26.02.13

Papst-Rücktritt

Benedikt XVI. bleibt auch weiterhin "Seine Heiligkeit"

Das Rätsel um den künftigen Namen Benedikts XVI. ist gelöst. Der Papst wird nach seinem Rücktritt weiter "Seine Heiligkeit" heißen. Selbst zur Farbe der Schuhe gibt es schon eine Regelung.

Von Lucas Wiegelmann
Foto: dpa-tmn

Offiziell bestätigt: „Seine Heiligkeit Benedikt XVI.“ bleibt auch nach seinem Rücktritt „Seine Heiligkeit Benedikt XVI.“ Amtsbezeichnung: Emeritierter Papst.
Offiziell bestätigt: "Seine Heiligkeit Benedikt XVI." bleibt auch nach seinem Rücktritt "Seine Heiligkeit Benedikt XVI." Amtsbezeichnung: Emeritierter Papst.

Im Christentum spielen Namen eine zentrale Rolle. Schon aus Auferstehungsgründen. Für jeden Einzelnen wird ja laut Bibel festgehalten, ob er in den Himmel oder in die Hölle kommt, und was wären diese Listen anderes als lange Namenslisten?

Für die Glücklichen, die gerettet werden, soll dann die beliebte Jesaja-Stelle aus dem Alten Testament zum Tragen kommen: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!" (Jes 43,1). Die anderen müssen damit rechnen, dass Kapitel 20 der Johannes-Offenbarung auf sie angewendet wird: "Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. (...) Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen."

Entsprechend viel Mühe geben sich Christen seit frühester Zeit bei der Namenwahl. Es könnte ja sein, dass ein besonders frommer Name die Erfolgschancen beim Jüngsten Gericht erhöht. Es kam bald in Mode, Kindern die Namen berühmter Heiliger und Märtyrer zu geben. Ordensbrüder und –frauen nehmen beim Eintritt in den Orden oft neue Namen an und bringen damit zum Ausdruck, ein neuer Mensch geworden zu sein.

Roms Nomenklatura wurde durcheinander gebracht

Und auch die Praxis, dass römische Bischöfe einen neuen Papstnamen annehmen, wurde einst aus Gottesfurcht geboren: Als der (ansonsten kirchenhistorisch nicht weiter nennenswerte) Geistliche Mercurius im Jahr 533 zum Papst gewählt wurde, gab er sich den Namen Johannes. Er fand es heikel, als Bischof von Rom weiterhin den Namen des Heidengottes Merkur zu tragen.

Der Rücktritt Papst Benedikts hat die traditionelle Namensgebung der römischen Nomenklatura natürlich durcheinander gebracht. Weil sich jahrhundertelang niemand um die Frage gekümmert hatte, wie eigentlich ein Ex-Papst heißen soll. Am Dienstag nun hat der Vatikan dieses Problem gelöst: Der Papst wird seinen Namen behalten. Benedikt XVI. heißt auch nach seinem Rücktritt Benedikt XVI. Seine Amtsbezeichnung lautet künftig "emeritierter Papst" oder "Römischer emeritierter Pontifex".

Offizielle Anrede bleibt "Seine Heiligkeit". Eine Regelung, die in der Praxis allerdings kaum Bedeutung haben dürfte. Die wenigsten Menschen werden die Möglichkeit haben, Benedikt in seinem Kloster hinter Vatikanmauern zu begegnen. Wobei er äußerlich auffällig bleiben wird: Als einziger katholischer Geistlicher neben dem neuen Papst wird er eine weiße Soutane tragen dürfen.

Künftig keine roten Schuhe mehr

Der Papst, so teilte der Vatikan mit, wolle dazu statt roter Schuhe die braunen Schuhe tragen, die ihm Handwerker 2012 in Mexiko geschenkt hatten. Ob ihm dieses eine Paar Schuhe ausreicht, blieb zunächst offen.

Leider nicht die einzige ungeklärte Frage. Unklar ist auch, wie Benedikt künftig mit all den anderen päpstlichen Ehrentiteln umgeht, Primas von Italien, Stellvertreter Christi auf Erden, Knecht der Diener Gottes usw. Gibt es einen Knecht emeritus?

Falls Benedikt auf all diese Beinamen verzichten soll, darf er dann als Kompensation wieder seinen Doktortitel führen? Und falls seine Dissertation sich eines Tages als Plagiat herausstellt, wäre er dann in seiner Funktion als zurückgetretener Papst und römischer emeritierter Pontifex noch haltbar?

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