27.01.13

Tatort

Devid Striesow – der esoterische Kommissar aus Berlin

Ideen beim Yoga: Der Berliner Schauspieler ist der neue Ermittler im Tatort. Mal ist er unkonventionell, mal einfach nur klamaukig.

Von Peter Zander
Foto: dapd

Im Krankenbett: Mila Boehning und Devid Striesow als Kommissar in farbiger Freizeitkleidung
Im Krankenbett: Mila Boehning und Devid Striesow als Kommissar in farbiger Freizeitkleidung

Und das soll ein "Tatort"-Kommissar sein? Sein Auftreten ist doch unmöglich. In Shorts, Öljacke und Gummistiefeln schlurft er daher. Bewegt sich auf einem knatternden Moped statt im standesgemäßen Wagen. Und scheint auch sonst höchst anders zu sein.

Aber gemach: Noch ist ja Samstag. Devid Striesow tritt seine neue Stelle als "Tatort"-Kommissar Jens Stellbrink eigentlich erst am Montag an. Und am Wochenende kann ja jeder rumlaufen, wie er will. Auch im Baumarkt.

Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt, vor allem wenn man drittens als Neuer in dem größten Zugpferd der ARD antritt. Hätte er gewusst, was da beim Einkauf letzter Kleinmöbel für die neue Wohnung so alles passiert, Hauptkommissar Stellbrink hätte sich vielleicht doch etwas anders angezogen. Er begegnet seiner neuen Kollegin nämlich schon vor der Zeit. Und die fragt sich dieselbe Frage, die auch der Zuschauer sich stellt: Und das soll ein "Tatort"-Kommissar sein?

Leichen oder sonstige Ungereimtheiten

Jens Stellbrink passiert das, was Kommissaren oft passiert. Zumindest im Fernsehen. Die können in den Urlaub fahren oder im Krankenhaus liegen oder einfach ein Grillfest feiern; keine zehn Minuten vergehen, bis sie auf eine Leiche stoßen. Oder auf sonstige Ungereimtheiten. Der neue Saarländer "Tatort" macht da keine Ausnahme. Eben noch bezahlt der Herr Kommissar an der Baumarkt-Kasse, da hat er plötzlich ein kleines afrikanisches Mädchen, das nicht deutsch sprechen kann, am Wickel. Der Vater wohnt nicht weit weg, er dankt auch schön, als das Kind abgegeben wird. Aber die Tür wird etwas zu plötzlich zugeworfen. Der Kinderschrei dahinter ist auch nicht zu überhören.

Und das ist der Moment, wo der Kommissar sein Moped und seine neuen Anschaffungen vergisst. Wo er beherzt die Tür eintritt, das Kind, das hier offensichtlich entführt wurde, befreit. Und plötzlich vor höchst dubiosen und finster dreinblickenden Ausländern fliehen muss. Mit dem Mädel an der Hand. Geistesgegenwärtig ruft er noch seine zukünftige Kollegin an. Wie er das schafft, während hinter ihm schon die Pistolenschüsse pfeifen, und wieso er die Nummer schon auswendig weiß, wo man sich noch nicht mal vorgestellt wurde, das weiß der Drehbuchautor allein. Aber wer wird denn so kleinlich sein?

Peinliche Schlabberhemden

Eines sei mal klargestellt: Devid Striesow ist ein Guter. Der Berliner Schauspieler gehört zu den Besten seines Fachs, egal ob in Tom Tykwers "3" oder kürzlich als Mutti gewordener Vati in "Transpapa". Das Einzige, was man gegen den Ernst-Busch-Absolventen einwenden könnte, ist die Tatsache, dass er ein wenig zu häufig zu sehen ist im Fernsehen. Lange war er Hannelore Hogers Assistent in "Bella Block", jetzt ist er auch tv-polizeimäßig befördert worden. Gut möglich, dass er sich bei der Entwicklung seiner Figur Jens Stellbrink mit einbringen durfte. Ein Polizist, der in peinlichen Schlabberhemden rumläuft, auf Yucca-Palmen im Büro setzt und die besten Ideen beim Yoga hat, so ein Esoteriker im Dienst, das hat die deutsche Fernsehnation noch nicht gesehen.

Die neu antretenden Kommissare müssen ja alle möglichst unkonventionell sein, aber Saarbrücken will jetzt ganz offensichtlich den Münsteraner Ermittlern Konkurrenz machen. Und setzt auf Klamauk. Elisabeth Brück als taffe Kokommissarin Lisa Marx soll Striesow wohl erden, beide werden aber flankiert von einer Staatsanwältin, die wirklich dümmer ist, als die Polizei erlaubt. Sandra Steinbach, die diese Figur als bloße Karikatur anlegen muss, ist keinesfalls zu beneiden. Lachen mag man aber auch nicht über den Klamauk, zumal es hier um ein eigentlich sehr ernstes Thema geht: Afrikanische Kinder, die als Drogenkuriere missbraucht werden, von Finsterlingen, die für die Botschaft eines nicht genannten afrikanischen Landes arbeiten und lachend auf ihre Immunität verweisen.

Wir erinnern uns: Der Vorgänger Maximilian Brückner wurde in Saarbrücken geschasst, weil er bessere "Tatort"-Drehbücher forderte. Die Gesichter sind neu, das Problem ist eher noch evidenter geworden.

Tatort: Melinda. ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

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