19.02.13

Flughafen Brüssel

Diamantenraub – 50 Mio. Dollar in fünf Minuten

Dreiste Täter: Mit gefälschten Polizeiautos fahren sie am Brüsseler Flughafen vor, durchbrechen ungehindert Zäune und rauben 120 Päckchen mit ungeschliffenen Diamanten. Und das in fünf Minuten.

Quelle: Reuters
19.02.13 0:47 min.
Eine Gruppe bewaffneter und maskierter Männer hat bei einem Überfall auf ein Frachtflugzeug am Flughafen Brüssel mehrere Behälter mit Diamanten erbeutet. Der Wert der Juwelen ist noch nicht bekannt.

Fünf Minuten hat der Überfall auf dem Brüsseler Flughafen am Montagabend gedauert. 120 Päckchen mit Diamanten verschwanden in der Dunkelheit. Es ging so schnell, dass die Passagiere, die im Flugzeug saßen und auf den Abflug warteten, nichts mitbekommen haben sollen.

Noch gibt es über den genauen Wert der Edelsteine, die nur einem Teil der Ladung entsprachen, keine offiziellen Angaben. Caroline de Wolf, Sprecherin des World Diamond Center in Antwerpen, schätzt ihn auf 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro). Sie sprach von "einem der größten Diamanten-Raubzüge in der Geschichte".

Coup akribisch geplant

Die Identität der Täter ist unbekannt. Doch zweifellos haben sie den Coup, der so reibungslos vonstatten ging, akribisch geplant. Wie gut organisiert diejenigen sein müssen, die sich so etwas zutrauen, weiß man nicht erst seit "Oceans's Eleven", dem Hollywoodstreifen von 2001 über einen geplanten Einbruch in den Tresor unter dem Casino-Hotel "Bellagio" in Las Vegas. Das war Fiktion.

In der Nacht vom 14. auf den 15.Februar 2003 gelang es einer Gruppe von italienischen Kleinkriminellen tatsächlich, in das Antwerpener Diamantenzentrum einzusteigen, 123 der 160 Tresore zu öffnen und neben Bargeld, Uhren und Schmuck unzählige Diamanten zu entwenden. Mindestens 100 Millionen Euro war die Beute wert.

Manche Schätzungen gehen von bis zu 400 Millionen Euro aus. Zwei Jahre lang hatten die Einbrecher das Diamantenzentrum beobachtet, bevor ihnen der größte Diamantenraub aller Zeiten gelang. Und wenn die Täter nicht so leichtfertig gewesen wären, ihren Müll in einem kleinen Waldstück neben der Autobahn kurz vor dem Brüsseler Flughafen zu entsorgen, dann wären sie nicht so schnell oder vielleicht auch gar nicht aufgeflogen.

Aber in dem Abfall fand ein Rentner Papiere, die selbst einen Laien auf die Spur zum Einbruch im Diamantenzentrum brachten – und schließlich auch die Polizei. Die Haftstrafen, zu denen die Erwischten verurteilt wurden, sind längst abgesessen. Ob sie sich mittlerweile die Beute geteilt haben, deren Verbleib bis heute unaufgeklärt ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

Sicherheitsteam glaubte, was es sah

Dass es sich in dem aktuellen Fall ebenfalls um professionelle Täter handelt, daran besteht für die Brüsseler Staatsanwaltschaft kein Zweifel. "Das war eine genau vorbereitete Tat", sagte eine Sprecherin gestern bei einer Pressekonferenz.

Der international operierende Sicherheitsdienstleister Brink's aus den USA bekam das leidlich zu spüren. Auf der Internetseite seiner deutschen Tochter wirbt das Unternehmen mit dem Satz: "Denn seit 1859 hat keiner unserer Kunden auch nur einen uns anvertrauten Cent verloren."

Die Eigentümer der Rohdiamanten, die mit der Schweizer Fluglinie nach Zürich geflogen werden sollten, haben viel verloren. Um wen es sich bei den Käufern handelt, die die Steine in Antwerpen, dem Zentrum des weltweiten Diamantenhandels, erworben haben, darüber gibt die Staatsanwaltschaft ebenso wenig Informationen wie über die Lieferanten.

Tatasache bleibt, dass diejenigen, die sich am Montagabend mit Gewalt am Brüsseler Flughafen der 120 Päckchen mit ungeschliffenen Steinen bemächtigt haben, dreist vorgegangen sind. Mit Blaulicht sind sie am Flughafen angekommen, als Polizisten verkleidet. Die Autos waren mit blauen Polizeimarkierungen beklebt. Die Sicherheitsbeamten glaubten, was sie sahen.

Verdacht auf Komplizen am Flughafen

Niemand hatte die Kriminellen daran gehindert, auf das Gelände zu gelangen, niemand stellte sich ihnen in den Weg, als sie den Sicherheitszaun vor dem Rollfeld durchbrachen und zum Flugzeug fuhren. Es wird noch einige Ermittlungen geben, um diese Sicherheitslücken zu erklären. Das World Diamond Center in Antwerpen hat bereits heftige Kritik an den beunruhigenden Zuständen auf dem Brüsseler Flughafen geübt. Täglich, so die Organisation, würden Diamanten im Wert von 200 Millionen Dollar nach oder aus Antwerpen transportiert. Ein Großteil über den Airport Brüssel.

Belgischen Medienberichten zufolge vermutet die Polizei, dass die Täter Komplizen am Flughafen haben. Die Fahndung läuft auf Hochtouren. Die auf organisiertes Verbrechen spezialisierte Sondereinheit arbeitet mit den Schweizer Behörden zusammen, um die Täter zu fassen.

Der Coup ist ihnen gelungen. Bleibt abzuwarten, wann ihnen der nächste Fehler unterläuft. Am Montagabend hat die Polizei bereits in der Nähe des Flughafens eine der beiden Limousinen gefunden – ausgebrannt. Vielleicht sind die Diebe doch nicht so perfekt.

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