27.02.13

Strauss-Kahns Affäre

Skandalbuch über Strauß-Kahn eine Auftragsarbeit?

Eine bizarre Entschuldigungs-E-Mail an Dominique Strauss-Kahn lässt Verschwörungstheorien um das Buch einer früheren Geliebten blühen: Autorin Marcela Iacub berichtet von "verrückten Hintermännern".

Foto: AFP

Das Skandalbuch „Belle et bete“. Der Titel ist ein beabsichtigtes Wortspiel und lässt sich mit „Die Schöne und das Biest“ übersetzen – oder „Schön und dumm“
Das Skandalbuch "Belle et bete". Der Titel ist ein beabsichtigtes Wortspiel und lässt sich mit "Die Schöne und das Biest" übersetzen – oder "Schön und dumm"

Eine seltsame E-Mail hat im Prozess um das Skandalbuch "Belle et Bête" den Ausschlag gegeben – und nährt die Pariser Gerüchteküche: Haben geschäftstüchtige Hintermänner die exzentrische Juristin Marcela Iacub auf Dominique Strauss-Kahn (DSK) angesetzt?

Am Dienstag hatte ein Pariser Gericht entschieden, dass das Werk, in dem Marcela Iacub ihre siebenmonatige Affäre mit DSK verarbeitet hat, nur mit einem Beipackzettel vertrieben werden darf. Auf diesem muss ausdrücklich vermerkt werden, dass der Text einen Eingriff in die Privatsphäre des ehemaligen Präsidenten des Internationalen Währungsfonds darstellt.

Außerdem wurden die Autorin und ihr Verlag Stock zu Entschädigungszahlungen von je 50.000 Euro und das Magazin "Le Nouvel Observateur", das Auszüge aus "Belle et Bête" und ein Interview mit Marcela Iacub abgedruckt hatte, zur Zahlung von 25.000 Euro verdonnert. Mit seinem Antrag, das Buch komplett aus dem Verkehr zu ziehen, kam Strauss-Kahn jedoch nicht durch.

Madame Iacub hatte bislang behauptet, sie sei nach der Veröffentlichung ihres Essays "Une société des violeurs?" ("Eine Gesellschaft von Vergewaltigern?"), in dem sie Strauss-Kahn gegen den Vorwurf, ein Vergewaltiger zu sein, in Schutz nahm und feministischen Aktivistinnen "Hysterie" vorwarf – ausgerechnet von Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclair angesprochen worden, die ihr zu dem Buch gratuliert habe. Darüber habe sich der Kontakt zu Strauss-Kahn und in der Folge ziemlich zügig die Affäre ergeben, aus der Iacub den Stoff für ihr Buch schöpft: "Ich würde Dich lieben, um über Dich zu schreiben", heißt es in "Belle et Bête".

"Ich bin ein ehrlicher Mensch"

In einer E-Mail, die Iacub DSK nach dem Ende der Affäre schrieb, und die sein Anwalt Jean Veil nun vor Gericht vortrug, erscheint die Herangehensweise der Autorin deutlich weniger romantisch motiviert: "Nach so vielen Lügen und Szenen" fühle sie sich "jetzt verpflichtet, Dir die Wahrheit zu sagen", schreibt Iacub ihrem Sieben-Monats-Liebhaber, den sie im August 2012 mit dem Hinweis abgelegt hatte, dass sie sich künftig intensiver um ihre Hündin Lola kümmern müsse.

Nun schreibt sie am 26.November 2012 nicht ohne Selbstmitleid, ihr Gewissen quäle sie "seit fast einem Jahr". "Ich bin ein ehrlicher Mensch, und ich habe mich auf leichtfertige Art in ein Projekt ziehen lassen, das Dich betrifft, bei dem ich nicht hätte mitmachen sollen."

Die Verführerin gibt die Verführte: "Die Leute, mit denen ich gearbeitet habe, haben mich im Nachhinein etwas abgestoßen, sie haben mich als Instrument benutzt, Dich zu beschmutzen. Das wollte ich nicht. Ich schwöre es Dir. Ich wollte Dir nicht schaden, ich wollte das seltsame Phänomen verstehen, das Du bist."

Marcela Iacub führt weiter aus, dass sie bereits ihr erstes Buch "Une société des violeurs?" geschrieben habe, "weil die es waren, die es von mir verlangt haben". Ihn persönlich zu treffen sei "Teil desselben Projekts" gewesen. "Ich musste Dich glauben machen, dass ich Dir verfallen war, verrückt nach Dir war."

"Bitte lösche diese Mail"

Zum Schluss bittet Iacub Strauss-Kahn, "diese Mail zu löschen", weil sie "dieses Geständnis nicht den schrecklichen Schwierigkeiten hinzufügen" wolle, welche sie "zurzeit ihretwegen habe". Bei den nicht näher genannten Hintermännern handele es sich um "Leute", die "nicht böse sind, aber etwas leichtfertig und verrückt".

Nachdem Jean Veil dieses erstaunliche Schreiben vor Gericht vorgetragen hatte, erklärte der Rechtsanwalt Christophe Bigot, der Marcela Iacub und den Verlag Stock vertrat, wenig überzeugend, seine Mandantin könne sich an die Mail, in der sie ihre marternden Gewissensbisse beschreibt, "nicht mehr erinnern". Sie habe zudem "nicht den Mut", in ihrem Mail-Account noch einmal nachzusehen.

Unterdessen ist bei dem Medium, das sich bei der Berichterstattung über Iacubs Buch besonders hervorgetan hat, eine heftige Debatte ausgebrochen. Der Chefredakteur des "Nouvel Observateur", Laurent Joffrin, hatte die Veröffentlichung allen Ernstes mit der literarischen Qualität des Werks gerechtfertigt. Dafür musste er sich vom indignierten 92 Jahre alten Gründer des Blatts, Jean Daniel, anhören: "Für so etwas habe ich den Nouvel Obs nicht gegründet."

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