13.02.13

No Logo

Frankreichs KP schafft Hammer und Sichel ab

Frankreichs Kommunisten haben beschlossen, das traditionelle Logo mit Hammer und Sichel auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Traditionalisten wittern eine Verschwörung.

Foto: picture-alliance / dpa

Damals war das Logo noch unvermeidlich: Der langjährige (1930-1964) Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, Maurice Thorez, während einer Rede zum Marshall-Plan am 2. Oktober 1947 im Pariser Sportpalast vor rund 20.000 Zuhörern
Damals war das Logo noch unvermeidlich: Der langjährige (1930-1964) Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, Maurice Thorez, während einer Rede zum Marshall-Plan am 2. Oktober 1947 im Pariser Sportpalast vor rund 20.000 Zuhörern

Am Ende waren die französischen Kommunisten leicht eingeschnappt: Da geben sie sich solche Mühe mit ihrem 36. Parteitag, debattieren vier Tage lang, rufen den "Kommunismus der neuen Generation" aus – und was machen die "Archéo-Médias", diese blöd-bourgeoisen Mainstream-Medien? Interessieren sich wieder nur für oberflächliche Nebensächlichkeiten und nebensächliche Oberflächen statt für substanzielle Grundsatzerklärungen des mit Kim-Jong-Un-artigen hundert Prozent der Stimmen gewählten Parteivorsitzenden Pierre Laurent.

Dass die immer noch stolze "Parti Communiste Français" (PCF) klammheimlich Hammer und Sichel als Symbol abgeschafft habe, meldeten dagegen sofort sämtliche Sender. Und umgehend zerbrachen sich die in Frankreich allzeit bereit stehenden Psychoanalytiker und ein paar pensionierte Kremlologen den Kopf, was es zu bedeuten habe, dass das alte Kampf-Logo auf den neuen Parteiausweisen nicht mehr zu finden sei. Stattdessen prangt dort nun die vergleichsweise relativistische Zuordnung "Gauche européenne" (Europäische Linke).

Dieser schlagartige Identitätsverlust auf der Ebene der Repräsentation verunsicherte einige altgediente Kämpen der Bewegung dann doch, denn Mitglied der "Gauche européenne" ist heutzutage schließlich fast jeder und neuerdings schon jeder fünfte "FAZ"-Herausgeber.

Einfach nur "links" ist doch heute fast jeder

Der Pariser Parteisekretär der PCF, Emmanuel Dang Tran, beklagte denn auch den Verlust einer "historischen Marke und eines Symbol des Widerstands" und äußerte den milieubedingt paranoiden Verdacht, die Partei werde quasi von oben unterwandert: Der Vorsitzende Laurent wolle sie der Linksfront, den Grünen, den Trotzkisten oder gar der Sozialdemokratie ausliefern.

Laurent bemühte sich darauf, demonstrativ gelassen zu antworten und präsentierte zur Beruhigung der Genossen einen Parteiausweis aus dem Jahr 1944 – auf dem das Hammer- und Sichel-Signet auch schon fehlte. Dass das Logo nun erneut verschwunden sei, sei ein Signal der "Normalisierung". Man wolle sich der Zukunft zuwenden, das Zeichen repräsentiere nicht mehr das, wofür man heute stehe.

Der Trend zum Re-Branding kommt aus der Wirtschaft

Ob diese Aussage die Basis der neuen No-Logo-Partei auf Dauer wird beruhigen können, steht dahin. Den Trend zum Re-Branding kennt man aus der Wirtschaft. Auch dort sind die Erfolge gemischt. Aus dem Pepsi-Logo verschwand der Kronkorken, McDonald's wurde plötzlich grün wie ein Grashopper und über ölverschmierten BP-Zapfsäulen strahlt eine goldgrüne Sonne. Relativ neu und avantgardistisch ist aber die Idee, dass ein Markenartikler sein Logo durch das Nichts ersetzt, wie die PCF das nun tut.

Möglicherweise hätte das Zentralkomitee vor dieser Aktion noch mal die Checkliste des Marketing-Gurus David Brier durchlesen sollen. Darauf finden sich Schlüsselfragen wie: "Warum machen wir einen Rebrand?", "Hat es einen Wandel in der Wettbewerbslandschaft gegeben, der unser Wachstumspotenzial hemmt?", "Erzählt unsere Marke die falsche oder eine veraltete Geschichte?", "Geht unsere Marke an aktuellen Kundenbedürfnissen vorbei?" oder: "Wenn wir unseren Laden heute eröffnen würden, wäre diese Marke dann die Lösung, die uns einfallen würde?" Aber möglicherweise hat Pierre Laurent eben diese Checkliste auch vorher gelesen.

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