27.01.13

Nato-Doppelbeschluss

Helmut Schmidt hatte 1982 Angst um sein Leben

Anfang der 80er-Jahre protestierten Hunderttausende gegen den Nato-Beschluss zur Stationierung neuer Raketen. Im Fokus der Wut stand Bundeskanzler Helmut Schmidt – er fürchtete damals um sein Leben.

Foto: dpa/dpaweb

Helmut Schmidt bei einer Regierungserklärung im Bundestag am 5. Februar 1982
Helmut Schmidt bei einer Regierungserklärung im Bundestag am 5. Februar 1982

Wegen der heftigen Debatten über die Stationierung von US-Atomraketen in der Bundesrepublik fürchtete Helmut Schmidt (SPD) gegen Ende seiner Kanzlerschaft 1982 um sein Leben. Das geht nach "Spiegel"-Informationen aus Dokumenten der Bundesregierung hervor, die das Auswärtige Amt nun in Buchform veröffentlicht.

Demnach vertraute Schmidt – heute 94 – einem ausländischen Regierungschef an, bei einem "Ansteigen öffentlicher Emotionen" müsse er das persönliche Risiko auf sich nehmen, sich "unter Umständen erschießen zu lassen". Und ein Diplomat notierte, Schmidt habe ihm gesagt, er sei bereit, sich für den Nato-Doppelbeschluss "sogar physisch umbringen zu lassen".

Damals protestierten Hunderttausende gegen den 1979 gefassten Nato-Beschluss, neue US-Atomraketen in der Bundesrepublik zu stationieren, wenn Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion scheitern. 1983 stimmte der Bundestag für die Stationierung. Der Nato-Doppelbeschluss entfremdete damals auch viele in der eigenen Partei von ihrem Kanzler.

Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler. Damals hatte er bereits eine lange Karriere in der SPD hinter sich: Von 1968 bis 1984 war er stellvertretender Vorsitzender der Partei, von 1967 bis 1969 Fraktionschef im Bundestag. Danach diente er von 1969 bis 1972 als Verteidigungs- und zwischen 1972 und 1974 als Wirtschafts- und Finanzminister, bis er die Nachfolge des zurückgetretenen Willy Brandt (SPD) als Bundeskanzler antrat.

Nach dem Auseinanderbrechen der sozialliberalen Koalition wurde Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt. Sein Nachfolger wurde Helmut Kohl (CDU). Heute ist Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit".

Quelle: dpa/smb
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