03.02.13

Notfallverhütung

SPD und Grüne wollen rezeptfreie "Pille danach"

Der Kurswechsel von Erzbischof Meisner bei der "Pille danach" hat auch die Kirche überrascht. Doch seine medizinische Argumentation scheint fraglich. SPD und Grüne wollen das Mittel auch ohne Rezept.

Foto: dpa-infografik

So wirkt die „Pille danach“
So wirkt die "Pille danach"

SPD und Grüne wollen über den Bundesrat durchsetzen, dass Frauen die "Pille danach" ohne Rezept bekommen können. Die rot-grün regierten Bundesländer hätten Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen damit beauftragt, bis April eine entsprechende Initiative auszuarbeiten, berichtete die Zeitung "Sonntag Aktuell".

Sollte sich dann eine Mehrheit für den Vorstoß abzeichnen, "könnten wir den Gesetzentwurf relativ rasch in den Bundesrat einbringen", sagte ein Sprecher von Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD).

Im vergangenen Jahr war ein ähnliches Vorhaben noch gescheitert. Nach dem Sieg von Rot-Grün in Niedersachsen seien die Chancen nun aber besser geworden, sagte der Sprecher. Geplant sei, dass ein Apotheker die "Pille danach" ohne Rezept ausgeben dürfe. Allerdings müsse er vorher eine Beratung anbieten. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hatte damals jedoch davor gewarnt: "Jede medikamentöse Kontrazeption und damit auch die Notfallkontrazeption gehört in ärztliche Hand."

Berliner Erzbischof fordert kirchliche Debatte

Im Streit um die Behandlung vergewaltigter Frauen in katholischen Krankenhäusern hatte der konservative Kölner Erzbischof Joachim Meisner am Donnerstag überraschend seine bislang ablehnende Haltung korrigiert: Die "Pille danach" sei zulässig, wenn das Medikament eingesetzt werde, um die Befruchtung zu verhindern. Nicht hinnehmbar sei eine Verschreibung, wenn die "Pille danach" die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in der Gebärmutter verhindern solle.

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki forderte deshalb nun eine breite Debatte in der katholischen Kirche. "Wenn es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Wirkungsweisen der "Pille danach" gibt, dann ist es notwendig und wichtig, dass sich die Kirche bundesweit damit auseinandersetzt", sagte der Kardinal laut einer Mitteilung vom Samstagabend. "Unsere Krankenhäuser und Ärzte brauchen Orientierung, wie sie in Zukunft Frauen in dieser Situation unterstützen können."

Trennung der Wirkungsweisen ist fraglich

Allerdings ist offensichtlich unklar, ob so eine scharfe Trennung der Wirkungsweisen der verfügbaren Pillen-Präparate überhaupt möglich ist. Der "Spiegel" berichtete, auf dem deutschen Markt seien nur zwei Produkte erhältlich ("EllaOne" und "PiDaNa"), die beide nicht nur einen Eisprung verhinderten, sondern auch bereits befruchtete Zellen vernichten könnten.

Der Berliner "Tagesspiegel" ist vorsichtiger: Bei der 2009 zugelassenen "EllaOne" gebe es noch wenig Erfahrungen, aber zumindest die Vermutung, dass sie einer bereits befruchteten Eizelle die Einnistung erschweren könnte.

Quelle: dpa/ks
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