01.02.13

Rassismus

"Gehen Sie doch zurück nach Fickdeppenarschland"

"Ein Ausländer bleibt immer ein Ausländer": Drei deutsche Journalisten mit Migrationshintergrund tragen die härtesten Beleidigungen aus ihren Leserbriefen vor – selten war Rassismus so unterhaltsam.

Foto: Sergej Glanze

Wüste Leser-Beschimpfungen gegen die Journalisten Mely Kiyak (“Frankfurter Rundschau“, links im Bild), Deniz Yücel (“taz“, Mitte) und Yassin Musharbash (“Zeit“, rechts im Bild)
Wüste Leser-Beschimpfungen gegen die Journalisten Mely Kiyak ("Frankfurter Rundschau", links im Bild), Deniz Yücel ("taz", Mitte) und Yassin Musharbash ("Zeit", rechts im Bild)

Diese drei Journalisten können niemandem ein Y für ein U vormachen: Mely Kiyak, Yassin Musharbash und Deniz Yücel. Sie sind, um es mit einem ihrer wütenden Leser zu sagen, "offensichtliche Ausländer".

Ein Jahr lang haben die "FR"-Kolumnistin, der frühere "Spiegel Online"- und jetzige "Zeit"-Autor und der "taz"-Redakteur die bizarrsten Leserbriefblüten gesammelt, die der Geifer, der Rassismus und meistens schlicht die Idiotie im letzten Jahr getrieben haben. Am Donnerstag lasen sie sie der Weltöffentlichkeit vor – repräsentiert von sehr viel mehr Leuten, als bei bestem Willen in das Berliner "taz"-Café passen. Die Veranstaltung, eine Fortsetzung der Premiere im letzten Jahr, ist offenbar bereits legendär.

Durchaus zu Recht, obwohl oder gerade weil die Witzeleien der Moderatorin Doris "Applausometer" Akrap und auch der drei Kandidaten, die in Kategorien wie "Sehr geehrte Frau Votze, lieber Herr Arschloch" oder "Abokündigung" formal gegeneinander antraten (es gab Kuscheldöner zu gewinnen), in Sachen Unterhaltungswert hinter dem realen Irrsinn der Briefeschreiber zurückblieben.

Am besten waren Kiyak, Musharbash und Yücel ("Jützel!"), wenn sie sich mit überschlagenden Stimmen zu Sprachrohren des Horrors machten. Ganz von allein lag der Beweis in der Luft, dass sich Hass, wenn der doitsche Dichter nur unerschütterlich ungelenk ist, durchaus auf Spaß reimen kann.

"Sie sind pervers, verdummend und gefährlich!"

Und weil, während diese "Hate Poetry" Hunderter deutscher Zeitungsleser zu Tränen ungläubiger Erheiterung rührte, sie sich zugleich selbst entlarvte, soll sie im Folgenden genauso unkommentiert stehen bleiben, wie sie am Donnerstag durch den Raum irrlichterte. Zum Teil hat sie einen regelrecht literarischen Charakter, als fremdenfeindlich-unfreiwillige Variation auf Gustave Flauberts "Wörterbuch der Gemeinplätze" und Ambrose Bierce' "Wörterbuch des Teufels". Aus Letzterem könnte das geheime Motto des Abends stammen: "Gehirn: ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken."

In der Praxis klang das so: "Ein Ausländer bleibt immer ein Ausländer. Siehe Türken. / Mit ihrem Namen sollten Sie unter Synonym schreiben! / Gehen Sie doch zurück nach Fickdeppenarschland, wo Sie herkommen! / Sie haben offenbar keine Ahnung von Fußball. Sogar Hitler hatte mehr Ahnung von Fußball. / Denis Yücel ist für mich der hässlichste Nazi der Welt. / Den Sprung vom Eselskarren zur E-Klasse scheinen Sie nicht verkraftet zu haben. / Wir haben fünf Abos der 'taz'. Wenn Denis 'Penis' Yüzel weiter schreibt, werden wir eins nach dem anderen kündigen! / Sie könnten doch keine fünf niedersächsischen Pilzarten und Waldorchideen aufzählen! / Ich bin dafür, Ausländer auch mit deutscher Staatsbürgerschaft abzuschieben. Übrigens: Ich bin mitte-links. / Sie erzeugen doch nur Vorurteile bei Leuten, die vorher keine hatten. / Sie sind pervers, verdummend und gefährlich. / Schade, dass ich kein 'taz'-Abo habe; ich würde es so gern kündigen."

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