25.01.13

Antisemitismus Nöstlinger findet Vorwurf gegen "Kumi-Ori" absurd


Die Wiener Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger, Jahrgang 1936

Foto: ROLAND SCHLAGER / picture alliance / ROLAND SCHLAG

Die Wiener Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger, Jahrgang 1936 Foto: ROLAND SCHLAGER / picture alliance / ROLAND SCHLAG

Ein Germanist wirft Christine Nöstlingers Kinderbuch „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ Antisemitismus vor. "Absurd“, sagt die Autorin und erklärt den umstrittenen Namen der Titelfigur Kumi-Ori.

Die Schriftstellerin Christine Nöstlinger hat auf den Antisemitismus-Vorwurf gegen ihren Kinderbuchklassiker "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" von 1972 reagiert, den der Germanist und Lyriker Lothar Quinkenstein erhoben hat. Quinkenstein hatte im "Tagesspiegel" darauf hingewiesen, dass "Kumi-Ori", der Name der fantastischen Titelfigur des Romans, den hebräischen Vers Jesaja 60,1 zitiere, der "Erhebe dich" und "Leuchte" bedeutet.

Bezogen sei der Vers, so Quinkenstein weiter, auf Jerusalem, was aus Nöstlingers fantastischem Gurkenkönig, der zu Ostern eine Wiener Familie heimsuche, lüge, intrigiere und zuletzt "abserviert" werde, einen König "Jerusalem" mache. Nöstlinger bediene in ihrem 1973 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Buch das Ressentiment, indem es "das Übel mit dem Judentum verbindet".

Christine Nöstlinger nannte Quinkensteins Vorwürfe auf Anfrage der "Welt" "völlig absurd" und erklärte, den Namen in Paul Celans Gedicht "Du sei wie du" entdeckt zu haben, das mit den Worten "kumi / ori" endet.

"Der ist eine Gurke, bitte"

Daraufhin habe sie die 1995 verstorbene jüdische Kinderbuchautorin Mira Lobe um eine Übersetzung gebeten. "Es war schwarzer Humor, ganz privat für mich, diesen fürchterlich konservativen Menschen, gegen den da revoltiert wird, 'Erhebet euch' zu nennen", so Nöstlinger. "Dass das Jerusalem ist, das sich da erheben soll, habe ich überhaupt nicht gewusst." Auf die Frage, ob ein hebräischer Name die Titelfigur zu einem Juden mache, sagte sie: "Der ist eine Gurke, bitte!" Antisemitismus liege ihr fern, wie ihr Buch "Maikäfer, flieg" zeige. Dort sei der einzig sympathische Soldat ein russischer Jude.

Christine Nöstlinger zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Kinderbuchautoren. "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig", ihr bekanntestes Buch, gilt als emanzipatorisches Schlüsselwerk der Kinderliteratur der Siebzigerjahre. Der autobiografische Roman "Maikäfer, flieg", ein Jahr nach "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" veröffentlicht, erzählt von Nöstlingers Erlebnissen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit.

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