artikulieren, schließlich führt die Komische Oper ihre Stücke traditionell in deutscher Sprache auf. Tatsächlich geht dieser Service in Richtung Tourismus.

Schließlich suchen alle drei Häuser nach dem großen Publikum. Und wer sich einmal die Regisseure in der Premierenliste genauer anschaut: Skandale sind out.

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