27.02.13

"Inferno"

Dan Brown hat ein Geheimnis mit π

Dan Browns neuer Thriller "Inferno" erscheint erst im Mai – die Schnitzeljagd aber hat schon begonnen. Hinweise auf den Plot geben der Erscheinungstag und eine versteckte Koransure.

Foto: Lübbe

Hier beginnen üblicherweise die Ermittlungen der Fans: Das deutsche Cover von Dan Browns neuem Thriller „Inferno“, der am 14. Mai im Lübbe Verlag erscheint
Hier beginnen üblicherweise die Ermittlungen der Fans: Das deutsche Cover von Dan Browns neuem Thriller "Inferno", der am 14. Mai im Lübbe Verlag erscheint

Dan Brown hat die Schnitzeljagd zur Romanform erhoben: Sein Serienheld Robert Langdon ist von Beruf Kryptologe, und jedes seiner Abenteuer ist ein Stationendrama: Binnen weniger Stunden hetzt Langdon von X nach Y, wo er einen Hinweis auf Z findet.

Dan Brown hat dabei über die Jahre aber auch das Dan-Brown-Marketing perfektioniert und die Schnitzeljagd entgrenzt: Tatsächlich beginnt sie lange vor dem Erscheinungstag des jeweils neuen Romans. Bevor nämlich Chefermittler Robert Langdon die Bühne betritt, bekommen die Fans Gelegenheit zum Rätselraten: Brown streut Hinweise aus wie Hänsel Brotkrumen.

Krumen Nummer 1 ist dabei natürlich die Verlagsankündigung mit Titel und knapper Inhaltsangabe. "Inferno" soll "im Herzen Italiens" spielen, wo "Robert Langdon, in die erschütternde Welt eines der beständigsten und rätselhaftesten literarischen Meisterwerke gezogen" wird: Dantes 'Inferno'.

Das bereits veröffentliche Buchcover zeigt passenderweise die Dächer von Florenz, wo Dante Aligheri, Verfasser der "Göttlichen Komödie" 1265 zur Welt gekommen ist. Auf der amerikanischen Ausgabe ist Dante denn auch gleich selber zu sehen. Und "Inferno", so heißt auch der erste Gesang der "Göttlichen Komödie", die den Leser durch Hölle, Fegefeuer und Himmel führt.

Aber was hat das mit Krumen Nummer 2, dem weltweiten Erscheinungstag, zu tun, den Brown und seine Strategen bestimmt auch diesmal gewiss nicht dem Zufall überlassen haben? Wie lässt sich der 14. Mai 2013 deuten?

Kreiszahl und Koransure

Der amerikanische Dan Brown-Fan Greg Taylor glaubt es zu wissen. Er hat das, wie er behauptet, "ultimative Vorbuch" geschrieben, ein E-Book, das "Inside Dan Brown's Inferno" heißt und damit der rare Fall eines Sekundärwerks ist, das vor dem Primärtext erscheint.

Darin schreibt er das Datum als Zahl und in der in Amerika üblichen Reihenfolge, also erst den Monat, dann den Tag und dann das Jahr. So wird 5/14/13 daraus – eine Zahl, die man nur noch umdrehen muss, um sie als eine der berühmtesten der Mathematikgeschichte zu erkennen: 31415 – so lauten die ersten fünf Ziffern von π – Pi, der Kreiszahl.

Wer jetzt zu der Kreiszahl "Pi" noch das Cover von "Inferno" zu Rate zieht, das mehrere Ringe (oder Kreise) zeigt, ist vielleicht noch einen Schritt weiter. Laut Cover-Designer Mike Windsor, der mit dem Wall Street Journal geredet hat, stehen die Ringe nämlich für die Hölle von Dantes "Inferno".

So gab es nach der mittelalterlichen Vorstellung neun Kreise der Hölle und eine Vorhölle, die ein Sünder durchläuft. Womöglich wird eines der Haupträtsel in Dan Browns "Inferno" also mit der Deutung von Kreissymbolen zu tun haben.

Und das Cover gibt auch sonst noch einiges her: Die Zahl "XXIII. 91" etwa, die dort innerhalb der Ringe zu sehen ist. Deutet sie vielleicht auf den 91. Absatz der 23. Koransure hin? Die lautet: "Gott hat sich kein Kind zugelegt. Und es gibt keinen Gott neben ihm...". Zu Dan Browns normalerweise mit religiöser Mythologie aufgeladenen Geschichten würde das zumindest passen.

Geheimvideo mit Geheimgang

Bleibt der Hinweis, den Dan Brown in seiner einzigen Wortmeldung selbst ausgestreut hat: Er werde die Leser in "eine Landschaft aus Codes, Symbolen und mehr als nur ein paar Geheimgängen" entführen, von denen der erste angeblich schon gefunden ist. "Inside Dan Brown's Inferno" jedenfalls berichtet von einem "geheimen Video", das auf Dan Browns Webseite zu finden sei: Darin trete der Autor aus einem hinter einem Gemälde versteckten Gang.

"Ein Ort, der im neuen Roman sehr wichtig sein könnte", raunt der Vorbuch-Schreiber Greg Taylor, der die mit jedem neuen Dan Brown fällige Kritik getrost den Vertretern der Hochkultur überlässt.

"Wenn Dan Brown mit Dante macht, was er mit Leonardo [Da Vinci] gemacht hat, wird das große Publikum wahrscheinlich entzückt sein, während die Gelehrten sich die Haare ausreißen." So hat es der Romanist Stephen Millner zum britischen "Independent" gesagt.

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