07.02.13

Familien-Film

Gefährlicher Musenkuss für Vater und Sohn Renoir

Das Leben des berühmten Maler Pierre-Auguste Renoir und das seines Sohnes wird in Gilles Bourdos' Film "Renoir" wunderbar in Szene gesetzt – bis eine Nymphe das leuchtende Idyll zerstört.

Von Gerhard Midding
Quelle: Arsenal Filmverleih
02.02.13 1:59 min.
Ein Film über den Maler Auguste Renoir und seinen Sohn Jean, der versucht, aus dem Schatten seines berühmten Vaters herauszutreten. Ausgerechnet Augustes neue Muse steht ihm dabei zur Seite.

Für Albert Camus war der Maßstab der Berühmtheit eines Mannes, dass er keinen Vornamen braucht. Bei den Renoirs ist es freilich komplizierter. Da denkt man zunächst an den Maler Pierre-Auguste, dann an den Regisseur Jean und vielleicht noch an seinen älteren Bruder Pierre, den gefeierten Schauspieler. Cinéphile werden zudem dessen Sohn Claude nennen, den begabten Kameramann. Und Auskenner erinnern sich auch an den jüngsten Sohn Coco, der Auguste pausbäckig Modell stand.

Zu den Vorzügen von Gilles Bourdos' "Renoir" gehört es, ein Familienfilm zu sein. Zwar spielt er während des Sommers 1915 auf dem Landsitz "Les Collettes" bei Nizza, greift insgeheim jedoch aus in Vergangenheit und Zukunft. Er setzt alle Mitglieder in ihr erzählerisches Recht. Während der Vater den Krieg nach Kräften ignoriert, leisten Jean und Pierre Dienst an der Front. Coco fühlt sich ungeliebt, nach dem Tod der Mutter ergreift eine traurige Faszination am Morbiden von ihm Besitz.

Selbst die Verstorbene taucht auf, in seinen Träumen hält der Maler mit ihr Zwiesprache. Die Idee der Familie beschränkt sich bei den Renoirs nicht auf Blutsverwandte. Der Landsitz wird bevölkert von einem exklusiv weiblichen Hausstaat, der sich rekrutiert aus ehemaligen Geliebten und Modellen. Dieser Hausstaat muss nicht mehr als erotisches Defilee fungieren, es genügt, dass er das Schauspiel des Lebens aufführt. Zu den schönsten, nur scheinbar überflüssigen Momenten des Films zählen dessen heitere Expeditionen in den Garten und die Wälder der Nachbarschaft.

Das patriarchale Eden und die Nymphe

Es ist ein patriarchales Eden, über das Auguste gebietet. Michel Bouquet spielt ihn als einen Tyrannen, der liebevoll und nachsichtig umsorgt wird; die Strenge des greisen Hedonisten muss er nicht durch Verschmitztheit mildern. Er malt unverdrossen weiter, sein Werk ist einer schweren Arthritis abgetrotzt: Er will hinzulernen, Fortschritte machen! Mit dem jungen Modell Andrée (Christa Theret) bricht eine neue, aufmüpfige Energie in dieses Idyll ein. Sie ist eine Nymphe von exquisitem Wuchs, die sich einer Vielzahl von Liebhabern rühmt und Schauspielerin werden will.

Dem Maler steht sie nicht geduldig Modell, sondern bewegt sich selbstbewusst bei den Sitzungen. Die Kamera tut es ihr gleich. Auguste ist das nur recht. Seine Kreativität entzündet sich nicht allein am Spiel des Lichts auf ihrer samtenen Haut. Es ist ihre Lebenskraft, die ihn inspiriert. Auf seinen "Badenden" ist sie zu spüren. "Le tableau amoureux" – "Das verliebte Gemälde", heißt der biografische Roman von Augustes Urenkel Jacques, auf dem der Film beruht.

Andrée ist sein geheimer Antrieb. Bald taucht Jean (Vicent Rottiers) auf, der im Krieg verletzt wurde. Dass sie zu einem Liebespaar werden, erzählen Bourdos und sein Co-Autor Jérôme Tonerre als eine diskrete Unausweichlichkeit. Sacht legen sie die Spur einer Rivalität zwischen Vater und Sohn aus. Jean muss sich noch finden. Das Kino, das ihn reizt, gilt dem Vater nichts: Kunst ist etwas, das man mit den Händen schafft! Andrée jedoch nimmt ihm das Versprechen ab, nach dem Krieg gemeinsam Filme zu drehen. Er bricht ihr fast das Herz, als er sich wieder zum Militärdienst meldet. Aber die Idylle, die der Film leuchtend zuversichtlich beschwört, soll Recht behalten. Aus der letzten Muse des Vaters wird die erste des Sohnes: Als Catherine Hessling wird sie später Jeans Ehefrau und Hauptdarstellerin. Manchmal hält das Leben seine Versprechen.

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