23.01.13

Streit über die Hexe

Thienemann-Verlag wehrt sich gegen Zensur-Vorwurf

Mit der Ankündigung, das Wort "Neger" aus Otfried Preußlers "Kleiner Hexe" zu streichen, hat er eine Debatte entfacht: In einem Offenen Brief klagt Verleger Klaus Willberg jetzt über Boykott-Versuche.

Foto: dpa

Klaus Willberg, Geschäftsführer des Thienemann Verlags, mit Otfried Preußlers "Kleiner Hexe“. Der Begriff „Negerlein“ soll in einer überarbeiteten Ausgabe des Kinderbuchs ersetzt werden
Klaus Willberg, Geschäftsführer des Thienemann-Verlags, mit Otfried Preußlers "Kleiner Hexe". Der Begriff "Negerlein" soll in einer überarbeiteten Ausgabe des Kinderbuchs ersetzt werden

Im Streit über die Modernisierung von Otfried Preußlers Kinderbuch-Klassiker "Die kleine Hexe" hat sich Thienemann-Verleger Klaus Willberg mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Willberg hatte Anfang des Jahres angekündigt, in einer für den Sommer angekündigten Neuausgabe des erstmals 1958 erschienen Buchs auf den diskriminierenden Begriff "Negerlein" verzichten zu wollen und damit eine heftige Debatte über Sinn, Unsinn und Zulässigkeit einer solchen Änderung ausgelöst.

Insbesondere gegen den Vorwurf, durch die – in Zuschriften von Eltern lange geforderte – Anpassung an den heutigen Sprachgebrauch werde Preußlers Buch zensiert, setzt sich Willberg nun zur Wehr: "Die behutsame sprachliche Modernisierung in "Die kleine Hexe", schreibt er, "geht auf die von mir ausdrücklich begrüßte Initiative der Familie Preußler zurück, ist mit mir abgestimmt und von dieser autorisiert. Das hat mit Zensur nichts zu tun."

Wirtschaftliche Auswirkungen

Erschrocken zeigt sich Willberg über die "Vehemenz, mit der in der Überzahl der in der Regel per E-Mail eingegangenen Pamphlete für die Benutzung von diskriminierenden Begriffen eingetreten wird und welche Ressentiments sich entladen, wenn ein solcher Begriff aus einem Buch genommen wird." Die Vorwürfe gegen den Verlag wie auch gegen ihn persönlich hätten "von stalinistisch bis faschistisch als Vorstufe zur nächsten Bücherverbrennung" gereicht.

Als besorgniserregend bezeichnet Willberg, "den Aufruf in diesen Unmengen von Pamphleten, das gesamte Programm des Verlagshauses zu boykottieren". "Der unhaltbare Vorwurf der Zensur stellt … unsere sorgfältige und gewissenhafte inhaltliche Arbeit mit Autoren unter einen Generalverdacht, der tatsächlich wirtschaftliche Auswirkungen haben kann, wie Reaktionen von Kunden in Buchhandlungen zeigen."

Quelle: wfr
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