15.02.13

"Stirb Langsam"

"Yippie Yah Yei, Schweinebacke" in Moskau

Der Sohn des von Bruce Willis gespielten Helden steht in Russland vor Gericht und Papa kommt, um ihm zu helfen. Das gibt gute Action, aber bei Politischem stößt der Regisseur an seine Grenzen.

Foto: © 2013 Twentieth Century Fox

Vater und Sohn gemeinsam an der Waffe: John McClane (Bruce Willis, l.) und Jack McClane (Jai Courtney)
Vater und Sohn gemeinsam an der Waffe: John McClane (Bruce Willis, l.) und Jack McClane (Jai Courtney)

Ein ganz eigener, oft übersehener Zauber einer Filmfortsetzung stellt sich ein, wenn ihre grundlegenden Antriebskräfte (wirtschaftliches Kalkül und mangelnde Innovationskraft) durch das Vergehen der Zeit geadelt werden und einen seriellen Erfahrungsabgleich zwischen realem Publikum und fiktivem Helden ermöglichen. Ein schönes Beispiel dafür ist die "Stirb langsam"-Reihe mit ihrer Hauptfigur John McClane.

Seit 1988 wurden wir Zeuge, wie der stets von Bruce Willis verkörperte, kratzbürstige Polizist mit seiner Ehe und dem Fortschritt haderte. Funktelefone hielt er für Quatsch. Tiefkühlpizza wusste er zu schätzen, die Freunde seiner Tochter prinzipiell nicht. Es geschah Historisches, wie das Ende des Kalten Krieges oder die Ausweitung des Internets – und wir sahen, dass sich auch John McClane all dem nicht entziehen konnte.

Denn alles Neue zieht auch eine neue Art ihrer kriminellen Nutznießer nach sich und mit den größten von ihnen, da geht es McClane nicht wie uns, sondern eher wie James Bond, bekommt er es gewohnheitsmäßig zu tun. Nicht zuletzt sahen wir, wie McClane mit Bruce Willis von Folge zu Folge altert – auch diese Erfahrung ist uns, dem Publikum, nicht fremd.

Wiedersehen mit McClane

Und so ist nun auch der fünfte Teil der Reihe, "Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben", nicht nur ein weiterer Action-Thriller. Er ist ein Wiedersehen mit McClane, dem ersten seit sechs Jahren. Seine Kinder Lucy und Jack kennen wir schon brabbelnd aus Teil eins. Jack wurde seitdem vernachlässigt, was ihn anscheinend auf die schiefe Bahn geraten ließ, denn nun steht er in Moskau vor Gericht.

Vater Johns Handeln ist zwar seit jeher vom Sinn fürs Notwendige und einem masochistischen Passionsspieltrieb geprägt, seine zentrale Motivation war aber immer seine Frau Holly – jedenfalls bis zur Scheidung, irgendwann zwischen Teil drei und vier. Seitdem wachsen in McClane Senior die Vatergefühle, die ihn nun sogar seine Angst vorm Fliegen überwinden lassen, um McClane Junior vor der russischen Justiz zu bewahren. Im Gepäck: der "Idiot's Travel Guide to Moscow", ein Geschenk von Tochter Lucy.

Zum ersten Mal spielt "Stirb langsam" also nicht in den USA – und bleibt seinem Muster freilich treu. McClane (Markenzeichen ist sein Spruch "Yippie Yah Yei, Schweinebacke") setzt sich gegen ihn einschränkende Bauwerke und Verkehrsregeln genauso stur zur Wehr, wie gegen seine Feinde aus Fleisch und Blut. John McClane gegen Moskau – dieses Duell ist das spektakuläre Großereignis von "Ein guter Tag zum Sterben", auch wenn die Dreharbeiten in Budapest stattfanden.

Bruce Willis und Frank Sinatra

Es beginnt mit einem Taxifahrer, der seinem Gast die New-York-Hymne Frank Sinatras vorsingt, dem er zugleich als "großen Vorsitzenden" der Mafia Respekt zollt. Ein hintersinniger Witz, der die Klischeebilder, die Hollywood seit Jahren von Moskau als Babylon des organisierten Verbrechens zeichnet, mit Schleife an den Absender zurücksendet. Zudem spielt hier mit hinein, dass der fiktionale Charakter John McClane ursprünglich auf Detective Joe Leland basiert, dem Protagonisten des Romans "The Detective" von Roderick Thorp.

Der war in den 60er Jahren schon einmal fürs Kino verfilmt worden – mit Frank Sinatra in der Titelrolle. So wird nun die Flucht von Bruce Willis' John McClane vor dem New-York-Gesinge des Moskauer Taxifahrers auch eine Flucht vor der eigenen Vergangenheit, zu Fuß durch den Stau.

Dann explodiert das Gerichtsgebäude. Als wären wird doch im New York des 11. September regnet es Asche auf das wenig herzliche Wiedersehen von Vater und Sohn McClane. Es beginnt die erste Verfolgungsjagd, rund um die Stadtautobahn, über sie drüber, unter ihr her, durch sie hindurch.

Regisseur stößt an seine Grenzen

Ural-LKWs und Limousinen fliegen galant durch die Luft, verbohren sich stumpf ineinander, Automobilleichen pflastern John McClanes wahnwitzigen Weg. Ästhetisch inspiriert von "Bourne Ultimatum" und "The Dark Knight" gelingt dem Remake-Spezialisten John Moore hier mit dekadenter Wucht eine der überwältigendsten Actionsequenzen der "Stirb Langsam"-Reihe. Sie dauert eine gefühlte halbe Stunde.

Dann passiert erstmal nicht so viel, außer, dass Sebastian Koch wie ein Chamäleon in der Rolle des gejagten russischen Wissenschaftlers Komarov aufgeht. Der kann angeblich beweisen, dass ein heute mächtiger russischer Politiker die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 bewusst ausgelöst hatte. Außerdem hat Komarov seine Tochter viel zu lange vernachlässigt. Mit Leidensgenossen McClane steht er in der Gegend rum und jammert "Arbeit, Arbeit, Arbeit – wir dachten, das sei das Wichtigste." In solchen Momenten stößt Regisseur Moore an seine Grenzen.

Aber zum Glück kommt ja noch das wieder sehr lange, sehr bildgewaltige Finale, an dessen Ende die Erkenntnis bleibt: die "Stirb langsam"-Reihe darf weiter und weiter gehen, wenigstens solange, wie Bruce Willis uns mit ihr durch die Zeit begleitet.

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