28.02.13

Til-Schweiger-Remake

Bradley Cooper macht Kokowääh für die USA

"Cock-oh-why?": Hollywood will seine eigene Version von Til Schweigers Blockbuster "Kokowääh" drehen. Die Hauptrolle soll Bradley Cooper spielen. Dabei könnte der ein neuer Paul Newman werden.

Foto: AFP

Bradley Cooper, der einst „sexiest man alive“, besuchte die Oscar-Party von Vanity Fair mit seiner Mutter
Sonntagabend in Hollywood: Bradley Cooper, einst "sexiest man alive", besuchte die Oscar-Party von "Vanity Fair" mit seiner Mutter

In Deutschland bricht gern eine merkwürdige, kindliche Freude aus, wenn bekannt wird, dass Hollywood die Drehbuchrechte von einem deutschen Film gekauft habe, um ihn nach eigenem Gutdünken für ein Remake verwursten zu dürfen.

Ähnliches wird jetzt wieder passieren, denn: Warner Bros. will seine eigene, englischsprachige Version von "Kokowääh", und die Hauptrolle soll Bradley Cooper spielen, der vor zwei Jahren zum "sexiest man alive" ernannt wurde, den Titel allerdings inzwischen an Channing Tatum verloren hat und vielleicht deshalb auf dem roten Oscar-Teppich am Arm seiner Mutter gesehen wurde – Zoe Saldana und Renée Zellweger, seine Ex, standen wohl nicht mehr zur Verfügung.

Doch zurück zum Thema. Die Freude der Deutschen über den Hollywood-Scheck (man kann grob schätzen, dass Warner eine halbe Million Dollar an Schweiger zahlen dürfte) ist letztlich eine perverse über die Entfremdung von der eigenen spezifischen Kultur, über das selige Eintauchen in den weltweiten Mainstream. Hollywood sucht Stoffe, die sich in Chicago so gut verkaufen wie in Shanghai, entkleidet sie aller nationalen Besonderheiten und behält den nackten, universell einsetzbaren Kern.

Til Schweiger schreibt genau solche Stoffe, wie den von dem kleinen Mädchen zwischen den zwei Vätern und dem Gefühlswirrwarr der Männer. Dieses Universelle, Glatte, Auswechselbare ist einer der Gründe, warum viele Leute seine Filme nicht mögen. Dieses Universelle, Glatte, Auswechselbare ist aber auch einer der Gründe, warum das Ausland Interesse zeigt

Hollywood liebt auch Matthias Schweighöfer

Die Holländer drehen gerade ein Remake von "Männerherzen", und der "Schlussmacher" von Matthias Schweighöfer – einem gelehrigen Schüler Schweigers – wird bei der Fox für ein US-Remake entwickelt (was eine weitere Drehung der Kannibalisierungsschraube bedeutet, denn schon der "Schlussmacher" sah in Teilen dem französischen "Auftragslover" verdächtig ähnlich).

Nun ist es leider nicht so, dass bei jeder weiteren Drehung der Schraube der Stoff verbessert und verfeinert würde. Im Gegenteil, da werden Kanten abgeschliffen, Motivationen vereinfacht, Nebenhandlungen eingespart. "Bella Martha" mit Martina Gedeck war 2001 ein kulinarischer und erotischer Augenschmaus, als sechs Jahre später "Rezept zum Verlieben", das Remake mit Catherine Zeta-Jones, in die Kinos kam, war davon nur eine weitere romantische Komödie geblieben.

Diese Erfahrung macht man mit neun von zehn Remakes, die aus Hollywood kommen, und das waren seit der Jahrhundertwende schon Dutzende. Vor allem in Korea, Japan, Frankreich und Dänemark sind die Rechtekäufer unterwegs, und fast immer sind die Remakes schwächer, selbst wenn ein Regisseur wie Ole Bornedal seinen dänischen Erfolg "Nachtwache" als "Freeze – Alptraum Nachtwache" höchstpersönlich in Hollywood nachinszeniert.

Bradley Cooper bräuchte ein ordentliches Drama

Der Stolz der deutschen Formeldrehbuchmusterschüler, dass auch ihre erfolgreichen Filmkinder sich nun durch den Globalisierungsfleischwolf drehen lassen dürfen, sollte sich also in Grenzen halten. Im Übrigen bleibt abzuwarten, ob aus der Ankündigung eines amerikanischen "Kokowääh" überhaupt etwas wird, denn zum einen bräuchte man einen viel unverfänglicheren Titel (ein englischer Kollege verunstaltete ihn schon mal zu "Cock-oh-why?"), und zum anderen ist Bradley Cooper ein viel beschäftigter Mann.

Der Spätdreißiger Cooper nähert sich dem Alter, in dem sich für ihn entscheidet, ob ihm der Sprung auf die Liste der Großstars gelingt, oder ob er in den oberen Regionen der B-Liste hängen bleibt. Dass er eine mittelteure Komödie von rund dreißig Millionen Dollar wie "Hangover" oder "Silver Linings" zum Erfolg führen kann, hat er gezeigt; "Kokowääh" wäre nur mehr vom Gleichen, und das muss momentan nicht seine Priorität sein.

Was Cooper braucht, um ein neuer Paul Newman zu werden (was durchaus in ihm stecken könnte), ist eine Adelung durch Drama, und nicht umsonst ist er als Verkörperung des gefallenen Helden Lance Armstrong in einer Filmbiografie im Gespräch.

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