18.02.13

Tarantino-Parodie

Christoph Waltz als Killer-Jesus empört US-Christen

Die Satireshow "Saturday Night Live" zeigte die ultimative Parodie auf "Django Unchained": In "Djesus Uncrossed" nimmt Jesus blutig Rache. Gespielt wird er vom Tarantino-Kumpel Christoph Waltz.

In Amerika ist es eine gute Tradition, dass große Hollywoodstars sich in Comedyshows gnadenlos selbst auf die Schippe nehmen. So gab sich beispielsweise Matt Damon 2008 höchstpersönlich für ein Video her, in dem die Komikerin Sarah Silverman ihren damaligen Freund, den Talkshow-Gastgeber Jimmy Kimmel, mit der vermeintlichen Enthüllung ärgerte: "Ich vögele Matt Damon."

Woraufhin sich Kimmel mit einem Video revanchierte, das "Ich vögele Ben Affleck" hieß – und in dem selbstverständlich der echte Affleck auftrat. Von ähnlichem Kaliber war 2010 ein Video, das Harrison Ford in seiner Garderobe am Set von "Cowboys und Aliens" zeigte. Plötzlich geht die Tür auf, Chewbacca kommt rein. Ford reagiert äußerst wütend, denn es stellt sich raus, das Chewbacca ein Verhältnis mit Fords Frau hatte. Als er den zotteligen Ex-Kumpel aus dem Raum geworfen hat, ruft er ihm hinterher: "Sie spuckt immer noch Haarbälle aus!"

In diese Liga gehört auch ein Film aus der Satireshow "Saturday Night Live", über den sich christliche Verbände empören. Es ist der Pseudotrailer für einen fiktiven neuen Quentin-Tarantino-Film namens "Djesus Uncrossed", der als "die ultimative historische Rachefantasie" angepriesen wird. Darin spielt Tarantinos Lieblingsschauspieler Christoph Waltz den wiederauferstandenen Christus, der an den Römern mit Samuraischwert, Baseballschläger und Maschinenpistole blutig Rache nimmt – so wie Brad Pitt & Co. in "Inglourious Basterds" an den Nazis und Jamie Foxx in "Django Unchained" an den Sklavenhaltern.

Sein Motto: "No More Mr. Nice Jesus"

Kaum hat Jesus den Felsen von seiner Grabstätte beiseitegeräumt, beginnt er, die Legionäre zu schlachten, zu köpfen, ihnen den Schädel zu spalten und sie mit großen Kalibern zu durchlöchern – als wär's ein echter Film von Tarantino. Sein Motto: "No More Mr. Nice Jesus". Unterstützt wird der Messias dabei von Petrus, der die verbliebenen Jünger zu einer Killertruppe ganz ähnlich den "Inglourious Basterds" formt – gespielt wird der Apostel von einem Brad-Pitt-Double (Taran Killam), das hier auch die exakt gleiche Frisur hat wie einst Pitt in seiner Rolle als Nazijäger.

Neben Christoph Waltz ist – auf den ersten Blick – noch ein weiterer von Tarantinos ewigen Lieblingsschauspielern dabei: Samuel Jackson spielt Judas, dem Jesus ein fußballgroßes Loch in die Brust schießt. Doch auf den zweiten Blick wird klar: Auch dies ist ein "Saturday Night Live"-Komiker, der Jackson ein bisschen ähnlich sieht, aber wesentlich jünger ist, nämlich der Stand-up-Comedian Jay Pharoah, Das ändert nichts daran, dass es ziemlich komisch ist, wenn Jesus zu ihm sagt: "Wenn du in den Himmel kommst, sag ,Hi' zu meinem Vater."

Weniger gewalttätig als "Die Passion Christi"

Am Ende des zweieinhalbminütigen Gemetzelfilms sind auch noch zwei "Kritikerzitate" eingeblendet: "Wie ,Die Passion Christi', nur mit weniger Gewalt" – eine ironische Anspielung auf Mel Gibson, dem man seinerzeit vorgeworfen hatte, er hätte aus dem Neuen Testament einen Splatterfilm gemacht – und "Ich wusste gar nicht, dass Jesus das N-Wort so oft gebraucht hat", ein Verweis auf den Streit über den allzu häufigen Gebrauch des Wortes "Nigger" in "Django Unchained".

Nicht alle finden das gleichermaßen lustig. Beim YouTube-Video gibt es schon Kommentare, die sich darüber empören, dass hier die christliche Botschaft der Vergebung der Sünden in den Dreck gezogen wird: "He is preaching anything but forgiveness." Andere Christen finden es durchaus befreiend, sich wenigstens einmal auszumalen, der Messias habe sich erfolgreich gegen seine Feinde gewehrt und sei am Ende wie Django auf einem Pferd durch den Schnee davongeritten.

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