Polittalker Raab Einbruch in die Gruftruhe der Öffentlich-Rechtlichen

Foto: Henning Kaiser / dpa

Mit Angriffen auf Bundesarbeitsministern Ursula von der Leyen (CDU) und ihre „erbärmlichen Promo-Aktionen“ nimmt Entertainer Stefan Raab Schwung auf für seine Rolle als Polit-Talkmaster.

Peer Steinbrück wollte ihn nicht, laut Umfragen die Mehrheit der Deutschen auch nicht, und seine neuen Kollegen von ARD und ZDF hätten ihn sicher auch gern als fachfremden Eindringling beim großen TV-Duell zur Bundestagswahl verhindert.

Dass der Entertainer Stefan Raab trotzdem mit dabei ist, kann man als Bankrotterklärung des politischen TV-Journalismus beweinen, als Berlusconisierung der deutschen Polit-Publizistik bejammern oder als längst überfälligen Untergang des Abendlands in Demut hinnehmen. Man kann es aber auch als Chance für eine willkommene Ruhestörung im eingefahrenen Polit-TV-Zirkus begrüßen, als Einbruch von Volkes Stimme in die Gruftruhe der eingeschlafenen Talking Heads der Öffentlich-Rechtlichen.

Politiker "verkaufen ihr letztes Stückchen Seele"

Für Letzteres sprechen die Lockerungsübungen, mit denen Raab sich bereits im Vorfeld warmzuschwadronieren beginnt. "Ich habe bei manchen das Gefühl, sie verkaufen ihr letztes Stückchen Seele für drei Oma-Stimmen", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Raab zeigte sich "überrascht, wer sich so alles zu erbärmlichen Promo-Aktionen hinreißen lässt". Namentlich griff Raab Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an. Wenn diese ihre Kinder vor die Kameras lasse, sei das "armselig". Damit könne er nichts anfangen.

Raab beim Kanzler Duell eine "visionäre Idee"

Mal sehen, wen er sich als Nächstes vornimmt. Unterdessen bekräftigte Raab sein Interesse, an dem TV-Wahlduell zwischen Merkel und Steinbrück mitzuwirken. "Ich freue mich auf diese Aufgabe", sagte er. "Und ich kann alle Befürchtungen anderer zerstreuen, dass das Abendland dann untergeht."

Seine Mitarbeit an der Sendung sei vielmehr eine "visionäre Idee", da er vor allem jüngere Zuschauer ansprechen könne. Eine "dramatische Verjüngung der Zuschauer" müsse auch im Interesse der Politiker sein, befand Raab. Womit weitere Pläne von Raab nun auch endlich Kontur gewinnen: als Kuschelmonster im Kinderkanal.

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