07.02.13

Großbritannien

Saudischer Mörder darf zurück in seinen Palast

Vor zwei Jahren quälte er in einem Londoner Luxushotel seinen Diener zu Tode: Doch die 20-jährige Haft wird Prinz Saud Bin Abdulaziz wohl nicht absitzen. Er darf zurück in seine Heimat.

Foto: picture-alliance/ dpa

Besser als eine britische Gefängniszelle: der Königspalast in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad
Besser als eine britische Gefängniszelle: der Königspalast in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad

Sein derzeitiges Zuhause entspricht nicht den Standards, die Saud Bin Abdulaziz Bin Nasir al-Saud gewöhnt ist. Seit mehr als zwei Jahren sitzt der Prinz, Enkel des saudischen Herrschers Abdullah, im nordostenglischen Wakefield in einem Hochsicherheitsgefängnis. 18 weitere Jahre Haft liegen vor dem 36-Jährigen. Oder doch nicht?

Dank eines Überstellungsabkommens, das die britische Regierung mit Riad im Sommer abschloss, darf Saud Bin Abdulaziz in den nächsten Tagen ein Flugzeug Richtung Heimat besteigen.

Experten halten es für wenig wahrscheinlich, dass der Prinz seine Haft dort weiter absitzt, geschweige denn – wie es die Scharia verlangt – wegen Mordes enthauptet wird. Dass der Prinz am Valentinstag 2010 seinen Leibdiener in einem Londoner Luxushotel zu Tode quälte, haben die britischen Ermittler aber hinreichend bewiesen.

Bandar Abdulaziz starb an schweren Kopfverletzungen, in seinem Nacken entdeckten die Forensiker Würgespuren. Der homosexuelle Prinz hatte seinen Diener stranguliert, der Körper des 32-Jährigen war übersät mit Hämatomen und Bisswunden.

Kameraaufzeichnungen aus dem Lift des "Landmark Hotel" zeigen bereits einige Wochen vor dem letzten tödlichen Übergriff, wie Saud Bin Abdulaziz seinen Angestellten mit den Fäusten traktiert und gegen die Wände schleudert. Der wehrt sich jedoch nicht und schleicht, als der Aufzug auf der Etage von Zimmer 312 ankommt, hinter seinem Herrn her.

Familie des Opfers könnte Blutgeld annehmen

Doch auch im Land der Demokratie und Menschenrechte hat die Politik ihre Prioritäten. Justizminister Chris Grayling bestätigte, dass der Prinz in Kürze überstellt werde. London geht es einerseits um fünf britische Staatsbürger, die derzeit in saudischen Gefängnissen sitzen, und die von dem prominenten "Tausch" wohl schnell profitieren.

Andererseits gelten selbstredend massive Wirtschaftsinteressen, vor allem im Rüstungsbereich. "Ist der Prinz einmal zurück in seiner Heimat, kann die britische Regierung nichts mehr machen", sagte Madawi al-Rasheed, Arabien-Expertin am King's College in London, der BBC. "Die Prinzen haben ihr eigenen Gesetze."

Möglicherweise werde die Königsfamilie der Familie des Opfers ein Blutgeld anbieten. Nimmt sie es an, sei die Strafe beglichen. "Diese Art von Deals ist für den Ruf Großbritanniens in der Welt sicher nicht hilfreich", warnt al-Rasheed. "Riad ist auf das Abkommen nur eingegangen, weil sie dadurch den Prinzen aus dem Gefängnis holen können."

Richter schenkten Beteuerungen keinen Glauben

Der Prinz hatte während seines Prozesses im Herbst 2010 zunächst versucht, den Mord an Bandar Abdulaziz abzustreiten. Sein Diener sei an Verletzungen gestorben, die er sich Wochen zuvor bei einem Überfall in London zugezogen habe.

Der Richter glaubte ihm kein Wort: "Sie hatten Autorität über ihn wie auch sein Vertrauen, beides haben sie unbarmherzig missbraucht. Die wahrscheinlichste Erklärung für Ihre Tat ist, dass Ihnen sein Tod vollkommen egal war." Von Champagner und "Sex on the Beach"-Cocktails völlig betrunken, habe er den Angestellten wie einen "menschlichen Boxsack" behandelt.

Verteidiger versuchten Homosexualität zu vertuschen

Die Verteidiger des Monarchenenkel hatten zudem versucht, die Homosexualität des Prinzen zu leugnen – mit dem Hinweis, dass ihm bei einer Rückkehr in sein Land die Todesstrafe drohe. Doch mehrere von Saud Bin Abdulaziz engagierte Callboys bestätigten dessen Homosexualität. Auch mit seinem später getöteten Diener war der Prinz in London in teuren Restaurants und Nachtclubs als Paar aufgetreten. Dass ihm deswegen in Saudi-Arabien der Tod drohe, hält Expertin Al-Rasheed für ausgeschlossen. Auch in dieser Hinsicht habe die Königsfamilie ihre eigenen Gesetze.

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