25.02.13

Hollywood

85. Oscar-Verleihung - die beste Show seit Jahren

Die Jury schien niemanden brüskieren zu wollen – und verteilte die Oscars gerecht auf die Top-Filme. Die Show zur Verleihung war Spaß pur.

Von Peter Zander
Foto: REUTERS

Glamour pur: Die Oscar-Bühne schillert, und auf ihr steht ...

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Diesmal hat es geklappt. Vor drei Jahren waren die zwei Österreicher schon einmal für einen Oscar nominiert gewesen: Christoph Waltz und Michael Haneke. Aber nur der Schauspieler gewann damals. Bei der 85. Oscar-Verleihung in Los Angeles in der Nacht von Sonntag auf Montag konnte nun nicht nur Waltz seinen bereits zweiten Oscar entgegennehmen, wieder für einen Tarantino-Film. Diesmal ging auch an seinen Landsmann Haneke eine Trophäe für den besten fremdsprachigen Film. Allerdings nur diese eine. Sein Meisterwerk "Liebe" war gleich in fünf Sparten nominiert gewesen, unter anderem in der Hauptkategorie Bester Film.

Hollywood durfte aufatmen. Im vergangenen Jahr sah die Traumfabrik ja just bei seinem eigenen Klassentreffen ziemlich alt aus, weil ausgerechnet ein französischer Stummfilm gleich fünf Preise einheimste. Diesmal bleiben die Trophäen im eigenen Land, diesmal gingen sie alle wieder an das, was man klassisches Hollywood nennen darf. Der Preissegen konzentriert sich diesmal auch nicht auf ein herausragendes Werk, sondern bewässert gießkannenartig ein breites Feld, quasi als Schau-Gartenbeet, was Kino alles vermag: von der Muscialverfilmung "Les Misérables" (drei Oscars) bis zur knallbunten 3D-Fantasie "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger" (mit vier Auszeichnungen der Sieger nach Punkten), vom epischen Historienfilm "Lincoln" (zwei) bis zum zeitgenössischeren Politthriller "Argo" (drei). Aber auch das Genrekino ist mit dem Bond-Film "Skyfall" (zwei) und Quentin Tarantinos Italowestern-Hommage "Django Unchained" (ebenfalls zwei) adäquat vertreten.

Die Buchmacher der Wettbüros hatten fast vollständig recht behalten mit ihren Prognosen. Bester Schauspieler: Daniel Day-Lewis, beste Schauspielerin: Jennifer Lawrence, beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway. (Nur den Sieg von Waltz hatten sie nicht klar vorhergesehen.) Dieses Fehlen jeglicher Überraschung machte die Veranstaltung fast langweilig, aber nur ein wenig. Denn dass "Argo" von Ben Affleck am Ende, wie schon bei den Golden Globes, Steven Spielbergs "Lincoln" ausstach, ist doch bemerkenswert. 200 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei ist "Lincoln" eigentlich so etwas wie ein Nationalereignis. Und "Argo" ist keineswegs der bessere oder gar innovativere Film. Aber "Argo" ist eine Rückbesinnung auf das, was Kino können will. Berge versetzen. Träume wahr werden lassen. Und das ist die eigentliche Botschaft, die von dem Haupt-Oscar ausgeht.

Iran protestiert prompt

Ben Afflecks dritte Regie-Arbeit, die in Deutschland ziemlich untergegangen ist (nur knapp 150.000 Zuschauer haben ihn gesehen), erzählt eine Geschichte, die keiner glauben würde, wenn sie nicht wahr wäre. Sie handelt von einer haarsträubenden Befreiungsaktion von sechs Amerikanern, die sich 1979 bei der Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Teheran in die kanadische Landesvertretung retten konnten und von den Kanadiern und der CIA mittels eines völlig absurden Unternehmens aus dem Lande gebracht werden: Indem man fingierte, einen Science-Fiction-Film just im Teheran der islamischen Revolution drehen zu wollen, und die Flüchtenden als Filmteam ausgab. Mögen sich Kanada und die CIA ein wenig uneins sein, wer mehr Anteil an diesem unglaublichen und unglaublicherweise wirklich geglückten Unternehmen trug: Ben Affleck hat Hollywood rückversichert, dass auch die Traumfabrik ihren Anteil daran trug. Weil man das Spielchen mitspielte und das Filmprojekt wirklich als solches bewarb.

Dass der Iran prompt protestiert hat gegen diese Auszeichnung, war nicht anders zu erwarten, ist aber eher Wasser auf den Mühlen Hollywoods. Dass der Oscar für den Besten Film aber nicht nur von Jack Nicholson überreicht wurde, sondern dafür extra live ins Weiße Haus zu Michelle Obama geschaltet wurde, macht diese Film-Auszeichnung wirklich zu einem Politikum. Erst vier Tage zuvor hatte der neue Außenminister John Kerry eine Grundsatzrede gehalten, in der er betonte, die USA dürften nicht der Versuchung erliegen, sich aus der Weltpolitik zurückzuziehen. "Argo" ist da der rechte Film zur aktuellen Gesinnungslage.

Klassentreffen mit perfekter Show

In den letzten Jahren sind die Quoten für den Oscar weltweit ziemlich eingebrochen. Daraus haben die Verantwortlichen gelernt: Die 85. Oscar-Nacht war die beste seit Jahren. Das war mit dem Moderator Seth MacFarlane nicht von vornherein ausgemacht, den Komiker kennen außerhalb der USA nur wenige. Er machte sich auch gleich zu Beginn selbst darüber lustig, ob es die schlechteste aller Moderationen werden würde. Dann half aber der ganze Saal, dass dem nicht so wurde. Vorbei die Zeiten, da Hollywood nur passiv da sitzt und Preise entgegennimmt. Stars wie Catherine Zeta-Jones und Daniel Ratcliffe, ja selbst Nominierte wie Anne Hathaway und Hugh Jackman, ließen es sich nicht nehmen, vor dem Billionenpublikum live zu singen und zu tanzen, dass es eine Lust war. Das hatte wirklich etwas von einem Klassentreffen. Und der Spaß übertrug sich locker auf das ganze Publikum.

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