25.02.13

Taunus-Krimi

"Schneewittchen muss sterben" - mehr Spannung, bitte!

Das ZDF zeigt die Verfilmung des Bestsellers von Nele Neuhaus. Zwar stark gekürzt, aber mit überraschendem Showdown.

Von Volker Albers
Foto: Andrea Enderlein/ZDF

Gefunden: Die Kommissare (Felicitas Woll/Tim Bergmann) mit Amelie (Sarah Horváth)
Gefunden: Die Kommissare (Felicitas Woll/Tim Bergmann) mit Amelie (Sarah Horváth)

Altenhain ist der Name des Dorfes irgendwo in den Wäldern des Taunus. Fachwerkhäuser ducken sich unter dem engen Himmel, Chiffren des Provinziellen, schlicht verputzte Gebäude künden von einer Moderne, die hier nur zaghaft einen Ort hat. Als Tobias Sartorius (Vladimir Burlakov) nach sieben Jahren in dieses Dorf zurückkehrt, das ihm Heimat ist, wächst der Groll in den Seelen der Bewohner.

Sartorius war damals des Mordes an der 19-jährigen Stefanie angeklagt und in einem Indizienprozess verurteilt worden. Immer hatte er seine Unschuld beteuert, konnte sich aber nicht mehr an die Tatnacht erinnern, da er betrunken war.

Die schöne tote Stefanie – pechschwarz die Haare, blutrot die Lippen – hatte das Schneewittchen gespielt, auf der Bühne des Schultheaters, umschwärmt von den jungen Männern und ihrem Deutschlehrer Gregor Lauterbach.

Bestseller der im Taunus lebenden Autorin Nele Neuhaus

"Schneewittchen muss sterben" ist der Titel des Bestsellers der im Taunus lebenden Krimiautorin Nele Neuhaus, aus dem Regisseur Manfred Stelzer mit Drehbuchautorin Henriette Pieper die grundlegenden Motive für den gleichnamigen ZDF-Film entliehen hat.

Im Film hängt kurz nach Sartorius' Rückkehr aus dem Knast der Deutschlehrer tot an einem Ast. Selbstmord? Mord? Natürlich gerät Sartorius unter Verdacht, einmal verurteilt, immer verurteilt, im Dorf regiert das Vorurteil. Die Stimmung ist bedrückend zwischen dicht gezogenen Mauern, innen sowie außen. Eine scheinbare Idylle. Man schaut heimlich aus den Fenstern, wenn das Unglück vorbeigeht.

Mit dem Unglück verbindet auch Kommissarin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) so einiges in ihrem Leben. Eigentlich sollen sie und ihr Vorgesetzter Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) lediglich den Fall des toten Deutschlehrers aufklären, doch schnell führen die Spuren zu dem Schneewittchenmord, der viel Unheil brachte über das Dorf. Und Pia Kirchhoff schmerzhaft an ihr eigenes Leid erinnert.

Spannung im Film kann mit der im Roman nicht mithalten

Was wiederum zu einigen Turbulenzen zwischen ihr und ihrem vorgesetzten Hauptkommissar führt. Denn auch der adlige Ermittler muss sein privates Päckchen tragen – da seine Frau auf Geschäftsreise ist, liegt es an ihm, sich um seine pubertierenden Zöglinge zu kümmern. Eine mittlerweile im Roman wie im Film klassisch gewordene Konstellation: das menschelnde Kommissarsduo. Hier begegnen wir ihm in einem nur bedingt originellen Zuschnitt.

Wie überhaupt die Spannung im Film mit der im Roman nicht mithalten kann. Denn auch wenn sich Nele Neuhaus in ihren Taunus-Krimis gern klischeehaften Personals bedient, wie man Spannung aufbaut, davon versteht die Autorin etwas. Und genau darunter leidet die Fernsehadaption des doch recht komplexen Romans:

Eine Handvoll atmosphärisch dichter Szenen, hier und da ein paar pointierte Dialoge – das ist alles ist durchaus routiniert in Szene gesetzt, aber vielleicht ist es gerade diese durchscheinende Fernsehroutine, die es verhindert, dass wirkliche Spannung aufkommen kann. Gerade die aber sind Millionen von Neuhaus-Lesern gewohnt – wiewohl das Drehbuch natürlich einige grundlegende Änderungen im Vergleich zu seiner Vorlage bereit hält.

Provokant geschminkt und gekleidet ganz nach Art von Schneewittchen

Für die dramaturgische Zuspitzung sorgt dann Schneewittchen zwo: Die junge Amelie (Sarah Horváth) ist ihres Kneipenjobs müde und will die träge Altenhainer Dorfgemeinschaft ein wenig aufmischen, indem sie sich provokant schminkt und kleidet ganz nach Art des Schneewittchens. Was ihr, wen wundert's, nicht wirklich viele Sympathiepunkte einbringt.

Schon gar nicht bei Lars Terlinden, Spross aus reichem Fabrikanten-Hause und einstiger Trinkkumpan von Sartorius. Auch nicht bei dessen behindertem Bruder Thiess (Florian Bartholomäi spielt das Bruderpaar überzeugend in einer Doppelrolle). Und auch Tobias Sartorius ist wenig begeistert von Amelies Ansinnen – nur helfen wolle sie ihm doch, sagt Amelie.

So wie es auch Nadja (Anna Unterberger) zu wollen scheint, eine Jugendliebe von Tobias. So macht sich erst mal jeder verdächtig in diesem Film, der zwangsläufig auf einen Großteil der Handlungsstränge des Romans verzichten muss, aber doch einen überraschenden Showdown zu bieten hat.

"Schneewittchen muss sterben", ZDF, am heutigen Montag (25. Februar 2013), 20.15 Uhr

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