Bühne
Was Sie diese Saison in Berlins Theatern sehen müssen
Vier neue Intendanten bringen in der neuen Saison Leben in die Berliner Theaterszene. Hinzu kommen Inszenierungen großer Namen, bekannte Stücke und Wiederaufnahmen, die endlich sehen sollte, wer sie noch nicht gesehen hat. Morgenpost Online gibt einen Ausblick. Ein großer Höhepunkt zeichnet sich schon ab.
Von Stefan Kirschner
Der Worte sind genug gewechselt, aber ein bisschen lassen die Taten noch auf sich warten. Ende kommender Woche beginnt die neue Theatersaison. Den Auftakt macht das Berliner Ensemble, dessen Intendant Claus Peymann sich in den Bergen von der vergangenen Spielzeit erholte, aber trotzdem in den Medien dauerpräsent war. Dank Rolf Hochhuth. Der Dramatiker sorgte für ein unterhaltsames Sommertheater, weil Peymann ihm den Zutritt zum Berliner Ensemble verweigerte. Hochhuth wollte dort "Sommer 14" zu Ende proben und aufführen. Das Gericht wies ihn ab. Jetzt zeigt er seine Inszenierung von Sonntag an in der Urania (18 Uhr). Weitere Vorstellungen laufen vom 24.-26. August (20 Uhr).
Zwei Tage später startet das Berliner Ensemble in die neue Spielzeit. Dreimal steht Peter Steins Erfolgsinszenierung "Der zerbrochne Krug" mit Klaus Maria Brandauer auf dem Spielplan – und dürfte für ein ausverkauftes Haus sorgen. Mit den ersten Premieren lässt sich das Berliner Ensemble (BE) Zeit. Erst für Oktober ist Philip Tiedemanns "Der Parasit oder die Kunst sein Glück zu machen" angekündigt, ein Lustspiel von Friedrich Schiller, dessen 250. Geburtstag am 10. November ansteht. Im Dezember steigt BE-Direktor Claus Peymann dann selbst in den Ring und inszeniert Carlo Goldonis "Trilogie der schönen Ferienzeit". Außerdem sind Arbeiten von Thomas Langhoff und Andrea Breth angekündigt.
Die Tribüne wird wiederbelebt
Die kommende Saison steht im Zeichen der Neuanfänge. Insofern ist es konsequent, dass Dieter Hallervorden den Premierenreigen mit seinem Schlossparktheater in Schwung bringt. Nach der Eröffnungsgala am 1. September, bei der Moderator Alfred Biolek vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit unterstützt wird, gibt es einen Tag später die deutsche Erstaufführung des Pariser Bühnenhits "Die Socken Opus 124". Katharina Thalbach inszeniert, auf der Bühne stehen Hausherr Dieter Hallervorden und Ilja Richter.
Ebenfalls einen Neuanfang versucht Gunnar Dreßler an der Tribüne. Pünktlich zum 90-jährigen Jubiläum des Hauses am 20. September wird der Theaterstandort wieder belebt. Der Spielplan soll demnächst vorgestellt werden.
Neuanfang Nummer drei geht am Potsdamer Hans Otto Theater über die Bühne. Am 1. Oktober stellt sich der aus Magdeburg gewechselte neue Intendant Tobias Wellemeyer mit seiner Eröffnungsinszenierung von Ibsens "Die Wildente" vor.
Mit dem größten Erwartungsdruck fertig werden muss Ulrich Khuon. Der neue Chef des Deutschen Theaters, der zur Gattung der nichtregieführenden Intendanten gehört, startet mit einem Doppelschlag: Am 17. September inszeniert Andreas Kriegenburg in den Kammerspielen "Herz der Finsternis" – die Uraufführung basiert auf der gleichnamigen Novelle von Joseph Conrad. Einen Tag später widmet sich Stephan Kimmig im Deutschen Theater der nächsten Uraufführung: "Öl" von Lukas Bärfuss. Und auf der großen Bühne folgt dann eine Woche später der zweite Kriegenburg: der neue Hausregisseur inszeniert mit Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" einen Klassiker.
