Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
15.07.09

Kerner-Nachfolge

Die eiskalte Leidenschaft des Markus Lanz

Seit dem Weggang von Johannes B. Kerner gilt er als das neue Gesicht des ZDF: Markus Lanz. Von Konkurrenz mit Jörg Pilawa, der ebenfalls als Kandidat für die Nachfolge gehandelt wird, will er nichts wissen. Ohnehin hat der Südtiroler noch einen Plan B, falls es mit dem Fernsehen nicht mehr klappen sollte.

DDP

Markus Lanz arbeitet seit April 2008 beim ZDF. Seine Karriere begann jedoch mit...

12 Bilder

Morgenpost Online: Andere fahren nach Asien oder Mallorca, Sie reisen nach Grönland.

Markus Lanz: In den letzten Jahren bin ich viel in der Arktis unterwegs gewesen. Ich mag das einfach. Das hat sicherlich mit meiner Kindheit zu tun. Ich komme aus einem kleinen Bergdorf in Südtirol, aus einer Gegend, in der es sehr kalt wird. Die Leute dort sagen immer: Wir haben neun Monate Winter, und drei Monate ist es kalt. Ich habe einen Großteil meines Lebens auf Skiern verbracht. Ich liebe Schnee und Eis. Ich bin von Kälte fasziniert.

Morgenpost Online: Wird Kälte nicht manchmal zu kalt?

Lanz: Als ich etwa acht Jahre alt war, hat meine Mutter einmal zu mir gesagt: Du fährst heute nicht rauf auf den Berg, es ist zu kalt, wir haben minus 30 Grad. Genau da wollte ich es wissen. Natürlich bin ich rauf. Ein Metallring an meinem Skianzug ist mir auf der Haut festgefroren. Ich musste ihn abreißen.

Morgenpost Online: Erzählen Sie von Ihrem letzten Grönland-Trip, den Sie im Februar unternommen haben.

Lanz: Die Reise habe ich mir zu meinem 40. Geburtstag gegönnt. Passend dazu lagen die Temperaturen an manchen Tagen bei etwa minus 40 Grad, es war wirklich kalt. Ich war mit zwei Jägern eine gute Woche auf dem Hundeschlitten unterwegs. Es war schon speziell: Ich kam mit meiner Kameraausrüstung und meinem ganzen North-Face-Krempel an, und die Inuit haben mich ausgelacht. Ich spreche selbst nur zwei, drei Brocken Grönländisch. Der Übersetzer, der anfangs dabei war, hat gesagt: Wenn du das auf dem Schlitten anlässt, dann erfrierst du. Wir sind trotzdem so los.

Morgenpost Online: Und es wurde frostig.

Lanz: Ich habe mir relativ schnell von den Jägern eine Eisbärfell-Hose geben lassen, und Seehundfell-Handschuhe. Da muss man tierische Felle anziehen, nur dann hält man das aus. Leichte Erfrierungen der Fingerkuppen hatte ich später trotzdem, auch weil ich ständig fotografiert und die Akkus mit der Hand gewärmt habe.

Morgenpost Online: Wieso hatten Sie eine Kameraausrüstung dabei?

Lanz: Fotografie ist meine Leidenschaft. Ich arbeite an einem Bildband für National Geographic über die Arktis, der 2010 erscheinen soll.

Morgenpost Online: Reist Ihr achtjähriger Sohn Laurin schon mit in den hohen Norden?

Lanz: Das ist mittlerweile so eine schöne Tradition, so eine Vater-Sohn-Sache. Das erste Mal, als ich ihn mitgenommen habe, habe ich mich bei ihm entschuldigt. Ich dachte mir: Was mache ich nur. Wir saßen in einer alten, verlassenen Inuit-Hütte, es gab zwar eine Heizung, aber kein fließend Wasser und nur ein Plumpsklo, wir schliefen auf Matten auf dem Boden. Da hat Laurin gesagt: 'Papa, wir haben es doch gut hier’. Meistens fahren wir zusammen mit meinem Südtiroler Freund Rudi. Wir kennen uns seit mehr als 20 Jahren. Wir sitzen da, quatschen, trinken Käffchen, Rudi kann ein bisschen Grönländisch. Leute aus dem Dorf kommen vorbei, gehen wieder. Für Laurin habe ich eine gute Schaufel und ein paar Mickey-Mouse-Hefte dabei. Wir buddeln oft stundenlang im Schnee.

Morgenpost Online: Wie würden Sie Ihre Einstellung zu Ihrem Beruf beschreiben?

Lanz: Man muss akribisch sein Zeug machen, immer gut vorbereitet sein. Aber ich bemühe mich trotzdem immer um eine gewisse emotionale Unabhängigkeit im Kopf. Das heißt nicht, dass ich Fernsehen nicht mag. Es ist ein tolles Medium, sehr komplex, aber auch sehr komplett.

Mit dieser gewissen Grundaufgeregtheit der Branche kann ich nichts anfangen. Ich gehe auch nicht zur Eröffnung einer jeden Sardinenbüchse. Und ich versuche, nicht zum Sklaven meines Mobiltelefons zu werden. Neulich habe ich eine italienische Familie beobachtet, die an einem wunderschönen Bergsee in Südtirol saß. Vier Leute, drei glotzten nur aufs Handy. Ich fand das entsetzlich.

Als Kind bin ich auf eine kleine Bergschule gegangen. Wir waren fünf Jungs. Vier sind Skilehrer geworden. Wenn ich sie treffe, dann versuche ich manchmal, Spuren von Frustration in ihren Gesichtern zu finden. Ich finde sie nicht. Das bedeutet für mich, es könnte doch ein guter Plan B sein, eine späte Karriere als Bergführer anzustreben.

Morgenpost Online: Wie sehen Sie das Bemühen des ZDF um Jörg Pilawa?

Lanz: Ich kenne Jörg noch aus gemeinsamen Radiotagen in Hamburg. Mittlerweile sind wir beruflich noch stärker verbunden als je zuvor, denn Jörg produziert "Das will ich wissen!". Insofern: Ich würde mich sehr freuen, meinen Freund Jörg bald auch wieder als Kollegen in meiner Nähe zu wissen.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote