17.02.13

Fernsehen

"Tatort" aus Wien – Der Terror kommt, der Schmäh bleibt

Ein Österreicher irakischer Herkunft und eine Autobombe geben den Tatort-Ermittlern Rätsel auf - aber die Bürokratie wird nicht erschüttert.

Von Arne Willander
Foto: rbb/ORF/Petro Domenigg

„Zwischen den Fronten“ heißt die neue Tatort-Folge, hier mit dem Ermittlerduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser)
"Zwischen den Fronten" heißt die neue Tatort-Folge, hier mit dem Ermittlerduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser)

Die Welt ist kompliziert geworden. Früher hatte man es mit Ausländern und Asylanten zu tun, heute muss man genau hinschauen: Kásim Bagdadi, zum Beispiel, ist ein unbescholtener "Österreicher irakischer Herkunft", wohnt bei Muttern, studiert ordentlich und ist im Netz unterwegs. Er soll bei einer Konferenz der Vereinten Nationen im Wiener Palais Liechtenstein einen Vortrag halten.

Als auf dem abgesicherten Hof seine Papiere kontrolliert werden, explodiert eine Bombe in Bagdadis Auto, er selbst und ein Wachmann sterben. Ein Selbstmordattentat vermutlich, das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung übernimmt den Fall, wie der notorisch übel gelaunte Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und die fidel fatalistische Bibi Fellner (Adele Neuhauser) von dem übermotivierten Major Melanie Warig (zum Fürchten: Susanne Wuest) erfahren.

Schönste österreichische Heuchelei der gegenseitigen Unterstützung

Nun beginnt ein Geschacher und Gewurschtel um Kompetenzen und Zuständigkeiten, Ämter und Titel, wie es in "Kottan ermittelt" nicht schöner gezeigt wurde. Der Innenminister hat großes Interesse an der Angelegenheit, der Verfassungsschutz-Chef Fred Michalski (Alfred Dorfer) wiederum will ihn bald beerben, und der Polizeileiter Ernst Rauter (Hubert Kramar) möchte das verhindern.

Beide schicken ihre Stellvertreter in den Kampf. Auf dem Dach des Polizeipräsidiums versichern sie sich in schönster österreichischer Heuchelei der gegenseitigen Unterstützung, woraufhin Rauter dem Karrieristen bitter nachblickt: "Oarschloch!"

Eisner und Fellner werden derweil in ihren Ermittlungen behindert, stellen aber bald fest, dass der brave Bagdadi kein Selbstmordattentäter war. Die befragten Frauen – eine Irakerin, eine junge Amerikanerin – lassen Eisner spüren, dass ein Wiener Chefinspektor für sie ein Würstchen ist. Major Warig, die ihn stoisch "Major Eisner" nennt, herrscht er frustriert an: "I bin koa Major!"

Bibi Fellner becirct einen alten Bekannten beim militärischen Abwehramt und schwatzt ihm geheime Dokumente ab. Die beiden Ermittler haben den Verdacht, dass sie beobachtet und abgehört werden – sehr zu Recht.

Alte Männerseilschaften in schummrigen Hinterzimmern

Harald Sicheritz hat "Zwischen den Fronten" nach dem raffinierten Drehbuch von Verena Kurth als vergnügliche Farce aus Wiener Schmäh, aktueller Bedrohungslage und Paranoia-Thriller inszeniert. Die geschürte Hysterie um Islamisten weicht schnell dem gemächlich-amtlichen Gang der Dinge; im schummerigen Hinterzimmer ziehen feixend die guten alten Männerseilschaften die Fäden, das Gemauschel reicht bis in die sogenannten höchsten Kreise. Schließlich lässt jeder den anderen über die Klinge springen: Keiner gewinnt, keiner war's.

Eine Wonne ist es, der herb-zarten Schauspielerin Adele Neuhauser bei der Arbeit zusehen: Mit Bibi Fellner hat sie eine Figur für die "Tatort"-Ruhmeshalle geschaffen. Noch zu klären ist allerdings die Frage, ob es sich bei dem schrillen Auto, das sie von dem Zuhälter Inkasso-Heinzi geliehen hat, um einen Pontiac Thunderbird oder Firebird handelt.

>>> Tatort: Zwischen den Fronten, ARD, 20.15 Uhr

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