21.02.13

Jugendfilm "Puppe"

Blökende Schafe vertreiben die schwierige Kindheit

Groß ist der Berg, klein der Mensch: Im Jugendfilm "Puppe" werden schwer erziehbare Mädchen für ein Sozialprojekt auf die Alm getrieben und sollen sich an der idyllischen Kulisse ein Beispiel nehmen.

Foto: W-film / Hagen Keller

Großstadtkind Anna (Anke Retzlaff) an neuer Wirkungsstätte
Großstadtkind Anna (Anke Retzlaff) an neuer Wirkungsstätte

Das Bergdrama ist selten geworden in der deutschen Kinolandschaft. Offenbar so selten, dass der junge deutsch-schweizerische Regisseur Sebastian Kutzli in seinem Jugenddrama "Puppe" die abgegriffensten filmischen Klischees glaubt benutzen zu können, in der Hoffnung, dass sie niemand mehr als solche bemerkt.

Da sind sie also, die majestätischen Aufnahmen hochaufragender Felsen, immer wenn die Sturheit menschlichen Willens illustriert werden soll. Oder der Einsatz der Gefahren der Bergwelt von Gewitter bis zur Gletscherspalte, wenn es darum geht, Figuren zusammenzubringen oder verschwinden zu lassen. Oder der weise, aber zurückhaltende Schäfer mit seiner Herde, deren Abtrieb für alle eine momenthafte Bergidylle zaubert, von Blöken und Folkloremusik untermalt. Alles dabei.

Runter von der Straße, rauf auf den Berg

Im Mittelpunkt des Dramas steht die 16-jährige Anna (Anke Retzlaff), die ins Bergerziehungsprojekt von Geena (Corinna Harfouch) aufgenommen wird. "Ich möchte nicht, dass ihr auf der Straße bleibt, ich möchte nicht, dass ihr in den Knast kommt", fasst Geena das Projektziel für ihre Gruppe schwieriger Mädchen zusammen.

Deren durchweg trotzige Mienen lassen ahnen, dass hier noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Zwischen Schafehüten und anderen Sennertätigkeiten bleibt ihnen viel Zeit für allerlei Intrigen wie Fluchtpläne zu schmieden, sich in Liebeserklärungen zu ergehen oder einander zu bedrohen.

Eingestreut gibt es Erinnerungsfetzen aus Annes schrecklicher Vergangenheit auf den unbehausten Straßen Duisburgs. Eine Verwicklung in Drogen- und Mädchenhandel und gar einem Mord wird angedeutet, aber nicht ganz geklärt.

Man begreift als Zuschauer, dass der Film von Traumata erzählen will und den Schwierigkeiten, sie zu überwinden. Und wer weiß, wenn er weniger blökende Schafe, donnernde Gewitter und Felsspalten einsetzen würde, wäre ihm das vielleicht auch gelungen.

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