01.02.13

Ausstellung

Villa Schöningen zeigt Positionen der Nachkriegsmoderne

Ein Blick zurück auf den alten Westen: Die Villa Schöningen in Potsdam zeigt Werke der 50er- und 60er-Jahre aus der Privatsammlung Ströher.

Von Gabriela Walde
Foto: Martin U. K. Lengemann

Spiel der Abstraktionen: Blick in die Ausstellung „Aus der Zeit - Kunst der 50er- und 60er-Jahre aus der Sammlung Ströher“ in der Villa Schöningen
Spiel der Abstraktionen: Blick in die Ausstellung "Aus der Zeit - Kunst der 50er- und 60er-Jahre aus der Sammlung Ströher" in der Villa Schöningen

Andreas Slominski hat seine "Walls" im Garten der Villa Schöningen längst abgetragen, die Berliner Künstler wie Olafur Eliasson beendeten ihre "Grenzgänge" im oberen Stockwerk und machten Platz – für den alten Westen mit seiner Kunst. Nach der Gegenwart folgt nun ein Blick zurück in die deutsche (Kunst)Geschichte.

Hier, unmittelbar an der Glienicker Brücke, ehemals Schnittstelle zwischen den Systemen, schwingt die deutsche Vergangenheit bei jedem Blick aus dem Fenster mit. Unter dem Titel "aus der zeit" versammeln sich nun Bilder und Skulpturen der 50er und 60er Jahre, die 34 Werke sind allesamt "Herzstücke" aus der Privatsammlung Ströher.

Aus der Zeit freilich sind diese Werke nicht, ganz im Gegenteil. Gerhard Hoehmes "Berliner Brief", eine großformatige Collage, bringt das Thema sehr bildlich auf den Punkt. Sein Diptychon von 1966 teilt sich in West und Ost. "BP" und "Shell" steht dort auf der linken Seite in Öl geschrieben, Bolle und Berliner Kindl gleich daneben, unschwer zu raten, auf welcher Seite wir uns befinden.

Bei Begriffen wie "Roter Oktober", "Brechtensemble "Verdienter Held der Werktätigen" weiß man auch, wer hier ideologisch zuschlug. Zwei Staaten, zwei Gangarten, auch in der Kunst. Die DDR predigte ihren "sozialistischen Realismus", im Mittelpunkt stand der (werktätige) Mensch im realexistierenden Umfeld der Gesellschaft.

Der Westen funktioniert anders

Das funktionierte im Westen anders. Nach dem Ende der NS-Diktatur und ihrer vernichtenden Kulturpolitik, all dem fürchterlichen Kahlschlag, dem platten Realismus der Künste, all den ästhetisch überzogenen Heldenposen versuchten sich die Künstler von jedweder Reglementierung zu befreien, "Formlosigkeit", so das Credo der Freiheit – und das hieß: weg mit der gegenständlichen Malerei, der bloßen figürlichen Abbildung und dem traditionellen Bild. Also radikaler Neubeginn, Experiment und Anschluss an die Moderne.

"Man wollte doch was Neues machen", so wird Hann Trier noch heute gern zitiert, "man wollte doch nicht, ach herrje, Trümmerlandschaft malen". Trier gehörte zur Künstlergruppe "junger westen", die sich 1948 gründete und als Wegbereiter des Informel gilt. Die Künstler sprengten die Leinwände, formalen Zwängen und Bildtechniken sagt man ade.

Schließlich hat der Zweite Weltkrieg alles zerstört, was zählen vor diesen fundamentalen Erfahrungen da noch die heilen Perspektiven in einem Bild? Die Freiheit in der Abstraktion, so sahen es viele Künstler, stand für eine neue Demokratie.

Dass Abstraktion nicht gleich Abstraktion ist, genau dies zeigt die Ausstellung in Potsdam sehr deutlich und klar gegliedert in den verschiedenen Positionen.

Emil Schumacher bearbeitete mit Farbe, dick wie Zahnpasta, ein grobes Holzbrett, auf dem noch Astlöcher zu sehen sind. Nach dem Motto "der Pinsel ist tot" setzte K.R.H. Sonderborg auf Spontanaktion, stürzte sich mit Händen und Füßen samt Farbe nicht auf die Leinwand, sondern aufs Fotopapier. Bernard Schultze orientierte sich in "Nordisch" an US-Maler Jackson Pollock, der die Farbe unkontrolliert auf Leinwand schoß und goß, so als ob sie ein Eigenleben hätte. Dagegen erinnert Heinz Trökes lichtes, munteres Farbspiel "Die Gaben der Sonne" an die Leichtigkeit eines Kandinsky und Matisse.

Villa Schöningen, Potsdam, Berliner Str. 86. Do, Fr 11-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr. Bis 21. April.

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