18.02.13

Schlager

Auf die ganz harte Tour mit Linda Hesse

Linda Hesse hat schon ordentlich Platten verkauft. Und doch muss sie durch Einkaufszentren und Elektroläden tingeln. Ein Auftritt in Berlin.

Foto: Jakob Hoff
Linda Hesse hat schon ordentlich Platten verkauft. Und doch muss sie durch Einkaufszentren und Elektroläden tingeln. Ein Auftritt in Berlin.
Anstrengendes Schlagergeschäft: Bis zum 27. Februar hat Linda Hesse über zwanzig Termine, teilweise drei an einem Tag

Eine kleine Bühne steht da im Keller der Spandauer Arcaden. Zwei Boxen, Gitarre, ein Akkordeon, neben der Bühne ist eine kleine Kasse aufgebaut, damit man das gerade erschienene Album "Punktgenaue Landung" der Künstlerin sofort erstehen kann.

Und Linda Hesse, die "Bild am Sonntag" nannte sie kürzlich "Die schönste Anwärterin auf den Schlagerthron", die flitzt auf nietenbesetzten High-Heels hin und her. Ihre Managerin Veronika Jarzombeck, eine betörend lächelnde und in eine Rosenblütenbluse gehüllte Frau in den besten Jahren, dirigiert die langsam erklingende Symphonie.

"Eine Pizza zum Frühstück"

Ein Fernsehteam will Linda noch sprechen, deswegen schnell an den kleinen Tisch beim Italiener vorm Eingang zu Real. "Eine Pizza zum Frühstück", lacht die junge Frau aus Halberstadt. Bestellt wird nichts. Mit wachsamen Augen und Ohren beobachtet die Jarzombek die Szenerie. Und wir wollen natürlich wissen, ob die Halberstädter Wurst wirklich so gut ist.

"Wenn ich Zeit habe, werd ich sie heute Nachmittag wieder probieren können", antwortet Hesse. Direkt nach ihrem Auftritt geht es zurück in ihre Heimatstadt, der nächste Termin, diesmal bei Media Markt. Seit 2008 wohnt die 24-jährige in Berlin.

Bitterfeld, Staßfurt, Göttingen

Es ist eine harte Tour, die man machen muss, wenn man nach oben will. Von heute bis zum 27. Februar folgen über zwanzig Termine. Teilweise drei an einem Tag. Morgens in Bitterfeld, mittags in Staßfurt und Abends in Göttingen. Einkaufszentren, Elektromärkte. Basisarbeit wie bei einem Politiker im Wahlkampf.

Die Managerin, die das alles plant, kennt sich bestens damit aus. Damals hatte sie Yvonne Catterfeld entdeckt und an die Spitze gebracht. Catterfeld, die Erfurterin mit der spitzen Nase, die bis heute Bambi, Goldene Stimmgabel, Echo und über 750.000 verkaufte Platten vorweisen kann. Und vielleicht steht das auch noch Hesse bevor.

Sie verjüngt den Schlager

Sie singt Lieder mit Titeln wie "Single Mom", "Ich bin ja kein Mann", "Irgendwie gut". Sie sagt sie singt für alle, für Single Moms, für Single Dads, für die, die nachts feiern, für die mit grünem Haar". Und man schaut in ihre grünen Augen, auf das blonde Haar, nebenan bestellen zwei einen Eisbecher Pincchio, und man denkt daran, dass sie auch Zeilen singt wie "Ich hab mir deinen Namen auf die Schulter tätowiert", und dass der Typ im Song sie dann trotzdem betrogen hat. Gut kommt das an.

Einer ihrer Songs, soll 2012 der meistgespielte Schlager im Radio gewesen sein. Mit ihren Texten, ihrer Musik verjüngt sie den deutschen Schlager, in dem sie ihn mit Pop anreichert. Das Erfolgsgeheimnis der Großen wie Silbereisen und Helene Fischer. Mit Fischer sang sie schon in deren Show gemeinsam Hesses bekanntesten Song "Ich bin ja kein Mann".

Mit einer Verspätung beginnt der Auftritt. Das Akkordeon war runter gefallen und musste repariert werden. In der Zwischenzeit hält ein Moderator mit Pausbacken die Zuschauer bei Laune, in dem er erklärt, dass man später ruhig Fotos machen könne von sich und der Linda Hesse, dass man sich jetzt noch mal vergewissern könne, ob man den Apparat überhaupt eingepackt habe.

"Die besten Musiker Europas"

Dann wird die Band angekündigt. "Mit den besten Musikern Europas wird sie heute spielen. Linda Hesse!" Links der Akkordeonspieler, recht sein Gitarrist und hinten eine kleine Frau mit Schirmmütze und Tattoo am Hals, die Rasseln bedient. Und Linda singt. Kurz quietscht noch die Anlage, aber dann singt sie, wie man zwischen Schuhen und Kaffee nur singen kann. Die Augen der Autogrammsammler blitzen mit ihren Fotoapparaten um die Wette. Den Schmerz einer betrogenen Frau vortragend, intoniert Hesse

"Du bist ein Arschloch/ ein richtiges Arschloch/ mein Schatz, das bist du." Vorher meinte sie noch, dass sie ja nicht provozieren wolle. Deswegen gibt es auch eine Radio-Version des Stücks, in dem es nur heißt "Du bist ein richtiges ah". Am Ende schreibt sie Autogrammkarten, die Kasse klingelt, Jarzombeks Rosenbluse beginnt zu blühen. Und von weitem meint man schon die Goldene Stimmgabel klingen zu hören.

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