"Berlin Alexanerplatz" mit Chören
Mit dieser Mischung aus neuen und bewährten Stücke startet auch das Maxim Gorki Theater: Als Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater hat am 26. September Jan Bosses "Peer Gynt"-Inszenierung in Berlin Premiere – das könnte einer der Höhepunkte der Saison werden. Freilich weiß man das immer erst hinterher, denn ähnlich wie bei einem Fußballspiel können die Akteure gelegentlich die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Deswegen ist man bei Ausblicken eigentlich nur bei Wiederaufnahmen auf der sicheren Seite. Gleich drei Bühnen zeigen Inszenierungen, die bereits beim Theatertreffen gefeiert wurden: Armin Petras holt seine am Schauspiel Frankfurt realisierte "Gertrud" ans Gorki (Premiere am 20. September), Thomas Ostermeier seine Münchner Arbeit "Die Ehe der Maria Braun" an die Schaubühne (ab November) und der frühere Thalia-Intendant Ulrich Khuon zeigt ab April Stephan Kimmigs "Maria Stuart"-Inszenierung, die nach dem Intendantenwechsel aus dem Repertoire des Hamburger Theaters herausgefallen ist.
Während die Volksbühne noch saniert wird – die Saison wird deshalb am 9. September bescheiden im Prater mit "Gute Nacht, Du falsche Welt" eröffnet –, und sich Frank Castorf über die Pläne im großen Haus zu diesem Zeitpunkt traditionell in Schweigen hüllt, startet die Schaubühne mit einem urdeutschen Stoff: Friedrich Hebbels "Die Nibelungen", die Marius von Mayenburg am 13. September herausbringt – und Michael Thalheimer im März am Deutschen Theater. Mit Spannung erwartet wird auch Volker Löschs erste Berliner Inszenierung: Lösch, der zuletzt mit seinem "Marat" beim Theatertreffen für Aufsehen sorgte, inszeniert – natürlich mit Chören – "Berlin Alexanderplatz". Und dürfte damit einen ästhetischen Kontrapunkt zu Jossi Wielers "Aischylos" (26. November) setzen.
Genau das macht den Reiz der Theaterstadt Berlin aus: Eine breite Palette von Regie-Handschriften und Stilen – und viele hervorragende Schauspieler.
Regie: Andreas Kriegenburg
Deutsches Theater, Kammerspiele
Premiere: 17. September
Karten-Telefon: 28441225
Regie: Armin Petras
Maxim Gorki Theater
Premiere: 20. September
Karten-Telefon: 20221115
Regie: Jan Bosse
Maxim Gorki Theater
Premiere: 26. September
Karten-Telefon: 20221115
Regie: Robert Wilson
Berliner Ensemble
Premiere: 8. Oktober (Wiederaufnahme)
Karten-Telefon: 28408155
Regie: Michael Thalheimer
Deutsches Theater
Premiere: 30. Oktober
Karten-Telefon: 28441225
Regie: Jossi Wieler
Schaubühne am Lehniner Platz
Premiere: 26. November
Karten-Telefon: 890023
Regie: Thomas Ostermeier
Schaubühne am Lehniner Platz
Premiere: ab November (Übernahme)
Karten-Telefon: 890023
Regie: Volker Lösch
Schaubühne am Lehniner Platz
Premiere: 13. Dezember
Karten-Telefon: 890023
Regie: Nicolas Stemann
Deutsches Theater
Premiere: 18. Dezember
Karten-Telefon: 28441225
Regie: Dimiter Gotscheff
Deutsches Theater
Premiere: ab Februar
Karten-Telefon: 28441225
Regie: Jan Bosse
Maxim Gorki Theater
Premiere: ab Februar
Karten-Telefon: 20221115
Regie: Stephan Kimmig
Deutsches Theater
Premiere: ab April
Karten-Telefon: 28441115
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