27.01.13

Italien

Berlusconi – "Mussolini hat viel Gutes geleistet"

Silvio Berlusconi schockiert die Italiener: Ausgerechnet bei einer Gedenkfeier für die Holocaust-Opfer findet der ehemalige Ministerpräsident lobende Worte für den faschistischen Diktator Mussolini.

Von Constanze Reuscher
Foto: dapd

Silvio Berlusconi bei der Gedenkfeier in Mailand
Silvio Berlusconi bei der Gedenkfeier in Mailand. Während der Reden schlief er ein

Ein beunruhigender Gedanke zum Holocaust-Gedenktag kam am Sonntag aus Italien. Silvio Berlusconi, 76, mehrfacher Regierungschef und erneut Kandidat für das Amt des Regierungschefs bei den Wahlen im Februar, schockte die Anwesenden bei Feierlichkeiten in Mailand, als er sagte: "Die Rassengesetze sind die schlimmste Schuld Mussolinis, der aber in vieler Hinsicht Gutes geleistet hat."

Zur Allianz beider Länder, der "Achse Berlin-Rom" zwischen Hitler und Diktator Benito Mussolini, fügte er hinzu: "Es ist schwierig, sich in die Rolle derjenigen zu versetzen, die regierten. Sicher hat es die damalige Regierung aus Furcht vor der deutschen Übermacht vorgezogen, Alliierter des Hitler-Deutschland zu sein, als sich ihm entgegenzustellen."

Aber Italien, so Berlusconi, trage nicht die gleiche Verantwortung wie Deutschland. "Es war Duldung, vieler Dinge war man sich anfänglich nicht bewusst".

"Abscheulich und beschämend"

Berlusconis Erklärungen lösten in Italien schwere Empörung aus. Als "abscheulich" und "beschämend" bezeichnete sie Dario Franceschini, Vorstandsmitglied der Demokratischen Partei: "Berlusconi muss die Italiener umgehend um Verzeihung bitten."

Der Chef der Zentrumspartei UDC, Pier Ferdinando Casini, nannte Berlusconis Worte eine "ungeheuerliche Dummheit", und Antonio Ingroia von der Linkspartei Zivile Revolution nannte sie "eine Schande vor der Weltöffentlichkeit".

Berlusconi war am Sonntagvormittag völlig unerwartet zu einer Gedenkfeier auf dem Mailänder Bahnhof erschienen. Im Beisein von Regierungschef Mario Monti war dort das Holocaust-Memorial "Gleis 21" zum Gedenken an die Deportierung italienischer Juden in deutsche Konzentrationslager eingeweiht worden: ein unterirdisches Museum rund um das Gleis, wo die historischen Holzwaggons stehen, mit denen mehr als 700 Menschen deportiert worden waren.

Ganz anders als Berlusconis waren Montis Worte. "Die Gefahr des Antisemitismus ist immer noch da, und wir müssen sehr achtsam sein, dass sich diese Tragödie der Menschheit nicht wiederholen kann", sagte er am Gleis.

Möglicherweise hatte Berlusconi das überhört: Während der Reden war er auf seinem Stuhl eingeschlafen. Nach Ende der Feier wurde Berlusconi am Ausgang ausgepfiffen.

Rassengesetze im Jahr 1938

Der Faschist Mussolini, der "Duce", regierte Italien von 1922 bis 1943, ab 1926 als Diktator. Im Jahr 1934 gab er ein Bündnis mit dem nationalsozialistischen Deutschland bekannt. Im Zweiten Weltkrieg waren die beiden Länder Verbündete. 1943 allerdings ließ der italienische König Vittorio Emanuele III. Mussolini verhaften, nachdem dieser abgesetzt worden war.

Deutsche Soldaten befreiten ihn und installierten ihn als Chef einer Marionettenregierung in der norditalienischen "Sozialrepublik Italien". Im April 1945 wurde Mussolini von Partisanen entführt und erschossen.

Unter seiner Regierung wurden Juden in Italien diskriminiert und verfolgt: Bereits im Jahr 1938 erließ er Rassengesetze, die zur Verfolgung von Juden auch in Italien führten.

Quelle: mit smb
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